"Morlock Motors" Bonner betreibt Paradies für Autofreaks im Westerwald

Peterslahr. Michael Manousakis ist einer der ungewöhnlichsten Autohändler Deutschlands. Geschäftsbasis ist ein Exklusivvertrag mit der US-Armee. Der Westerwälder Unternehmer stammt aus Bonn und ist Star einer DMAX-Serie.

Shoppen spezial: Lust auf ein Flugfeld-Betankungsfahrzeug? Oder eine fahrbare Flugzeugtreppe? Oder ein Röntgenmobil für die Kontrolle von Seecontainern? Oder soll es nur ein Humvee, ein überbreiter Militär-Geländewagen sein? All dies gibt es bei einem der ungewöhnlichsten Autohändler Deutschlands, Michael Manousakis, mitten im beschaulichen Westerwald.

Rund 1000 Fahrzeuge sind nach seinen Worten im Angebot. Sein größter Trumpf ist ein Exklusivvertrag mit der US-Armee für ausrangierte Fahrzeuge und anderes Material. „Den Vertrag gibt es nur einmal in Europa. Wir verkaufen von der US Army alles außer Waffentechnik“, sagt Manousakis.

Konkurrenz? „Die haben wir nicht in dem Sinn.“ Zu ungewöhnlich ist das Unternehmen. Anekdoten? „Unsere Mitarbeiterin Rosi hat mal ihren Jungen vom Kindergarten abgeholt, mit einem Radpanzer. Er hat sich das gewünscht“, erzählt Manousakis, Chef des Unternehmens Morlock Motors, benannt nach den lichtscheuen Wesen, die in H. G. Wells' mehrmals verfilmtem Science-Fiction-Roman „Die Zeitmaschine“ im Untergrund riesige Maschinen betreiben.

Hauptgelände bei Peterslahr

Beim 300-Seelen-Dorf Peterslahr liegt Manousakis' Hauptgelände, 23.000 Quadratmeter groß, idyllisch von Wald umgeben. Olivgrüne Fahrzeuge drängen sich aneinander und stapeln sich manchmal sogar übereinander, an vier anderen Orten der Umgebung stehen weitere Vehikel. „Wir haben schon Autos nicht mehr gefunden“, gesteht Manousakis, 48 Jahre alt, rund zwei Meter groß, dunkles Haar. Der Versuch, den Bestand digital zu erfassen, sei gescheitert, zweimal. „Wenn das bei einem Motor passiert, sagen wir dem Kunden, der ist schon verkauft.“

Ein Mann kommt ins enge Büro: „Ich würde mich gerne mal umschauen.“ Manousakis blickt auf: „Nicht zwischen den Autos pieseln, dann geht das.“ Kurz darauf erscheinen die nächsten zwei Kunden, einer sagt: „Hallo Michael, wir kennen dich vom Fernsehen.“

Doku bei DMAX

Seit vier Jahren läuft die Doku-Soap „Steel Buddies - Stahlharte Geschäfte“ im Fernsehsender DMAX, derzeit mit Wiederholungen. Laut Manousakis ist sie in rund 25 Ländern zu sehen. „Auch in Japan zum Beispiel. Das ist witzig, sich synchronisiert auf Japanisch zu hören.“ Die Folgen heißen etwa „Die Katze im Sack“, „Alte Schätzchen“ und „Der grüne Gigant“, gezeigt werden Episoden der Arbeit von Manousakis und seinem etwa zwölfköpfigen Team. Starre Vorgaben für die Serie liebt der Chef nicht: „Mit einem Skript habe ich es nicht so, ich rede da frei Schnauze.“

Auch der Bürgermeister von Peterslahr, Alois Weißenfels, hat sich Folgen der „Steel Buddies“ angeschaut: „Morlock Motors liegt etwas versteckt, der Ort kriegt nicht so viel mit, da sieht man sich mal an, was da gemacht wird.“ Hinweisschilder gibt es keine im Dorf, viele Kunden informieren sich im Internet, manche fragen vor Ort nach dem Weg.

 

Sascha aus dem nahen Dorf Eichen, der seinen Nachnamen nicht nennt, erklärt: „Die Meinungen sind geteilt. Die einen sagen, das ist alles etwas ungeordnet, die anderen, das sind tolle US-Karren.“ Probleme mit Diesel, Altöl, Umweltschutz? Bürgermeister Weißenfels winkt ab: „Besondere Vorkommnisse hat es da nicht gegeben.“

Manousakis stammt aus Bonn

Auch im Internet gehen die Ansichten zu Manousakis auseinander. „Authentisch, labert kein dummes Zeug, macht einen klasse Job“, schreibt ein Fan auf Facebook. Auf der Seite pilotundflugzeug.de heißt es dagegen beispielsweise: „Wenn es grüne Spachtelmasse gäbe, könnte man sich das Lackieren gleich sparen.“

Manousakis, Vater einer Tochter, stammt aus Bonn. Schon früh begann der leidenschaftliche Schrauber Autos zu reparieren. Nach einer Episode als Bergungstaucher in Nigeria gründete er seine Firma. Vor zwei Jahrzehnten verlagerte er sie von Köln in den Westerwald: „Wir haben hier mehr Platz.“

Wieder ein Anruf: Manousakis gibt auf englisch Auskunft über ein Fahrzeug und checkt, um Zeit zu sparen, zugleich E-Mails. Umsatz und Gewinn von Morlock Motors? „Das weiß ich selbst nicht“, behauptet er.

Weltweiter Kundenkreis

Der weltweite Kundenkreis kann Sonderwünsche äußern, Morlock Motors bietet Umbauten an. US-Schulbusse zum Beispiel verwandeln sich in mobile Restaurants, Konferenzsäle und Präsentationsflächen. Je ungewöhnlicher desto besser? „Wir denken über vieles nach, vieles landet auch im Mülleimer“, erklärt der Morlock-Motors-Gründer.

Nicht nur Vehikel der US-Armee sind im Angebot: „Ich verkaufe auch Stromaggregate und Zahnarztstühle.“ In Saudi-Arabien hat Manousakis einmal eine Tunnelbohrmaschine erworben. „Da wurde mir kurz angst und bange, weil ich nicht wusste, ob ich sie wieder verkauft kriege. Aber in dem Job brauchst Du Mut.“ Tatsächlich: In Saudi-Arabien habe er das Stahlmonster auch wieder versilbert, an ein Bauunternehmen.

 

Hobbys: Langstreckenschießen und Fliegen

Ein ebenfalls spleeniger Kunde ist der in Linz-Kretzhaus ansässige britische Baumpflegedienst-Chef Gary Blackburn. „Ich bin sehr zufrieden mit Morlock Motors“, sagt der Gründer des Freilichtmuseums „Little Britain“ auf seinem Betriebsgelände. Sein Glanzstück: ein britischer 52-Tonnen-Panzer von Morlock Motors. Das Ungetüm aus den fünfziger Jahren und Schweizer Armeebeständen ist heute laut einem Schild ein „Mahnmal für Frieden und Freiheit“, geschmückt mit Friedenstauben und Mohnblumen aus Plastik. Demilitarisierte Panzer, versichert Manousakis, verkaufe er nur an Kunden, „bei denen wir der Meinung sind, dass sie alle Tassen im Schrank haben“.

Sechs Tage in der Woche arbeite er von 6 bis 22 Uhr, sagt der Zwei-Meter-Mann. Seine Hobbys? Langstreckenschießen und Fliegen. Er besitze mehrere Flugzeuge. Und einen Pilotenschein. Legendär unter „Steel Buddies“-Fans ist Manousakis' Flug 2015 mit einem langsamen, rund 40 Jahre alten, russischen Doppeldecker Antonov AN-2 mit nur einem Motor und selbst eingebauten Zusatztanks mit Zwischenlandungen von der Osteifel bis nach New York. Das traut sich nicht jeder Pilot.

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