Der mysteriöse Todesfall Jens Bleck

Belohnung für Hinweise nun 17.000 Euro

Bonn. Noch immer ist ungeklärt, wie der Bad Godesberger Student Jens Bleck in der Nacht zum 9. November 2013 ums Leben kam. Die „Initiative Jens Bleck – Bürger fordern Klarheit“ lobt jetzt 17.000 Euro Belohnung für Hinweise selbst aus, weil die Bonner Staatsanwaltschaft das Spendengeld nicht annimmt.

Im Fall des 19-jährigen Bad Godesberger Studenten Jens Bleck, der nach dem Besuch der (inzwischen geschlossenen) Bad Honnefer Diskothek „Rheinsubstanz“ in der Nacht zum 9. November 2013 unter mysteriösen und bis heute ungeklärten Umständen ums Leben kam, gibt es einige gute Nachrichten, einige weniger gute – und einige höchst nachdenklich stimmende Nachrichten.

Die guten Nachrichten vorweg: „Auch im Monat Februar sind noch Spenden auf unserem Konto bei der Sparkasse Köln-Bonn eingegangen“, teilten Änne von Bülow und Jan Maresch, die beiden Sprecher der „Initiative Jens Bleck – Bürger fordern Klarheit“, am Freitag mit. „Die Belohnung beträgt inzwischen 17.000 Euro. Das zeigt deutlich, wie sehr den Bürgern die Aufklärung dieses Falles am Herzen liegt. Ein Bonner Unternehmer hat gleich 500 Euro überwiesen.“ Nach Informationen der Bürgerinitiative gingen seit der Ausschreibung der Belohnung Ende Januar schon Hinweise bei der Polizei ein.

Die weniger guten Nachrichten: Elisabeth Auchter-Mainz, die als Leiterin der Generalstaatsanwaltschaft Köln im vergangenen Herbst die ihr unterstellte Bonner Staatsanwaltschaft angewiesen hatte, die Ermittlungen im Todesfall Jens Bleck nicht zum wiederholten Mal einzustellen, sondern vielmehr wiederaufzunehmen, ging zum Jahreswechsel mit Erreichen des Pensionsalters in den Ruhestand. Ihr Nachfolger im Amt ist seit Januar Thomas Harden (55), zuvor Leiter der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und bislang mit dem Fall Jens Bleck nicht befasst.

Am 23. Januar schrieb die Initiative an die Kölner Generalstaatsanwaltschaft: Man stelle die gesammelten Spenden gerne den Ermittlungsbehörden zur Verfügung. Köln möge deshalb die Bonner Staatsanwaltschaft „in Ergänzung ihrer in der Zwischenzeit erfolgten Ermittlungen“ bitten, diese Summe als Belohnung für Hinweise, die zur Klärung des Tathergangs beitragen, öffentlich auszuloben. Änne von Bülow ergänzte: „Sollte dies in einer gegebenen Zeit nicht möglich sein, werden die Mittel gegebenenfalls – wie den Spendern gegenüber schon angekündigt – für die Beauftragung eines Privatdetektivs eingesetzt.“

Initiative schlägt Auftritt bei „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vor

Im Brief an die Kölner Generalstaatsanwaltschaft bat die Initiative darum, die Auslobung auch überörtlich durch entsprechende Medien bekannt zu machen: „Der Fall hat ja durch einen großen Bericht in der "Zeit" und jüngst durch eine ZDF-Sendung eine deutschlandweite Publizität erhalten“, so Maresch. „Es ist durchaus denkbar, dass aktive oder ehemalige Studierende der Internationalen Hochschule in Bad Honnef an dem fraglichen Abend die Diskothek besucht haben.“

Ferner regte die Initiative in ihrem Brief vom 23. Januar an, den Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vorzustellen, dort die nach Überzeugung des Anwalts der Eltern aufschlussreichen Sequenzen aus den Videos der Überwachungskameras der Diskothek zu zeigen und auch die hohe Belohnung zu erwähnen.

„Am Schluss unseres Briefes haben wir dann um die zeitnahe Kontaktaufnahme mit uns durch die Staatsanwaltschaft Bonn gebeten, um die Einzelheiten der Auslobung zu besprechen“, erinnert sich Sprecher Jan Maresch.

Die Antwort aus Köln bestand aus vier Zeilen: Man bedankte sich für den Erhalt des Briefes und teilte mit, er sei „zuständigkeitshalber“ an die Bonner Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden, die dann „zu gegebener Zeit“ die Bürgerinitiative über eine Entscheidung unterrichten werde.

Bonner Staatsanwaltschaft lehnt Spendengelder ab

Diese Unterrichtung aus Bonn folgte vier Wochen nach Absenden des Briefes der Bürgerinitiative nach Köln. Darin teilt die zuständige Bonner Oberstaatsanwältin Claudia Trauzettel mit, dass „Geldbeträge, die der Staatsanwaltschaft von privater Seite zur Auslobung von Belohnungen angeboten werden, nicht angenommen werden dürfen“. Weiter heißt es: „Es bleibt Ihnen natürlich unbenommen, den Betrag nach zivilrechtlichen Regelungen privat als Belohnung auszuloben.“

Im Schreiben ist zwar die rechtliche Grundlage der Ablehnung nicht erwähnt. Aber es existiert in der Tat ein gemeinsamer Runderlass des Innenministers und des Justizministers von NRW aus dem Jahr 2009, der Ermittlungsbehörden die Annahme privater Spenden für Belohnungen untersagt.

Der Erlass enthält allerdings auch den Passus: „Es bestehen keine Bedenken dagegen, etwaige Spender bei der Verteilung derartiger Zuwendungen unverbindlich zu beraten.“ Eine Beratung wurde im Ablehnungsschreiben nicht angeboten. Ferner wurde mit keiner Zeile auf die Anregung der Bürgerinitiative eingegangen, den Fall Jens Bleck in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vorzustellen.

Auch eine aus der Staatskasse finanzierte Belohnung (wie im Godesberger Fall Niklas Pöhler) wurde bislang nicht in Betracht gezogen. Deshalb lobt die Bürgerinitiative nun selbst aus (siehe Website mit den Modalitäten im Info-Anhang). Das ist zivilrechtlich nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) durchaus möglich und erweitert sogar die Bandbreite der möglichen Empfänger.

Anderswo in Deutschland zeigen sich Ermittlungsbehörden beim Thema Belohnungen auch schon mal dankbar für privates Spenden-Engagement der Bürger. So wurde zum Beispiel im Vermisstenfall Elias in Potsdam die privat gespendete Belohnung in enger Abstimmung mit den Ermittlern ausgelobt. Und im Fall der im vergangenen Jahr getöteten 19-jährigen Freiburger Studentin bedankten sich Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Presseerklärung öffentlich und ausdrücklich bei den privaten Spendern aus der Bürgerschaft.

„Nach mittlerweile drei Jahren und vier Monaten stelle ich mir die Frage, ob die Staatsanwaltschaft Bonn überhaupt Interesse an der Aufklärung hat“, sagt Torsten Bleck, der Vater von Jens. „Und wenn es so wäre: Welche Gründe könnte sie dafür haben?“

Der Frust der Eltern wird noch an anderer Stelle genährt: Nachdem sie gemeinsam mit ihrem Anwalt in dessen Kanzlei in tage- und nächtelanger Fleißarbeit die insgesamt mehr als zehn Stunden langen Videoaufnahmen der Disko-Überwachungskameras minutiös ausgewertet hatten, sagte Torsten Bleck am 24. Oktober 2016 im General-Anzeiger: „Jetzt ist offensichtlich, was unserem Sohn zugestoßen ist.“ Mehr wollte er auf Anraten seines Anwalts nicht sagen, um juristisch verwertbare Ermittlungen nicht zu gefährden.

Bereits am folgenden Tag erhielt der Anwalt Post von Staatsanwältin Claudia Trauzettel: Sein Mandat solle sich binnen Frist schriftlich erklären, was er mit dem Zitat gemeint habe. Der Anwalt der Eltern bot daraufhin der Staatsanwaltschaft Bonn an, sein Mandant könne gerne die Behörde aufsuchen und der zuständigen Sachbearbeiterin seine Erkenntnisse anhand des ausgewerteten Videomaterials erläutern.

Die postwendende Antwort: Nein, es werde „ausdrücklich“ um „schriftliche Mitteilung“ gebeten. Bleck: „Ich konnte mich seinerzeit nicht des Eindrucks erwehren, dass man Druck auf mich ausüben wollte, um weitere öffentliche Äußerungen zu unterbinden.“

Nach weiterem Schriftverkehr und einem Gespräch der Eltern mit NRW-Justizminister Kutschaty und der damaligen Kölner Generalstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz am Rande einer Rechtsausschuss-Sitzung des Landtages lenkte die zuständige, inzwischen zur Oberstaatsanwältin beförderte Sachbearbeiterin Trauzettel ein: Am 7. Dezember 2016 schrieb sie, dass „zu gegebener Zeit eine zeugenschaftliche Vernehmung ihres Mandanten erfolgen soll“.

Zu gegebener Zeit. Bis heute wurde Torsten Bleck kein Termin genannt. „Die Mitteilung über meine vorgesehene zeugenschaftliche Vernehmung ist mittlerweile drei Monate her.“

Sachdienliche Hinweise, die zur Klärung des Todesfalls beitragen, nimmt das Bonner Polizeipräsidium (Telefon 0228-15-0) entgegen, aber auch jede andere Polizeidienststelle in Deutschland. Weitere Informationen zur Auslobung der Belohnung im Internet unter: www.initiative.jens-bleck.de