Chor aus Moskau

Beeindruckend: Die russischen "Wesna"-Sänger

Unglaublich! Phänomenal! Sagenhaft! Derlei Superlative könnte man geradezu inflationär gebrauchen, wenn man den Moskauer Chor "Wesna" hört, der auf Einladung des Schedrick-Chores derzeit in Deutschland zu Gast ist. Der von Irina und Pavel Brochin geleitete Chor aus Oberpleis war bereits im vergangenen Oktober in Moskau gewesen.

Der derzeitige Gegenbesuch erfolgt nicht nur zum gemeinsamen Konzertieren, sondern auch der Besuch zweier Chorfestivals steht auf dem Programm. Die Generalprobe erfolgte bei einem gemeinsamen Konzert im Clara-Schumann-Gymnasium, das der Schedrick-Mädchenchor eröffnete. Mit "Nigra sum" von Pablo Casals und einem Spiritual zeigte man nach noch etwas unsicherem Beginn stimmliche Perfektion.

Beide Schedrick-Chöre beeindruckten hernach mit einem facettenreichen Programm, das von einem ergreifend schön einstimmig gesungenen Volkslied bis hin zu abwechslungsreichen Bearbeitungen aktueller Popsongs reichte. Kleinere Unsicherheiten störten den großartigen Gesamteindruck nicht. Absolut professionell zeigte sich der "Wesna"-Chor, der von Nadezhda Avérina geleitet wird. Was die jungen Sängerinnen an Stimmbeherrschung an den Tag legten, war ohne die geringste Übertreibung sensationell.

Höhepunkt war das Stück "Aglepta" von Arne Mellnäs, bei dem man nicht nur singen, sondern auch zahlreiche andere Geräusche machen und - was auch Profis manch Mühe bereiten dürfte - anschließend immer wieder die richtigen Einsatztöne wiederfinden musste. Das alles meisterte man ebenso bravourös, wie man den imitatorischen Satz von Hans Leo Haßlers "Ihr Musici" mit lupenreiner Intonation und schlanker Tongebung und das humorige "Duetto buffo di due gatti" von Gioacchino Rossini mit opernhaftem Duktus gestaltete.

Bezeichnendes Detail am Rande: In beiden Chören waren genau zwei Knaben. Ein - leider - untrügliches Indiz dafür, dass Singen zumindest im Kinder- und Jugendalter immer noch eine Mädchendomäne ist. Schade eigentlich, denn die Stimmakrobatik, mit der beide Ensembles beeindruckten, war schließlich alles andere als uncool.