Viraler Erfolg aus Bochum

Apotheker reagiert auf Kopftuchbeschwerde von Kundin

Die farma-plus Apotheke in Bochum.

Die farma-plus Apotheke in Bochum.

29.01.2016 BOCHUM. Die Kundin einer Apotheke in Bochum schreibt dem Inhaber einer Apotheke: Sie wolle ihre Kundschaft beenden, da sie von einer Mitarbeiterin mit Kopftuch bedient wurde. Der Apotheker Jens Beuth antwortet und wird zum viralen Star.

Der Apotheker Jens Beuth traute seinen Augen nicht, als er den Brief einer Kundin öffnete.

In diesem beschwert sich die Frau, dass sie von einer Mitarbeiterin mit Kopftuch bedient worden ist. Sie fühle sich dadurch angegriffen und beende aus diesem Grund ihre Kundschaft in der farma-plus Apotheke im Ruhrpark in Bochum.

 

Beschwerdebrief der Kundin

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich mit Erschrecken fest stellen musste, dass Sie ein Mitarbeiterin mit muslischem Kopftuch beschäftigen, haben sie mich und meinen Mann als Kunden verloren. Wir können es definitiv nicht akzeptieren, dass mir durch diese Person nonverbal mitgeteilt wir, ich präsentiere mich also Sexualobjekt und dass meinen Mann unterstellt wird, dass er schon geil wird, sobald er ein paar Haare sieht. Integration läuft auf jeden Fall anders!

Leider muss ich noch ein bestelltes und bereits bezahltes Medikament abholen, aber danach werden mein und ich unsere benötigen Medikamente definitiv bei Ihrer Konkurrenz erwerben...

Mit kopftuchlosen Grüßen

Xxxxxxxxx

Apotheker Jens Beuth antwortet prompt und stellt die Beschwerde der Frau sowie seine Reaktion auf seine Faccebook-Seite.

Er betont, dass er normalerweise als Geschäftsmann bei Beschwerden dazu verpflichtet sei, einen "floskelhaften Brief" zu verfassen, seine Kunden um Verständnis bittet oder sich entschuldigen. In diesem Falle würde er dies jedoch nicht tun.

Er erklärt sehr detailliert, dass er ein großer Unterstützer von Integration ist und deshalb alle Menschen gleich behandelt. Wenn sie als Kundin das nicht teile, müsse sie sich eine neue Apotheke suchen.

Antwort des Apothekers

Sehr geehrte Frau Xxxxxxx,

ich glaube zwar, dass wir uns noch aus gemeinsamen Schultagen an der Xxxxx-Schule (Sie noch als Xxxxxxxxx) kennen, allerdings ist es mir doch lieber, beim "Sie" zu bleiben. Das geehrte hätte ich mir auch sparen können, aber mir fiel keine passende Anrede ein.
Normalerweise erwarten Sie jetzt, dass ich als Geschäftsmann einen floskelhaften Brief schreibe, Sie um Verständnis bitte oder mich für irgendetwas entschuldige, die Mitarbeiterin kündige oder Ihnen anbiete, zukünftig von jemand anderem bedient zu werden. Das ist aber nicht der Fall!!!
Das Leben ist zu kurz, um andere zu kritisieren, Druck auszuüben u.ä.
Ich beschäftige Christen, Muslime und Atheisten,
dicke, dünne, große und kleine Frauen und Männer, von jung bis alt, blond bis schwarzhaarig, lange, kurze und auch ohne Haare! Wir haben Autofahrer/innen, Motorradfahrer/innen und nichtmotorisierte Mitarbeiter/innen, tättowierte, gepiercte, hellhäutige und Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Außerdem haben wir Mitarbeiter/innen, die Fleisch essen, Vegetarier und Veganer. Fußballfans vom VfL 1848, S04 und BVB 09 und nichtinteressierte! Ein Querschnitt aus der Bevölkerung!
Ich freue mich sehr, daß Sie selbst einsehen, beim nächsten mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind. Da wir aber einen gesetzlichen Auftrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln haben, werden wir Sie im Notfall trotzdem fachgerecht und freundlich als Patientin begrüßen! Ist das nicht geil???
Ihr bestelltes Medikament dürfen Sie gerne bei uns abholen, wir erstatten Ihnen aber auch gerne den Betrag und geben Ihnen das Rezept zurück, falls Sie das Medikament lieber in einer "kopftuchlosen" Apotheke erwerben wollen. Und ja, Integration läuft anders, zumindest als Sie denken! Aber vielleicht möchten Sie sich ja noch selbst in Zukunft in die Gesellschaft integrieren und damit aufhören zu intrigieren!
Mit Ihrem Einverständnis schicke ich Ihren Brief und meine Antwort sehr gerne zusätzlich über facebook, dann kann sich jede/r Leserin/Leser ihre/seine eigene Meinung bilden!!!

P.S.: was ist eigentlich ein muslisches Kopftuch???

Jens Beuth e.K.
farma-plus Apotheke Beuth im Ruhrpark
Am Einkaufszentrum 8
44791 Bochum

Viraler Hit

Der Beitrag des Apothekers bei Facebook ist mittlerweile fast 23.000 Mal geteilt, mehr als 1.000 Mal kommentiert und fast 6.500 Mal mit "gefällt mir" markiert worden.

Jens Beuth erhält viel Lob und Respekt von den Menschen, die seine Reaktion auf die Beschwerde und seine Stellungnahme zur Integration unterstützen. (Alexandra Mölleken)