Unfälle

2018 gab es schon mindestens acht Badetote in NRW

Badeunfall

Symbolfoto.

KAARST/BONN. In NRW sind in diesem Jahr bisher mindestens acht Menschen in Seen, Flüssen und Bädern ertrunken. Allein am Kaarster See starben zwei Personen, zuletzt am Sonntag ein 19-Jähriger. 2016 und 2017 waren die Zahlen gleichwohl höher.

Ein 19-Jähriger aus Rumänien hat am Sonntag bei einem Unglück am Kaarster See sein Leben verloren. Er ist bereits der zweite Badetote im Kaarster See in diesem Sommer. Zuvor war dort schon ein Vierjährigerertrunken.

Die Unglücksfälle schrecken die anderen Badegäste offenbar nicht ab. Ortstermin am Montag: Am ersten Ferientag in NRW ist der Kaarster See gut besucht. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad sind Hunderte zum Baden gekommen. Ein Parkplatz ist schon am frühen Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen. Sorge oder gar Angst, ins Wasser zu gehen hat niemand der Gäste. „Wir kommen hier schon seit Jahren hin. Wir fühlen uns sicher, und uns oder Freunden ist auch noch nie etwas passiert“, sagen die 21 Jahre alten Studentinnen Miriam und Julia. Außerdem seien ja Rettungsschwimmer anwesend, die im Notfall eingreifen würden, sagen die beiden Freundinnen. Am Kaarster See sitzen die Rettungsschwimmer erhöht in kleinen Holztürmchen. Von dort aus haben sie den See gut im Blick. Zu den Umständen des Unglücks am Sonntag können die Aufseher nichts sagen. Ob der 19-Jährige Nichtschwimmer gewesen sei, wüssten sie nicht.

Landesweit hat es in diesem Jahr schon mindestens acht tödliche Badeunfälle gegeben. Neben den beiden Opfern in Kaarst ertrank im Rhein-Kreis Neuss in einem anderen Baggerloch ein weiterer junger Mann. Im Rursee in der Eifel starb ein Mann aus Indien. Und in der Ruhr ging eine 69 Jahre alte Frau unter. Ebenfalls am Sonntag kam in Oberhausen in einem Schwimmbad ein 19-Jähriger ums Leben. Im Juni ertrank ein 24-Jähriger in einem Badesee bei Kerken am Niederrhein. Er war gemeinsam mit einem Bekannten zum Schwimmen in ein Waldfreibad gegangen. Schon Ende April verstarb zudem ein 23-Jähriger nach einem Bad im Rhein in Köln. Zum Vergleich: 2017 sind in NRW 55 Menschen in Gewässern ertrunken, im Jahr zuvor 76.

Auch in der Bonner Region ereigneten sich in der Vergangenheit tödliche Badeunfälle. Vor knapp drei Jahren starb etwa ein 19-Jähriger aus Hennef bei einem Badeunfall im Allner See - im September desselben Jahres entdeckte ein Angler eine Leiche am Rotter See in Troisdorf. Bei dem Toten handelte es sich um einen 35-jährigen Troisdorfer, die Polizei vermutete einen Badeunfall.

Rettungsschwimmer in erhöhter Alarmbereitschaft

Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) unterschätzen viele ihre Schwimmfähigkeit. Manche gingen auch ins Wasser, obwohl sie nicht schwimmen könnten, so die DLRG. In den beiden vergangenen Jahren seien unter den Todesopfern viele Flüchtlinge gewesen. Der Grund: Viele von ihnen seien Nichtschwimmer. Mit Zeichnungen und mehrsprachigen Regeln warnen deshalb viele Schwimmbäder Flüchtlinge vor den Gefahren des Wassers. Sie weisen darin unter anderem auf unterschiedliche Wassertiefen hin.

Die Rettungsschwimmer sind wegen der derzeit anhaltenden hohen Temperaturen in erhöhter Alarmbereitschaft und gehen jedem Hinweis sofort nach. So auch am Montagnachmittag in Düsseldorf, wo kurzzeitig nach zwei Kindern im Rhein gesucht wurde. Sie waren aber von sich aus wieder an Land gegangen.

Temperaturen locken Menschen in den Rhein

"Fakt ist: Baden im Rhein ist gefährlich", sagt Ramon van der Maat von der Wasserschutzpolizei in Duisburg auf GA-Anfrage. Bei den Strömungen im Rhein könne der Sog so stark wirken, dass er selbst geübte Schwimmer bis auf den Grund zieht. Die Strömungen sind meist nicht zu erkennen. Wellen von Schiffen könnten im Wasser stehende Menschen umwerfen. "Bei den derzeitigen Temperaturen gehen jede Menge Menschen in den Rhein, teilweise kann es da schon gefährlich sein, wenn man nur bis zu den Knien im Wasser steht", erklärt van der Maat. Daher solle man nicht im Rhein schwimmen gehen.

Der Polizeisprecher weist allerdings auch daraufhin, dass es durchaus Stellen gebe, an denen das Baden im Rhein erlaubt sei. Die genaue Regelung ist in der Verordnung über das Baden und Schwimmen in den Bundeswasserstraßen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd festgehalten. "Viele Leute gehen dort im Rhein baden, wo sie es auch dürfen", sagt van der Maat. Immer wieder komme es dadurch vor, dass die Polizei alarmiert werde, weil jemand eine Person im Rhein gesehen habe. "Vor Ort stellen wir dann öfter fest, dass hier alles in Ordnung ist und fehlen dann unter Umständen an anderer Stelle, wo wirklich Gefahr im Verzug ist", so der Sprecher. In NRW gibt es Hunderte Seen und Flüsse, in denen die Menschen baden gehen. Viele sind beaufsichtigt, in anderen ist das Baden offiziell verboten.