Delfine in der Ostsee gesichtet

Überlebenschancen sind „gut“

Ein Delfin schwimmt am in der Ostsee vor einem Boot der Fischereiaufsicht Wismar.

Wismar/Stralsund/Lübeck. Nach einem Schnabelwal sorgen jetzt zwei Große Tümmler vor der deutschen Ostseeküste für Aufsehen. Die Tiere haben sich in die Ostsee verirrt und halten sich in der Wismarer und Lübecker Bucht auf. Die Überlebenschancen bezeichnen Meeresbiologen als „gut“.

Zwei Delfine haben sich in die Ostsee verirrt und bieten vor der deutschen Küste ein Naturschauspiel. Fischereikontrolleure hatten am Dienstag bei Wismar die Meeressäuger auf einer Kontrollfahrt in der Wismarbucht gesehen und gefilmt. „Die beiden Tiere haben uns begleitet, schwammen unter dem Boot durch und sprangen aus dem Wasser“, sagte Christian Schmiedeberg, einer der Kontrolleure, am Freitag. Mehrfach seien die Kontrolleure mit ihrem Boot „Graubutt“ hin- und hergefahren - die Tiere immer neben oder unter sich in Begleitung. „Nach rund 15 Minuten haben wir angelegt, dann schwammen die Tiere weiter.“

Die Aufnahmen gingen an das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, wo Experten die Delfine als „Große Tümmler“ (Tursiops truncatus) identifizierten. Große Tümmler, die eine Größe von zwei bis vier Meter erreichen können, gehören wie andere Delfinarten zu den Zahnwalen. „Die Tiere sind als Irrgast in die Ostsee gelangt“, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Sie waren in den vergangenen Tagen auch in der Lübecker Bucht gesichtet worden. Möglicherweise handele es sich sogar um die Delfine, die im Juni bei Fehmarn gesehen worden waren, ergänzte Benke. Das Geschlecht der Tiere konnten die Forscher nicht identifizieren.

„Der natürliche Lebensraum der Großen Tümmler sind die Nordsee und der Atlantik.“ Auf der Jagd nach Nahrung dringen sie gelegentlich in die Ostsee vor. Während vor der dänischen Ostseeküste häufiger Tümmler beobachtet würden, seien vor der deutschen Ostseeküste bislang nur fünf Beobachtungen beschrieben worden, sagte Benke. Ganz selten schwämmen die Tiere bis in den baltischen Raum vor Finnland oder Lettland.

Die erste Beobachtung in der deutschen Ostsee ist demnach für den 6. Mai 1842 vor Stralsund verzeichnet. Zehn Jahre später verirrte sich gar eine „Schule“ - also eine Gruppe - in den Greifswalder Bodden. Weitere Delfine wurden 1870 vor Kiel und 1882 vor Lübeck registriert. Zuletzt war 2007 ein totes, in der Ostsee treibendes Tier von einem Schiff auf der Fahrt nach Eckernförde ins Schlepptau genommen worden.

Die Überlebenschancen für die Tümmler bezeichnete Benke als „gut“. Die Tiere seien in der Lage, große Strecken zurückzulegen. Mit den Heringen gebe es auch genügend Nahrung für die Delfine in der Ostsee. Auch seien die Tiere kalte Temperaturen gewohnt. Schwierig sei es nur, wenn in strengen Wintern Teile der Ostsee zufrieren. „Das ist für alle Lungenatmer ein Problem“, sagte Benke.