Dschungelcamp

Wieso die TV-Show so erfolgreich ist

Claudelle würgte einen langen Sandwurm runter und erhielt einen Stern dafür.

Australien. Das Dschungelcamp ist salonfähig geworden. Bei den jüngeren Zuschauern gucken sogar fast viermal so viele das Ekel-TV wie die "Tagesschau". Am Samstag entscheidet sich, wer "Dschungelkönig" wird.

Minutenlang knetet Fiona Erdmann unschlüssig einen abgehackten Kamel-Penis zwischen ihren rot lackierten Fingern. Das fleischfarbene anatomische Ungetüm sieht scheußlich und zäh aus.

"Ich will das gar nicht riechen." Einhellig schallt es von den Moderatoren zurück: "Aber Du sollst es ja auch essen." Fiona beißt grimmig zu. Sie schluckt und weint und schluckt und würgt und schluckt.

Das Model isst auf und besteht die Prüfung. Solche Szenen aus der RTL-Ekelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" sorgen noch mindestens bis zum Samstag wieder für heftige Diskussionen in Deutschland.

Sensationelle Quoten

Nie waren die Zuschauerzahlen des Kultspektakels insgesamt so gut wie dieses Jahr. Am Donnerstagabend zum Beispiel war es mit fast 6,9 Millionen Zuschauern wieder die beliebteste aller Sendungen.

In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen verfolgten fast viermal so viele Menschen das Dschungelcamp wie die "Tagesschau". Am Samstag werden wohl über sieben Millionen um 22.15 Uhr das Finale einschalten. Dann wird der "Dschungelkönig" gekürt.

Wer schaut eigentlich zu?

Kurz gesagt: Alle. Die Fangemeinde zieht sich durch alle Schichten. Marktforscher sagen aber: Vor allem weibliche Fans lieben das Hin und Her zwischen Ekelprüfungen und vermeintlich tiefsinnigen Gesprächen.

"Frauen sind ja generell an zwischenmenschlichen Beziehungen interessiert", erläuterte Forscherin Joan Kristin Bleicher jüngst. Die C- und D-Promis liefern jede Menge Tratsch und Gerüchte, womit der Boulevard Titelseiten gestaltet.

Hinzu kommen Lästerattacken wie "Sams mit Haarverlängerung" (über Georgina) oder "Knochen" (über die magere Fiona). Die selbst ernannte Camp-Mutti Olivia Jones analysierte kürzlich treffend: "Jetzt sind wir ein psychisches Kriegs-Krisengebiet."

Daniel Hartwich, der Neue

Viele hatten erwartet, dass das erste Dschungelcamp ohne Dirk Bach einen Durchhänger erlebt und sahen Nachfolger Daniel Hartwich in großen Fußstapfen. Doch Hartwich imitierte den kleinen Dicken nicht, obwohl viele Gags aus derselben Feder stammen.

Das hat ihm viel Respekt eingebracht. Auch Kollegin Sonja Zietlow frotzelte in der ersten Sendung, sie finde ihn "gar nicht so scheiße, wie viele sagen". Anfangs fremdelnd harmoniert das neue Duo jetzt gut.

Hartwich hat bewiesen, dass er etwa während der Ekelprüfungen spontan reagieren kann und ähnlich gut wie Dirk Bach an Zietlows Seite passt. Hartwich hat auch einen Running Gag: Unermüdlich beharrt er darauf, dass man Penis sagt und nicht - wie Olivia Jones - "Piephahn".

Skandale

Skandale waren zunächst mal die Ausnahme. RTL hatte Helmut Berger als Kandidaten verpflichtet - vielleicht in der Hoffnung auf Ausraster. Doch der einst schönste Mann der Welt war nur zum Start Aushängeschild. Dann reiste der 68-Jährige mit angeschlagener Gesundheit ab, Klaus Baumgart kam.

Für Aufmerksamkeit sorgten dann anzügliche Anspielungen von Dragqueen Olivia Jones, der "Sams"-Eklat zwischen Georgina und Fiona sowie erschütternde Lebensbeichten von Joey Heindle. Der 19-Jährige sprach ungehemmt über seine todtraurige Kindheit, Schläge und Seelenkrisen.

Viele Zuschauer diskutierten, ob dieser junge Mann schon reif für die Sendung war. Damit bleibt die siebte Staffel aber deutlich hinter ihren Vorgängern zurück. So schmiss RTL den Musiker DJ Tomekk 2008 aus dem Camp, weil er den Hitlergruß gezeigt hatte. Drei Jahre später verließ Model Sarah Knappik das Camp freiwillig nach heftigen Streits.

Die ekligsten Momente

Die ekligsten Momente sind im Grunde dieselben wie jedes Mal - allerdings variiert der Sender immer mehr. Der Känguru-Hoden kam diesmal vom Schaf. Zudem gab es bei der wohl ekeligsten aller Ekelprüfungen unter anderem Kamelblut mit Kamellebergeschmack, rohes Fischauge und lebende Sandwürmer.

Wenn die Stars Tiere essen müssen, verziehen selbst die Moderatoren das Gesicht. Ansonsten spritzt ab und zu mal Ahornsirup oder irgendwer muss in Fischresten und Schleim abtauchen. Daran hat sich seit der Premiere nichts geändert. Darüber hinaus hängt der Ekel ganz von den persönlichen Ängsten ab. So geriet Georgina vor allem bei Ratten in Panik und verweigerte Mutproben.

Eingefleischte Fans streiten über die Frage, ob die Prüfungen früher ekliger waren und die Sendung nicht zu brav wird. Ein Indiz: Keiner der Kandidaten hat bisher den Hilferuf geschrieen, der der Sendung einst den Namen gab: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" Georgina brach eine Prüfung einfach ab. Und selbst Berger, der ganz abreiste, berief sich auf den Arzt.