Neu im Kino

So ist der neue "Men in Black: International"

Im Team: Tessa Thompson als Agent M und Chris Hemsworth als Agent H in „Men in Black: International“.

Im Team: Tessa Thompson als Agent M und Chris Hemsworth als Agent H in „Men in Black: International“.

Müde Effekte: "Men in Black: International" ist ein überflüssiges Relaunch der Kultserie, sagt unser Autor. Wir geben einen Einblick in den neuen Kinofilm.

Sie sind unter uns, die Außerirdischen, und zwar schon lange. Nur merkt das keiner. Aus dieser einfachen These formte Barry Sonnenfeld 1997 seine Science-Fiction-Komödie „Men in Black“. Genau wie J.K. Rowlings „Harry Potter“, dessen erster Band exakt fünf Tage zuvor erschienen war, entwarf auch „Men in Black“ ein Paralleluniversum zur bestehenden Realität, von dem die Normalsterblichen – anderorts auch Muggels genannt – nicht die leiseste Ahnung hatten.

Aliens in allen Größen, Farben und Formen bevölkerten hier die Erde. Die geheime Agentur der Men in Black versorgte die Immigranten aus dem All zur Tarnung mit menschlichen Ganzkörperkorsetts, damit die Urbevölkerung nicht in Panik geriet. Als Agenten bildeten Will Smith in der Rolle der hyperaktiven Quasselstrippe und der wortkarge Tommy Lee Jones mit seinem sorgfältig zerknitterten Gesicht ein komödiantisches Optimalpaar.

Mit großen Wummen hielten sie die glitschigen Aliens in Schach, outeten Michael Jackson als Außerirdischen und machten Schleichwerbung für einen Sonnenbrillenhersteller, der sich danach eine goldene Nase verdiente.

 

Zusammen mit einer geschickten Marketing-Kampagne reichte das Ende der Neunziger aus, um ein stattliches Einspielergebnis von fast 590 Millionen Dollar und zwei ähnlich erfolgreiche Sequels zu generieren. Nun sieht Rechteinhaber Sony die Zeit gekommen, durch ein Relaunch mit einer alten Idee neues Geld zu machen. Nach dem dritten Teil waren sich vor sieben Jahren selbst eingefleischte Fans einig, dass man diesen Teebeutel nicht noch einmal ins Wasser halten muss. Aber da Hollywood zur Zeit in Sachen Nachhaltigkeit die Nase ganz weit vorn hat, führte an der Reanimation des Stoffes wohl kein Weg vorbei. Chris Hemsworth schlüpft in die Rolle des Mannes in Schwarz. Das gibt Hoffnung, denn Hemsworth hat sich als „Thor“ in letzter Zeit ein ermutigendes Maß an maskuliner Selbstironie erarbeitet.

Die Zeichen der Zeit erkannt

Sein Agent H ruht sich in der Londoner Filiale auf seinen Lorbeeren als Weltenretter aus und vergnügt sich mit außerirdischen Drogen und Geliebten. Aber seine unorthodoxen Einsatzmethoden stoßen selbst beim wohlgesonnenen Chef High T (Liam Neeson) zunehmend auf Ablehnung. Deshalb wird dem Rowdy in Black die ehrgeizige Neuagentin M (Tessa Thompson) zur Seite gestellt.

Wir sehen: Auch die Macher von „Men in Black“ haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen mit der Aufstockung ihres weiblichen Personalbestandes zu punkten. Aber das bleibt hier nur ein halbherziger Anbiederungsversuch an den feministischen Zeitgeist. Regisseur F. Gary Gray hat sich in jungen Jahren mit dem bahnbrechenden Bankräuberinnen-Film „Set It Off“ (1996) eigentlich einschlägig qualifiziert. Auch Tessa Thompson hat sich als Valkyrie in „Thor: Ragnarok“ und „Avengers: Endgame“ nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Aber die Drehbuchautoren Matt Holloway und Art Marcum („Transformers: The Last Knight“) wissen mit der (verordneten) Woman in Black nichts anzufangen.

Die Rolle der strebsamen Novizin, die einiges besser weiß und noch viel lernen muss, wirkt völlig unausgegoren. Dass M alles mit dem Kopf entscheiden will und ihr vorlauter Kollege aus dem Bauch heraus agiert, ist eine schematische Umkehrung der Geschlechterklischees, die zu einer allzu zaghaften Ironisierung maskuliner Allüren führt. Schlimmer jedoch als das unbeholfene Ringen um feministische Correctness wiegt der abgrundtief einfallslose Plot.

Ein außerirdisches Bösewichtwesen, das menschliche Körper infiltriert, ist auf der Jagd nach einer alles vernichtenden Superwaffe. Hat man so etwas schon einmal gesehen? Genauso wie die müden Effekte, die mit Laser-Licht-Hokuspokus ihr langweiliges Zerstörungswerk verrichten. Die Konkurrenz ist groß – aber „Men in Black: International“ hat Chancen, als überflüssigstes Relaunch in die Filmgeschichte dieses Jahrzehnts einzugehen. ⋌Kinopolis