Beuelerin beim Eurovision Song Contest

Natalie Horler startet in Malmö durch

Bonn. Bis vor zwei Tagen konnte Natalie Horler noch locker am Beueler Rheinufer spazieren gehen und dann im "Dante" ihren Kaffee trinken, ohne dass jemand Notiz von ihr nahm. Das dürfte vorbei sein, nachdem die 31-Jährige am Donnerstagabend bei der Vorentscheidung für den "Eurovision Song Contest" siegte und Gruppen wie die Söhne Mannheims aus dem Rennen schlug.

Damit ist die Sängerin jetzt unser Star für Malmö am 18. Mai: Steigt dort eine neue "Lena" in den Showhimmel, eine neuer Liebling der Massen? In der Tat hat sich mit dem Sieg plötzlich vieles verändert, denn inzwischen kennt fast jeder die Gruppe "Cascada" (englisch für Wasserfall) - bestehend aus Natalie Horler und den Produzenten Manuel Reuter (alias DJ Manian) und Yann Peifer (alias Yanou).

Fürs Spazierengehen mit ihrem Ehemann Moritz oder das kleine "Dante" wird Natalie zunächst keine Zeit mehr haben. Nach dem überraschenden Sieg ging es für die Tochter des WDR-Jazzmusikers David Horler gestern gleich weiter nach Dänemark, wo vier Shows geplant sind.

Gleichwohl gibt es Misstöne: So verriet die neue Disco-Queen im ARD-Morgenmagazin, dass sie sich bei ihrem Auftritt in Hannover sogar etwas beim Text verhaspelt hatte.

Im Internet ist die Reaktion geteilt und der deutsche Beitrag für Malmö umstritten. Einer beschwerte sich über "Autoscooter-Mucke", andere empfanden Horlers Glitzerkorsage mit superkurzem Minirock als "billiges Outfit". Wieder andere sehen das Lied als Abklatsch von "Euphoria", dem ESC-Gewinnersong 2012. Ein Plagiat? Das weist Horler entschieden zurück. "Das sind zwei unterschiedliche Lieder", sagte sie.

Wer aber ist diese Natalie Horler, die ruhig in Beuel lebte, bevor sie nach Bonn zog, aber weltweit 30 Millionen Tonträger verkauft hat? Freunde beschreiben sie als nett, freundlich, bodenständig. Singen war schon immer ihr Ding, auch beim Abschlussball in der Liebfrauenschule.

Damals stellte sie sich auf die Bühne und sang Mariah Careys Song „Heroes“. Bekannt wurde sie dem TV-Publikum durch ihren Auftritt bei „Deutschland sucht den Superstar“ 2012, wo sie neben Dieter Bohlen in der Jury saß.

Einer, der sie lange kennt, ist der Bonner Veranstalter Jürgen Harder. Bei ihm hatte Natalie 1999 als Aushilfskraft im "Bahnhöfchen" gearbeitet - "und schon damals immer gesungen. Es war ihr großer Traum, das professionell zu machen", sagt Harder. Er trifft die heute 31-Jährige immer noch oft in Beuel: "Sie ist eine ganz natürliche Person geblieben."

Das Video zum Auftritt:

Dafür spricht, dass sie erst in dieser Woche den Rosenmontagszug anschaute und danach im Karnevalszelt auf dem Münsterplatz mitfeierte. Oder vor zwei Wochen. Da hatte ihre Schwiegermutter Helga Raffelberg ihren letzten Arbeitstag als Rektorin der Arnold-von-Wied-Grundschule in Schwarzrheindorf. Und brachte Natalie mit, die vor den Schülern zum ersten Mal überhaupt öffentlich ihre Single "Glorious" sang. Nach dem Auftritt musste die gebürtige Bonnerin mit britischem und deutschem Pass erst einmal Autogramme schreiben.

Am Donnerstagabend fieberte ihre Schwiegermutter nebst Familie am Fernseher in Vilich mit. Allerdings ohne Natalies Ehemann Moritz. "Er stand so unter Adrenalin, dass er allein sein wollte", erzählt seine Mutter. Gegen 23.30 Uhr sei er dann doch mit einer Flasche Sekt herübergekommen.

Und dann seien viele SMS und Telefonate zwischen Hannover und Vilich hin und her gegangen. "Am Sonntag, wenn Natalie zurückkommt, werden wir noch einmal gemeinsam anstoßen", so Raffelberg. Ob sie die Schwiegertochter nach Malmö begleitet, weiß sie noch nicht.

Dem GA sagte Natalie Horler in einem früheren Interview einmal auf die Frage nach ihrer Heimat: Die sei "entspannt, hübsch und klein". Vielleicht kommt sie deshalb immer so gerne nach Beuel zurück.

Stimmen aus Bonn:


Jürgen Winterwerp
, Marketingleiter der Stadtwerke Bonn: "Unser Daumendrücken hat geholfen. Ich hatte Natalie wie schon im Vorjahr auf unsere Rosenmontags-Tribüne auf dem Münsterplatz eingeladen. Sie ist gekommen und hat mitgefeiert. Sie ist wirklich eine super nette Frau, total offen und zugänglich. Wir haben sogar darüber gesprochen, ob sie mal auf unserer blauen Couch Platz nimmt. Aber das wird natürlich jetzt schwieriger werden."

Tamae Meixner, Agenturchefin: "Wir haben uns vor etwa eineinhalb Jahren im Personal Training-Studio kennen gelernt. Ich wusste zuerst gar nicht, wer sie war, bis sie mich fragte, ob ich eigentlich Cascada kennen würde. Das habe ich damals leider nicht gewusst. Natalie ist eine total nette Frau und sehr bodenständig."

Rico Fenoglio, Partyveranstalter: "Ich kenne sie seit Jahren, aber mehr vom Sehen und Hallo-Sagen, weil sie Stammgast unserer After-Job-Partys ist und mit unseren Veranstaltungen groß geworden ist. Wenn sie Zeit hat und in Bonn ist, kommt sie immer noch zu uns. Ich freue mich über ihren Erfolg. Sie ist schon länger ein Superstar in den USA und trotzdem normal geblieben. Wenn sie Grund gehabt hätte abzuheben, wäre das schon damals gewesen."