ARD-Zweiteiler

Film über das Geiseldrama von Gladbeck ist enttäuschend authentisch

GLADBECK. Die Amoktournee von Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski war 1988 ein einschneidendes Ereignis in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Erwartungen an den ARD-Zweiteiler waren entsprechend groß. Hält er sie?

Die Erwartungen an den ARD-Zweiteiler „Gladbeck“ waren nicht gering. Denn das Geiseldrama war 1988 ein einschneidendes Ereignis in der öffentlichen Wahrnehmung und für die Zukunft der öffentlichen Wahrnehmung. Vielleicht muss man die mediale Omnipräsenz der Amoktournee von Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski in der Rückschau als Beginn dessen identifizieren, was uns inzwischen – assistiert von Twitter und Facebook – teuflisch vertraut geworden ist: Jede Sensation – vor allem jede kriminelle – ist sofort auf Sendung.

Und das dokumentierte auf erschreckende Weise auch der neu aufgelegte ARD-Spielfilm. Dass Degowski und Rösner, überspitzt formuliert, über maximal anderthalb Gehirnzellen verfügten, war ja schon bekannt. Dass sich die Verfolgungsbehörde auf ähnlich niedrigem Niveau bewegte, hatte man gehört.

Dass die Journalisten alles andere taten, als den Schnitt anzuheben, dürfte noch geschmeichelt formuliert sein. Durch ihr unangemessenes Verhalten wurde eine medienethische Diskussion angestoßen, die zwar zu einem einhellig ablehnenden Urteil in der Öffentlichkeit führte, aus der aber wohl niemand ernsthaft gelernt hat.

Der Zweiteiler „Gladbeck“ transportierte die Banalität des Bösen geradezu enttäuschend authentisch. Selbst das Erzähltempo kehrte zurück in die 80er Jahre. Ermüdend lange Kameraeinstellungen imitierten den Fernsehstil von damals. Mit der Folge, dass sich meine zwangsverpflichteten Kinder schon nach einer Viertelstunde eine interessantere Beschäftigung suchten. Einfach zu langweilig, das Ganze.

Heutzutage kämpft die Welt mit einer ganz anderen Schlagzahl gegen ganz andere Probleme. Die Einschaltquote: Teil eins erreichte fünf Millionen Zuschauer – immerhin drei Prozent mehr als das Finale der RTL-Kuppelshow „Bachelor“.