Bonner Start-up ging leer aus

Das sagt "Trackle" zum Auftritt in der "Höhle der Löwen"

Die Bonner Katrin Reuter und Maxim Loick stellten "trackle" in der Höhle der Löwen vor.

Die Bonner Katrin Reuter und Maxim Loick stellten "trackle" in der Höhle der Löwen vor.

Bonn. Mit einem Sensor, der Frauen helfen soll zu erkennen, wann sie schwanger werden können, trat das Bonner Start-up "Trackle" in der "Höhle der Löwen" an. Das sagen die Bonner Unternehmer zum Auftritt und dem Ausgang ihres Pitches.

Finale in der "Höhle der Löwen": Am Dienstagabend lief mit der zwölften Folge die letzte der aktuellen vierten Staffel der erfolgreichen Gründershow. Zum Abschluss war ein Unternehmen aus Bonn dabei. Katrin Reuter und Maxim Loick stellten "trackle" vor - und sorgten mit ihrem ersten Satz direkt für Erstaunen bei Jurorin Judith Williams. "Es ist ein Sensor, der Frauen dabei hilft zu erkennen, wann sie schwanger werden können", sagte Loick kurz.

Vor der Produktvorstellung gab Reuter eine "kleine Biologiestunde": Frauen werden nur rund um den Eisprung schwanger, dessen Zeitpunkt durch "Beobachtung der Körperkerntemperatur" erkannt werden kann. "Bei einem Anstieg von 0,5 Grad findet der Eisprung statt", erklärte die 41-Jährige. Und weiter: "Wenn man diesen Ansprung erkennt, weiß man auch, wann man schwanger werden kann."

Bisherige Methoden, wie täglich die Temperatur händisch zu messen, seien "mit einem normalen Leben quasi nicht vereinbar", sagten die beiden Bonner. Und so entwickelten sie vor rund drei Jahren "trackle", einen Sensor in der Größe eines Tampons, "der nachts vaginal getragen wird und dabei die Temperatur durchgehend misst", so Loick. Der Sensor übermittelt die gemessenen Temperaturdaten aufs Handy, wo angezeigt wird: "Heute kann ich schwanger werden oder heute kann ich nicht schwanger werden". Für 400.000 Euro boten sie 15 Prozent der Anteile an ihrem Start-up.

So sicher wie die Pille

Judith Williams schien angetan: "Das scheint mir echt eine interessante Alternative zu sein". Frank Thelen hakte nach: "Wie genau ist das denn?" Die Antwort der Bonnerin sorgte dann in der ganzen Runde für Erstaunen. "Wir nehmen für uns in Anspruch, dass wir genauso sicher sind wie die Pille." Sie spielte damit auf die zweite Zielgruppe an, für die das Produkt interessant wäre: Die Frauen, die nicht schwanger werden wollen, da "trackle" auch die Tage anzeigt, die nicht rund um den Eisprung liegen, erklärte Reuter.

Die Juroren gucken sich den "trackle" ganz genau an.

Die Juroren gucken sich den "trackle" ganz genau an.

 

"Ein reiner Hoffnungsumsatz"

Auf dem Markt war das Produkt noch nicht. Da der Sensor zum Zeitpunkt der Aufzeichnung "noch in der Erforschungsphase" ist, waren für Dagmar Wöhrl noch zu viele Fragen offen, sodass sie ausstieg. "Wie kommen sie auf die Summe von knapp drei Millionen Euro?", fragte Carsten Maschmeyer nach dem von den Gründern angegebenen Umsatz. Dies sei "eine abstrus hohe Wertung", fand der Investor. "Es sei ein reiner Hoffnungsumsatz", sagte er und stieg auch aus. Auch Ralf Dümmel investierte nicht. Judith Williams machte ein anderer Umstand Sorgen: "Ich kann nicht einschätzen, was sonst noch auf dem Markt ist. Deswegen werde ich heute nicht investieren."

Blieb nur noch Frank Thelen, der auch meinte, dass das Produkt für den Kinderwunsch "eigentlich perfekt" ist. Der Bonner Unternehmer wollte es jedoch genau wissen und sorgte für Lacher: "An wie vielen Tagen darf ich denn Sex haben?" Er spielte auf den Umstand an, dass "trackle" als Verhütungsmethode genutzt werden könne. Das überzeugte Thelen jedoch nicht: "Wenn man es als Verhütungstool einsetzt, gibt es zu viele prozentuale Tage, wo das Produkt nicht greift." Er befürchte, dass der Markteintritt nicht leicht werde und stieg schließlich auch aus. Doch er wünschte den beiden Bonnern mit dem "tollen Produkt viel Erfolg".

 

Keine Auswirkungen auf die Entwicklung

Direkt nach der Show sagte Loick: "Knackpunkt war der Entwicklungsstand". Und dennoch: "Wir fühlen uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Direkte Auswirkungen auf den Entwicklungsprozess hatte der Ausgang der Sendung jedoch nicht, sagte Katrin Reuter im GA-Gespräch. "So eine Show ist ein Baustein von vielen." In den Monaten nach der Aufzeichnung entwickelten sie den Sensor weiter. Mittlerweile kann dieser auch über die Homepage vorbestellt werden, die Auslieferung soll dann ab Februar 2018 beginnen. "Die Show war ein tolles Erlebnis", so Reuter. "Es war eine großartige Erfahrung und sehr, sehr aufregend. Wir stehen ja nicht jeden Tag vor der Kamera."

Enttäuscht darüber, dass kein Deal zustande kam, sei sie nicht, sagte die 41-Jährige am Mittwochmorgen. Sie seien vor allem mit dem Ziel angetreten, "Trackle" bekannt zu machen und die Methode vorzustellen. Dies haben sie erreicht: "Es gab ordentlich Feedback und viele Rückmeldungen von Frauen", freut sich Reuter, die die Show mit ihrem Mann und Freunden bei einem kleinen Public Viewing geguckt hat. Viele Mails seien noch am Abend bei ihnen eingegangen.

Statt großer Erwartungen beschäftigte sie vor der Show vor allem, wie sie rüberkommen würden. "Wir sind zufrieden", sagte sie dazu und ergänzte: "Es hat Spaß gemacht zuzugucken."

Da Vorbestellungen des Produkts erst seit Dienstag möglich sind, könne sie noch nicht sagen, ob diese durch die Show gepusht worden wären. Doch die Bestellungen seien gut angelaufen, zieht sie ein erstes Kurzfazit.