Start der fünften Staffel Bonnerin überrascht in der Höhle der Löwen

Die "Löwen" überzeugen sich vor einem möglichen Kauf.

Bonn. In zwölf neuen Folgen kämpfen Unternehmer um die Gunst der Investoren in der Serie "Höhle der Löwen". Wir verraten, was in der ersten Sendung passierte und ob Julia Huthmann aus Bonn einen Deal machte.

Am Dienstag startete die fünfte Staffel "Die Höhle der Löwen", bei der Gründer ihre Ideen vorstellen und darauf hoffen, dass ihre Erfindungen und Einfälle bei den Investoren um Judith Williams, Carsten Maschmeyer, Frank Thelen, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl und Georg Kofler auf Interesse stoßen.

Nur die "Mutigsten" trauten sich in die Höhle der Löwen, heißt es im Vorspann. Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergab, dass 65 Prozent der Befragten auf keinen Fall bei einer solchen Show mitmachen wollen. Nur jeder Vierte könne sich eine Teilnahme bei der Show tatsächlich vorstellen. 57 Prozent der Befragten befürchteten, dass die Show lediglich der Unterhaltung diene, anstatt einen Mehrwert für ihr Start-up zu bieten. Bitkom befragte mehr als 300 deutsche Start-ups.

Eine Bonnerin wollte dagegen den Versuch wagen und kämpfte in der ersten Folge der fünften Staffel in der Höhle um die Gunst der Investoren. Die Bonnerin Julia Huthmann (34) bot den "Löwen" einen vegetarischen Fleischersatz aus Jackfruit. Er soll reich an Ballaststoffen sein, keinen Zucker enthalten und kalorienarm sein. Der Wirtschaftsingenieurin kam die Idee zu "Jacky F.”, als sie 2015 in Sri Lanka arbeitete und lebte. Mit ihrem Produkt war sie schlagartig erfolgreich: Innerhalb von zwei Wochen war die "Jackfruit" ausverkauft. Seitdem hat sie ihr Geschäft ausgebaut und kam in die Höhle, um Kapital zum Expandieren zu bekommen. 

Thelen macht Bonnerin ein Angebot

In der Höhle bot sie zehn Prozent Anteile für 260.000 Euro. Frank Thelen, der den Fleischersatz probiert hatte, sagte: "Der Geschmack und die Konsistenz ist erstaunlich." Maschmeyer stieg schnell aus. Thelen, der das Projekt gut fand, wollte für das Kapital allerdings 30 Prozent an Firmenanteilen. Georg Kofler forderte gar 35 Prozent. Huthmann zog sich daraufhin zurück und besprach sich mit ihrer Schwester. Die junge Bonnerin entschied sich, es alleine zu probieren, obwohl Thelen noch auf 25 Prozent gegangen wäre. Dies beeindruckte Maschmeyer offentsichtlich. Er kommentierte ihren Abgang mit den Worten: "Starke Frau".

Für Julia Huthmann war die Teilnahme "extrem spannend". Dass sie das Angebot letztendlich nicht angenommen hat, geschah aus persönlichen Gründen. "Es war eine Riesenchance. Aber das Angebot hat für mich einfach nicht gestimmt", erklärt die Bonnerin nach der Sendung im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Für ihr Empfinden hätte sie zu viele Unternehmensanteile abgeben müssen. "'Jacky F' ist für mich keine reine Geschäftsidee, sondern meine Passion", betont Huthmann. Ihr Start-up setze sich in Sri Lanka für Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen ein. Dies wolle sie auf keinen Fall aus der Hand geben, indem sie ihre Anteile in zu hohem Maß abtrete. "Sicher hätte ich das mit den Investoren verhandeln können, doch ich wollte einfach kein Risiko eingehen", resümiert die Unternehmerin.

Huthmann vermutet, dass einige ihrer Bekannten diese Entscheidung womöglich hinterfragen oder zumindest nicht nachvollziehen können. Sie selbst ist aber nach wie vor überzeugt davon, das Richtige getan zu haben: "Ich bereue nichts."

Julia Huthmann aus Bonn.

 

Diese Start-ups stellten sich ebenfalls vor

Staubsaugeraufsatz aus Wuppertal

Erfinder Tobias Gerbracht (20) hatte eine Idee für ein Haushaltsgerät mitgebracht: Der Design-Student präsentierte in der "Höhle der Löwen” den Staubsauger-Aufsatz "Catch>>UP”. Denn viele würden das Problem kennen, ein kleines Objekt durch einen Staubsauer zu verlieren. Schnell verschwinden kleine Teile wie beispielsweise Schmuck, Schrauben, Münzen oder Spielzeug im Staubsaugerbeutel.

Wer zum Beispiel einen Ohrring mit dem Aufsatz von Gerbracht einsaugt, muss nicht mehr mühsam den Beutel durchforsten, weil ein grobes Objekt nicht eingesaugt wird und in den Aufsatz gelangt, der unter dem Rohr befestigt ist. Gerbracht entdeckte bereits mit sechs Jahren seine Erfinder- und Forscherleidenschaft. Er gewann zweimal den Wettbewerb "Jugend forscht".

Den Staubsaugeraufsatz konnte der junge Mann bislang nicht auf den Markt bringen, weil ihm die finanziellen Mittel fehlten. Sein Start-up bietet er den Investoren für 100.000 Euro zu 35 Prozent Anteilen an. "Sie sind klasse", so Maschmeyer, "Sie gehen hier nicht raus unter 100.000 Euro". Auch Ralf Dümmel zeigte sich begeistert und warb selbstbewusst um den Kandidaten. Gerbracht entschied sich dann auch für ihn.

Tobias Gerbracht mit dem "Catch>>UP".

Leuchtendes Mosaik aus Berlin

"Wir bringen Magie an Ihre Wände”, versprachen Florian Nübling (36) und Tiziana Kleine (50) den "Löwen" mit ihrem Produkt "Volatiles”.  Dabei handelt es sich um Lichtmodule, die Millionen von Farben darstellen können. Durch Mosaiksteine, die man berühren kann, lässt sich mit Streichen über die Wand die Lichtfarbe ändern oder ein Muster auf die Wand zeichnen. Mittels einer App ist die Wand außerdem bedienbar.

Laut den Erfindern sind die Mosaiksteine weltweit einzigartig. Thelen fand das Produkt "hochwertig". Eine Zwei-Quadratmeter-Wand kostet 10.000 Euro. Der Preis eines Moduls beläuft sich auf 99 Euro. Für ihre Erfindung wollten die Gründer 500.000 Euro von den "Löwen" bekommen und boten dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile.

Es stellte sich bei der Bewertung der Löwen heraus, dass die Mosaikwand für den deutschen Markt nicht geeignet sei. Nachdem fast alle Löwen abgesagt hatten, blieb den Gründern nur noch Carsten Maschmeyer, der Interesse äußerte, aber auf die schlechte Bewertung hinwies. Maschmeyer schlug letztendlich doch bei 20 Prozent zu.

Die Weltneuheit "Volatiles”.

 

Sportmode für Frauen aus Hamburg

Im Studium lernten sich Silja Stallbaum (23), Lara Stallbaum (23), Marius Krüger (29) und Jonas Detlefsen (23) kennen. Marius und die Zwillinge Lara und Silja hatten ein gemeinsames Hobby: Cheerleading. Ihr Ziel ist es, die gemeinsam entwickelte Sportbekleidung in Deutschland zu etablieren.

Bei Swedish Fall - benannt nach einem Stunt beim Cheerleading - handelt es sich um Sportbekleidung für Frauen, die funktional und und stilvoll sein soll. Die Shorts und Leggins statteten die Jungunternehmer mit Anti-Rutsch-Noppen aus, die bei speziellen Hebefiguren besseren Halt geben sollen. Um das zu erreichen, benötigten die vier Hamburger Gründer und Gründerinnen, die jeweils 25 Prozent an dem Unternehmen halten, sowie 180.000 Euro. Sie boten dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Einige Löwen schreckte es ab, dass die Gründer ausschließlich online verkaufen wollen. Zudem: "Die Nische ist mir zu klein", sagte Maschmeyer. "Ich würde gerne mit euch arbeiten, aber das Produkt ist nicht meins", so Thelen. Reich an Erfahrung, aber nicht mit einem guten Deal in der Tasche mussten die vier Hamburger die Höhle verlassen.

Swedish Fall: Sportbekleidung für Frauen.

Neues Haareschneiden dank Calligraphen

Der Friseurmeister und internationale Friseurtrainer Frank Brormann (53) aus Oelde im Münsterland hat bereits in 69 Ländern Haare geschnitten. Der Mann, der sich selbst als "Tüftler" bezeichnet, will auf die gewöhnliche Schere beim Frisieren verzichten. Sein Plan: Mit den sogenannten "Calligraphen" will er eine neue Herangehensweise etablieren, Haare zu schneiden. "Das wird eine Lawine auslösen", sagte der selbstbewusste Unternehmer.

Mit dieser Technik werden die Haare mit einer Art Messer in einem bestimmten Winkel schräg angeschnitten. Das Haar soll so mehr Fülle erhalten, elastischer werden und besser frisierbar sein. Brormann benötigt 500.000 Euro und bietet 20 Prozent seiner Firmenanteile.

Um sich von dem Produkt zu überzeugen, dürfen die Löwen beim Haareschneiden selbst Hand anlegen. Aufmerksam verfolgten die Investoren die Arbeit mit dem Calligraphen. Thelen findet den Erfinder "stark". "Einer der stärksten Auftritte, die ich je gesehen habe", so Ralf Dümmel. Es entwickelt sich ein spannendes Finale: Weil der Unternehmer die Jury überzeugt hat, schließen sich Wöhrl und Maschmeyer zusammen und bieten ihm sogar eine Million Euro für 25 Prozent. Williams und Thelen zogen nach, schlossen sich ebenfalls zusammen und offerierten ebenfalls eine Million. Brormann entscheidet sich letztlich für Williams und den Bonner "Löwen" Frank Thelen.

Frank Brormann mit dem Calligraphen.

Mehr zum Thema "Höhle der Löwen" gibt es in unserem Special.

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