Schwierige Erfolgsgeschichte

Zehn Jahre Arp Museum


Hochkarätiges Ensemble am Rhein: Bahnhof Rolandseck in Remagen und der Neubau von Richard Meier.

Hochkarätiges Ensemble am Rhein: Bahnhof Rolandseck in Remagen und der Neubau von Richard Meier.

Bonn. Das Arp Museum in Remagen Rolandserck hat einige Stürme überstanden – am Samstag feiert es sein Zehnjähriges mit einer großen Party.

Bei Champagner und Austern trafen sich die Herren in Düsseldorf. „Keine gemeinsame Sprache und am Schluss kaum Geld, um die Zeche zu bezahlen“, erinnert Bernhard Karpf das erste Treffen zwischen dem Stararchitekten Richard Meier und dem Impresario des Rolandsecker Künstlerbahnhofs, Johannes Wasmuth. Zwei Männer, eine Vision, ein Traum von einem Museum am Rhein.

1990 entstehen erste Skizzen. Es sei bei den Skizzen „um eine große verführerische Geste“ gegangen, mit einer kleinen Ausstellungsfläche, „dafür aber großartige Lufträume und Ausblicke über die Rheinlandschaft, aufgereiht an generösen Korridoren und Rampen und unterbrochen von skulptural anmutenden Bauteilen mit einer von Arp inspirierten Formensprache“, befand Karpf, einer der Partner von Meiers Büro.

Der heutige Blick aus dem Arp Museum heraus, die Durchgänge und Lufträume, die Poesie dieser lichten, großzügigen Architektur decken sich weitgehend mit Karpfs ersten Impressionen. Bei der Ausstellungsfläche hat sich einiges zum Besseren verändert, wenngleich der Meierbau eher als Bildhauermuseum funktioniert, denn als Bildermuseum – was die Skulpturenschau von Barbara Hepworth 2016 zeigte und nun umwerfend die aktuelle von Henry Moore unterstreicht. Die einst wohl geplante, „von Arp inspirierte Formensprache“ ist dem originären Vokabular des Weltklassearchitekten Meier gewichen. Und das war gut so.

Heute strahlt dieser Bau wie vor zehn Jahren, als er von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wurde, als weißer Brillant über dem Rheintal, als einer der interessantesten Museumsbauten an der Rheinschiene. Ein einmaliges Ensemble mit dem klassizistischen Bahnhof Rolandseck, von dem aus über Stollen, Röhren und einem Aufzug der Meierbau erschlossen wird. Am Samstag feiert er sein Zehnjähriges.

Lange stand es nicht gut um das Projekt. Eine Finanzierung schien unrealistisch – Meier zeichnete gleichwohl weiter. 1997 starb Wasmuth unerwartet, der Motor des gesamten Projekts. 1995 hatte er noch die Gründung des Museums Bahnhof Rolandseck erlebt. Mit der Berufung von Raimund Stecker im Jahr 2000 als Gründungsdirektor kam Dynamik ins Projekt. 2002 war dann die Finanzierung gesichert.

Kanzlerin eröffnete den Meierbau

Die Gesamtkosten für den Neubau von 25,4 Millionen Euro trugen der Bund (17,6 Millionen Euro im Rahmen der Bonn-Berlin-Ausgleichsförderung) und das Land Rheinland-Pfalz (7,8 Millionen Euro). Das Land finanzierte ferner die Renovierung des alten Bahnhofs mit 7,4 Millionen Euro. Im Oktober 2004 war Richtfest. Am 28. September 2007 eröffnete die Kanzlerin den Meierbau.

Dass die Stimmung nicht ganz so prächtig war wie erwartet, lag an einem handfesten Skandal, der damals hochkochte: Hat sich die Landesregierung über den Tisch ziehen lassen, als sie die Sammlung von Wasmuths Arp-Verein inklusive etlicher erst nach dem Tod Arps gegossener Bronzeskulpturen für zehn Millionen ankaufte? Stecker, der offen Kritik an der Praxis „posthumer Güsse“ geäußert hatte, bekam keine Vertragsverlängerung. Sein Nachfolger, Interimschef Klaus Gallwitz, mühte sich, etwa durch ein Symposium Ruhe ins Projekt zu bringen. Das junge Arp Museum musste eine zu Recht schlechte Presse und einen Untersuchungsausschuss des Landtags überstehen. Eine gewisse Entlastung kam durch die Trennung vom Arp-Verein (mit dem man inzwischen auf anderer Basis wieder zusammenarbeitet).

Kornhoffs Kunst-Offensuve

Mit dem Antritt von Oliver Kornhoff im Januar 2009 komplettierte sich die mit dem Meierbau so schön begonnene Erfolgsgeschichte des Arp Museums. Kornhoff ging mit einer Reihe herausragender Ausstellungen in die Offensive – er zeigte Monografien über Jonathan Meese, Michael Buthe, Karl Otto Götz, Daniel Spoerri, Arno Schmidt, Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Tara Donovan, Bernhard Schultze und anderen sowie Themenausstellungen wie „Genese Dada“ und „Bühnenreif“.

Er baute sein Museum zum attraktiven Dreispartenhaus mit Kunst, Literatur und Musik aus, holte sich mit der Unicef-Sammlung des Sammlers und Arztes Gustav Rau mit exquisiten Werken vom Mittelalter bis zur Moderne einen ungeheuer starken Partner ins Museum. Rund 70 Ausstellungen waren in den vergangenen zehn Jahren zu bewundern.

Und dabei ließ Kornhoff, wenn er nicht selbst als Ausstellungsmacher aktiv war, sein Kuratorenteam glänzen: Susanne Blöcker mit raffinierten Themenausstellungen aus dem Fundus der Kunstkammer Rau, Jutta Mattern als exzellente Kuratorin für Zeitgenössisches und Astrid von Asten als Arp-Expertin, die immer wieder neue Facetten zum Werk der Hauspatrone Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp hervorzaubert.

Kornhoffs wichtigster Partner aber bleibt die exzellente Architektur von Richard Meier, die zusammen mit dem Programm jährlich durchschnittlich 65 000 Besucher nach Rolandseck lockt.