Tausend Farben der Menschheit

Zaz begeistert die Fans am Tanzbrunnen in Köln

"Je veux": Zaz (Archivbild) hat das Chanson neu erfunden.

"Je veux": Zaz (Archivbild) hat das Chanson neu erfunden.

Köln. Die Chanson-Sängerin Zaz hat bei ihrem Konzert am Kölner Tanzbrunnen ihre Fans mit ihrer vielschichtigen Stimme begeistert. Ihre Botschaften sprach sie nie auf Englisch, aber manchmal auf Deutsch aus: "Heute Abend möchte ich euch dazu einladen, euch an eure Träume zu erinnern."

Geht noch eins? Ein Chanson muss noch gehen! Seit fünf Minuten toben und brüllen und pfeifen und klatschen die Fans am Tanzbrunnen. Hat sie kein Herz? Doch sie hat! Und so nutzt Zaz die vorvorletzten Minuten bis 22 Uhr (danach muss Ruhe sein) für eine A-cappella-Version von "La vie en rose". Obwohl die, ganz streng genommen, nur angesungen wird. Aber wer will dieser Frau nach diesem Abend noch etwas übelnehmen?

Inmitten ihrer fünf schwarz gewandeten, äußerst versierten Musiker ist Zaz alias Isabelle Geoffroy die Glitzerfee im Cocktailkleid. Die dazu derbe Schnürstiefel trägt. Ständig in Bewegung ist, so dass die Ohrgehänge schaukeln, als befände sie sich auf hoher See. Mit immer leicht rauer und brüchig klingender Stimme, mal wild aufheulend, mal zärtlich wispernd, hat die 39-Jährige das Chanson neu erfunden. Und fügt dem mit dem Kazoo, das sich anhört wie ein Kindertrötchen, dessen Membran sie mit großer Kunstfertigkeit in Schwingung versetzt, eigene Akzente hinzu.

Bekanntestes Beispiel dafür: "Je veux", der Über-Hit von 2010, der sich 49 Wochen in den deutschen Charts hielt. Um 21.23 Uhr singen alle den Refrain mit: "Je veux l'amour, d'la joie, de la bonne humeur. Ce n'est pas votre argent qui f'ra mon bonheur" ("Ich will Liebe, Freude, gute Laune. Euer Geld ist nicht das, was mich glücklich macht"). "Lau-tärr!", fordert Zaz, winkt auffordernd mit den Armen und legt die Hand ans Ohr.

Englisch spricht die Sängerin und Songschreiberin aus Tours immer noch nicht, sie macht die meisten Ansagen in ihrer Muttersprache. Fügt aber noch ein paar Passagen auf Deutsch hinzu. Wie etwa: "Heute Abend möchte ich euch dazu einladen, euch an eure Träume zu erinnern". Oder: "Wir wollen uns vornehmen, auf uns selbst aufzupassen!"

Achtsamkeit ist hier überhaupt ein Thema. Seite an Seite sieht man auf dem Gelände die Stände für "Viva con Agua" und für die karitative Zaz-Stiftung "Zazimut". Der Erlös ihrer Merchandise-Artikel wird für gemeinnützige Zwecke gespendet. Mit Stücken wie "Qué vendrá" und "Ma valse" vom Album "Effet Miroir" kommt Zaz mal kubanisch-tanzbar und mal très, très tragique zu Pianobegleitung daher. Bei "On s'en remet jamais" von der gleichen Scheibe lässt sie es richtig krachen, schlägt die härtere Gangart ein, von ihren Musikern mit rockigen E-Gitarren-Riffs und Synthieklängen unterstützt.

Das kommt bei einem bunt gemischten Publikum gut an. Aber die Lieblinge vom Debüt "Zaz" (2010) wie "La fée", "Les passants" oder "Éblouie par la nuit" kommen immer noch am besten. Das wird allenfalls noch von der ersten Zugabe getoppt: "On ira". Ein Stück von 2013, das die tausend Farben der Menschheit und ihre Vielfalt feiert. "O-ho-ho" echot das Publikum Zustimmung. "Lau-tärr"? Unbedingt. Dieses Statement kann nicht laut genug verkündet werden.