Ausstellung in Königswinter

Wie die Preußen die Rheinromantik entdeckten

Rheinromantik pur: Salomon Corrodis "Schloss Stolzenfels von Süden", 1843.

Königswinter. "Da erfuhr ich, dass Folko gesonnen sei, nach dem Lande Wales zu reisen, um die Stätten und Burgtrümmer mit eignen Augen zu sehn, wo der alte Tafelrundenkönig Artur samt seinen Rittern gefochten habe und gehaust." Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. hat, wie die übrigen preußischen Prinzen auch, solche Passagen verschlungen.

Die zitierte stammt aus Friedrich de la Motte Fouqués Ritterroman "Zauberring". Während aber der erwähnte Ritter Folko nach Wales reiste, zog es die Preußenprinzen an den Rhein. Um dort staunend leibhaftig vor Augen zu haben, was sie eben noch bei der Lektüre von Ritterschmökern erlebt hatten: Ruinen, ein mythischer Strom, geschichtsträchtige Felsen, eine Sagenlandschaft.

Einer Ausstellung im Königswinterer Siebengebirgsmuseum gelingt es, mittels wunderbarer Gemälde diese "Entdeckung" des Rheins zu dokumentieren, der buchstäblich eine "Eroberung" der Felsen und Ruinen folgte, womit das einherging, was Historiker die "politische Romantik" nennen.

Kronprinz Friedrich Wilhelm, 1840 bis 1861 König von Preußen, gilt als deren Initiator - mit Fouqué als literarischem Stichwortgeber für ein romantisches Idealbild des Mittelalters. Die Stadt Koblenz schenkte Friedrich Wilhelm 1815 die Burg Stolzenfels, die dieser unter anderem von Karl Friedrich Schinkel zur prächtigen Sommerresidenz im Stil der englischen Gotik umbauen ließ, wie auf Salomon Corrodis Bild von 1843 zu sehen ist. Etliche weitere Ansichten in der Ausstellung dokumentieren den Wandel des Bauwerks in einer romantischer Rheintal-Kulisse.

Ein anderes Schicksal hatten die 1825 in verklärten Formen wiederaufgebaute Burg Rheinstein und die völlig heruntergekommene Burg Sooneck unweit von Bingen: 1834 kauften Kronprinz Friedrich Wilhelm und seine Brüder, die Prinzen Wilhelm, Carl und Albrecht, die Burg, um sie zum Jagdschloss umbauen zu lassen. Carl Friedrich Lessing hat sie noch vor dem Umbau gemalt und in die zauberhafte Landschaft eingebettet. Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., erwarb 1843 die mächtige Festung Rheinfels, damals Ruine und als Steinbruch genutzt. Sie sollte zum monumentalen Schloss umgebaut werden.

Die Königswinterer Schau, die sich aus der reichen, 500 Werke umfassen Sammlung RheinRomantik mit Sitz in Bonn speist - die aktuelle Ausstellung ist die bereits fünfte Auswahl aus der Sammlung -, konterkariert die Vereinnahmung der Rheinromantik durch die Prinzen mit der allmählichen Entzauberung der Sagenwelt am Rhein. Auf Oswald Achenbachs Bild "Loreley" (1903) wendet sich eine junge Touristin vom berühmten Felsen ab und dem Neuen zu.

Das von Clemens Brentano noch besungene Echo der Loreley ist auf einem Bild Christian Eduard Böttchers noch erahnbar - bald wird es verklingen. Die einst mythenschwangere Landschaft - siehe Rolandsbogen - ist zur touristischen Attraktion geronnen.

Info

Siebengebirgsmuseum Königswinter; bis 14. Mai. Di-Fr 14-17, Sa 14-18, So 11-18 Uhr