"Mitbürger unter Vorbehalt"

Wanderausstellung zeigt das Schicksal Remagener Juden

Organisator Guido Tempel (Mitte) führte in der Schulbibliothek in die Ausstellung ein.

BAD HONNEF/REMAGEN. Wie ein Damoklesschwert hängt die Thematik des Holocaust über der Darstellung deutsch-jüdischer Beziehungen. Vor allem in Lehrplänen und Schulbüchern wird die jüdische Geschichte oft als die Chronologie einer stets verfolgten Randgruppe thematisiert.

Das will das Gymnasium Nonnenwerth ändern. Mit der Wanderausstellung "Mitbürger unter Vorbehalt" rückt die Schule die Phasen mehr oder weniger friedvollen Miteinanders - oder besser: Nebeneinanders - in den Mittelpunkt.

"Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, zu vermitteln, wie wichtig es ist, für Toleranz gegenüber Minderheiten einzutreten", so Organisator und Geschichtslehrer Guido Tempel bei der Eröffnung. "Der Fokus liegt für uns darauf, daran zu erinnern, dass Juden einmal ganz normale Mitbürger waren - so wie sie es immer hätten sein sollen."

Ausstellungen wie diese seien ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Zertifikat der europaweiten Initiative "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Der besondere Leckerbissen: der hohe lokalgeschichtliche Bezug. Denn der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Leben und Schicksal der Juden im Kreis Ahrweiler. Bei der Eröffnung führte Tempel durch die drei Themenbereiche der Ausstellung: die Remagener Synagoge, die Verfolgung und Vernichtung Remagener Juden sowie die missglückte Wiedereingliederung nach Kriegsende.

 Zahlreiche "Roll-Ups" vermitteln die Geschichte jüdischer Familien aus Remagen und informieren über die phasenweise Ausgrenzung der Juden in Deutschland. Zu den Schätzen der Ausstellung zählt unter anderem der originale Davidstern der Remagener Synagoge, die 1938 niedergebrannt wurde.

Anschließend luden Barbara Wißkirchen und Gisela Fuchs, beide ehemalige "Insulanerinnen", zu einem Zeitzeugengespräch ein. Unter der Moderation von Guido Tempel erinnerten sich die beiden an ihre Schulzeit auf Nonnenwerth in den späten 40er-Jahren - und an ihre ehemalige jüdische Mitschülerin Margret Auerbach. Fazit des Gesprächs: Die Vertreibung der Juden aus Deutschland ging indirekt auch nach 1945 weiter.

Margret Auerbachs Familie sah sich nach der Befreiung aus dem KZ, wo Vater und Bruder starben, und der anschließenden Rückkehr nach Remagen immer häufiger abfälligen Bemerkungen der älteren Nachbarn ausgesetzt. "Was macht das Judenmädchen in unserem Haus?" - so scheute Margret Auerbach schließlich selbst den Besuch bei Freundinnen. 1955 wanderten die Auerbachs dann nach Los Angeles aus. Dort, im fernen Amerika, konnte Margret endlich ein glückliches Leben beginnen.

Die Vernissage der Wanderausstellung war gewissermaßen auch eine Eröffnung der neuen Räume der Schulbibliothek, die in Zukunft regelmäßig kulturelle Höhepunkte im intimen Rahmen beherbergen soll. Unterrichtsbegleitend soll die Ausstellung sein: "Wir wollen die Themen in die Schulstunden einbinden und die Schüler hautnah damit konfrontieren", sagte Schulleiter Dieter Peter. Co-Organisatorin Astrid Heilmann-Cappel ergänzte: "Die Ausstellung wird einen festen und wichtigen Platz im Schulalltag einnehmen." Schließlich habe man als Bildungseinrichtung die Aufgabe, über die reinen Unterrichtsinhalte hinaus die Erinnerung bei den jungen Generationen wachzuhalten.

Info: Bis Freitag, 16. Mai, ist die Ausstellung nach Vereinbarung unter 02228/6009420 oder per E-Mail an sekretariat@nonnenwerth.de zu besichtigen. Die Schüler Carolin Scheid und Yannick Gremmler stehen als Ausstellungsführer zur Verfügung.