Auftritt in Lanxess-Arena U2 begeistern bei Konzert in Köln

Die Band U2 um Sänger Bono haben am Dienstag in Köln gespielt.

Köln. U2 haben nach dem Konzertabbruch in Berlin nun in der ausverkauften Lanxess-Arena in Köln eine Show mit grandioser Technik und viel Gutmenschelei geboten.

Um 20.48 Uhr kommt der Moment, an dem 18 500 Menschen den Atem anhalten. Packt er´s? Oder packt er´s nicht? Er, das ist Paul David Hewson, besser bekannt als Bono, seit 40 Jahren Leadsänger von U2. Letzten Samstag musste das zweite Berliner Konzert der irischen Rockband abgebrochen werden, weil Bonos Stimme versagte. Montag gab´s Entwarnung für die ausverkauften Kölner Konzerte am Dienstag und Mittwoch: der 58-Jährige ist wieder fit, sie finden statt.

Dadurch, dass sich Dienstag der Konzertbeginn dann um beinahe 30 Minuten verzögerte, ließ sich das Publikum in der Arena aber nicht schrecken – sondern machte lieber, anfeuernd, die große La-Ola-Welle. Vier Songs der Iren brauchte es, ehe der Anfang von „Beautiful Day“ erklang. Jenes Lied, bei dem für die Berliner der Abend zu Ende ging. Vorher hat Bono keine Ausfallerscheinungen gezeigt sich und sich wacker geschlagen, insoweit man das inmitten des Brachialsounds bis dahin beurteilen konnte. Und nun, auf ein Neues: „Beautiful Day“. Packt er´s? Oder packt er´s nicht? Er packt´s.

20 Stücke und drei Zugaben

Ab da geht es reibungslos weiter im Programm. Das umfasst 20 Stücke und drei Zugaben und dauert exakt zwei Stunden und 14 Minuten, ehe die Fangemeinde zum per Band eingespielten „This Must Be The Place“ von den Talking Heads aus der Arena entlassen wird. Wer vor drei Jahren, auch in der Arena, dabei war, als U2 dort auf „iNNOSENCE + eXPERIENCE“-Tour Station machten, erkennt bei „eXPERIENCE + iNNOSENCE“ (Titel der jetztigen Tour) vieles wieder. Angefangen von den zwei Bühnen, die quer durch die Halle durch einen Steg und eine riesige, begehbare LED-Wand verbunden sind, über die leitmotivisch auftauchende Glühlampe und die großformatigen Gutmensch-Botschaften in Schriftform bis hin zu Songs, in denen Bono seiner verstorbenen Mutter gedenkt oder der Cedarwood Road, in der er aufwuchs. Inklusive der dazu gezeigten Videos.

Wer all das zum ersten Mal erlebt, ist beeindruckt von der grandiosen Technik auf der Höhe der Zeit und ganz bezaubert von der Poesie der Kirschblüten, die durch die gezeichnete Cedarwood Road wehen, fast so, als seien es rosafarbene Schneeflocken.

"Wir lieben dich, Deutschland"

Es gibt natürlich auch Neues. Die Bühnenkonstruktion ist jetzt noch länger, die Auflösung der Bilder noch schärfer, der Sound soll, dank eines neuen Systems, noch besser sein. Was aber nichts daran ändert, dass Bonos Mitstreiter, Gitarrist David Howell „The Edge“ Evans, Bassist Adam Clayton und Drummer Larry Mullen Junior ihn bisweilen schlichtweg übertönen.

Speziell für den europäischen Teil der Tour gibt es historische Aufnahmen von zerstörten Hauptstädten nach dem Zweiten Weltkrieg, später dann ein klares Votum für die EU nach dem Brexit, mit einer gigantischen Europa-Flagge bei „Get Out Of Your Own Way“, einem der neuen Songs vom letzten Album „Songs of Experience“ (2017). „Wir lieben dich, Deutschland“, ruft Bono – und dazu wird #wirsindmehr auf der LED-Wand eingeblendet. Und für die, die´s trotzdem noch nicht kapiert haben, welches Deutschland er damit meint, lautet die Devise: „No more Chemnitz!“

Zuweilen zuviel des Guten

Nach Antikriegs-Statement, Diktatoren-Verdammnis, Flüchtlings-Solidarität und dem Glaubensbekenntnis „Die wahren Helden sind Ärzte, Lehrer und Krankenschwestern“ folgt, kurz vor Schluss, noch der Schulterschluss mit der Organisation „ONE“, die extreme Armut, insbesondere von Frauen, bekämpft. „Armut ist sexistisch“ wird als Schlüsselsatz dazu eingeblendet. All das ist das, was man von einer politisch meinungsfreudigen und christlich bewegten Band wie U2 erwartet. Aber zuweilen – mit all den Bilderfluten, den Mahnungen und Parolen in XXL – zuviel des Guten.

Hat Bono auch etwas zum Konzertabbruch in Berlin gesagt? Ja. Hat er. Indirekt. Als diabolisch verfremdeter Mr. MacPhisto (der 1992 auf Zoo-TV-Tour seinen ersten Auftritt hatte) höhnt er: „Es scheint, dass mein alter Freund Bono seine Stimme in Berlin verloren hat. Es hat ihm sein kleines irisches Herz gebrochen, dass er dass er nicht für euch singen konnte.“

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