Künstlerische Zusammenarbeit

Tanz verbindet Bonn und Köln

Partner: Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort und Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner. FOTO: THOMAS BRILL

Partner: Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort und Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner. FOTO: THOMAS BRILL

Bonn/Köln. Beethovenfest und Philharmonie stellen das gemeinsame Projekt „Kollaborationen“ vor, das mit Gastspielen, einer Ausstellung und Tanz in der Stadt lockt.

Wenn die benachbarten Städte Köln und Bonn über Kooperationen nachdenken, geht es meist weniger um die Kunst als um einen vermuteten Spareffekt. Er sei froh, dass es diesmal anders sei, betonte Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort, als er mit der Intendantin des Bonner Beethovenfestes Nike Wagner das gemeinsame Projekt „Kollaborationen“ vorstellte. Er sei sich mit Nike Wagner nach deren Berufung sehr schnell einig gewesen: „Köln und Bonn müssen etwas gemeinsam machen auf kulturellem Wege.“

Der nun vorbereitete programmatische Seitenarm von Philharmonie und Beethovenfest richtet das Augenmerk nicht in erster Linie auf das Naheliegende, die Musik, sondern auf den Tanz, wobei der Fokus auf dem American Postmodern Dance der 1960er Jahre liegt. Vom 27. August bis zum 23. Oktober wird es neben Gastspielen des schwedischen Cullberg Ballet (27.8., Köln), von Meredith Monk (4.9., Köln) und der Lucinda Childs Dance Company (10. und 11.9., Bonn) im Bonner Kunstmuseum die Ausstellung „Sound Move“ mit Werken der 81-jährigen amerikanischen Künstlerin, Tänzerin und Choreografin Simone Forti, die auch persönlich nach Bonn kommen will, sowie ein Künstlerlabor unter Leitung von Frank Willens geben.

Besonders originell erscheint die Idee, die S-Bahnlinie 16 als verbindende Brücke zwischen beiden Städten künstlerisch fruchtbar zu machen, indem man für die Performance „Splendid Chaos“ einen Sonderwagen chartert, wo unter der Leitung von Darko Dragicevic und Charlotte Triebus Kölner Studentinnen und Studenten mit einer Performance an die Errungenschaften des Judson Church Theater erinnern werden. Ziel der Fahrt ist die Bonner Oper, wo dann die Lucinda-Childs-Gastspielpremiere über die Bühne gehen wird. Bereits am 3. September bespielen 300 professionelle Tänzer und Laien die Kölner Innenstadt. Die Kölner Choreografin Stephanie Thiersch organisiert das Bewegungs-Kollektiv.

Unterstützt wird das städteübergreifende Projekt unter anderem durch die Kunststiftung NRW mit etwas über 200 000 Euro, wie der zuständige Fachbereichsleiter Hans-Joachim Wagner gestern in der Philharmonie erläuterte.

Der Tanz ist für die beiden traditionsreichen Musik-Institutionen kein fremdes Terrain. In der Philharmonie gibt es regelmäßig das Sommerfestival mit Tanzschwerpunkten. Und das Beethovenfest hat seit dem vergangenen Jahr unter Wagner den „Schritt vom Musikfest zum Fest der Künste vollzogen“, wie es ihr Namensvetter von der Kunststiftung NRW formulierte. „Wir möchten uns öffnen im Namen Beethovens, der immer in vorderster Front der Avantgarde tätig war, sowohl, was die Ideen der Aufklärung und der Menschenrechte betrifft, wie auch innerhalb der Musik selbst. Und wir müssen schauen, wo unsere Zeit, den Anspruch, den er an uns stellt, einlöst.“

Kuratiert wird die Veranstaltungsreihe von der Tanzexpertin und Dramaturgin Sigrid Gareis. Sie wies gestern darauf hin, dass der American Postmodern Dance in NRW nie eine Rolle gespielt habe, obwohl dessen musikalische und künstlerische Impulsgeber John Cage, La Monte Young, Claes Oldenburg oder Yoko Ono hier immer sehr präsent gewesen seien. Sie führt das auf die starke Rolle des deutschen Tanztheaters zurück. Aber man solle neben der Pflege des Erbes von Pina Bausch „auch diese parallele Strömung sich genauer ansehen“, findet sie.