Kölner Philharmonie

Subtiles Zusammenspiel

Kit Armstrong und Mitglieder des Szymanowski-Quartetts.

Kit Armstrong und Mitglieder des Szymanowski-Quartetts.

28.12.2014 Köln. Das zu Ende gehende Jahr 2014 erinnerte unter anderem an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ein Liederabend von Anna Prohaska in der Kölner Philharmonie im November nahm darauf engagiert Bezug. Gleichfalls auf dieses Ereignis ausgerichtet war am zweiten Weihnachtsfeiertag am nämlichen Ort ein Konzert von Kit Armstrong und dem Szymanowski Quartet.

So weitläufig und eindeutig wie der Liederabend konnten die jetzt präsentierten Werke das Thema freilich nicht angehen. Bach-Choräle mögen in deutschen Schützengräben neben Weihnachtsliedern vielleicht gesungen worden sein, dem Zuhörer erschloss sich bei den diversen Bearbeitungen die programmatische Anspielung freilich erst durch das Lesen des Programmheftes. Auch das "Agnus Dei - Dona nobis pacem" aus einer Messe William Byrds Messe konnte im Grunde nur Andeutung sein.

Das Gleiche gilt für das erste Streichquartett von Karol Szymanowski (dem Namenspatron des in Köln debütierenden Ensembles) wie auch für Edward Elgars Klavierquintett opus 84, beides Werke aus den letzten Kriegsjahren. Stimmiger wäre es gewesen, auf den bei einer Schlacht in Galizien gefallenen Rudi Stephan zurückzugreifen oder auf Albéric Magnard, welcher den Tod fand, als er sich gegen einen deutschen Spähtrupp zur Wehr setzte. Aber die kammermusikalische Besetzung begrenzte die Werkauswahl natürlich.

Die verschiedenen Bach-Bearbeitungen gaben neben einigen Solo-Titeln aus den Choral-Vorspielen opus 122 von Johannes Brahms beispielsweise gute Gelegenheit, das subtile und ausgesprochen zugewandte Zusammenspiel des jungen Pianisten und dem polnischen Quartett zu demonstrieren.

Kit Armstrong (22) zeigte bei "Suicide in an Airplane", einer dissonant tosenden Werk von Leon Ornstein, zunächst einmal die Pranken. Mit seinem radikal perkussiven Werk wollte der amerikanische Komponist mit ukrainischen Wurzeln möglicherweise den technischen Fortschrittsglauben seiner Zeit kritisieren, der Auswirkungen auch auf den Ersten Weltkrieg hatte. Eine erstaunlich maskuline Kraftentfaltung prägte auch Kit Armstrongs Mitwirkung beim Elgar-Quintett. Fast noch stärker beeindruckte freilich seine klare lyrische Formulierung im Adagio-Mittelsatz, ähnlich wie bei den Bach-Piècen.

Während das Werk des Engländers spätromantisch rauschend daher kommt, irrlichtert die Musik des jungen Szymanowski, zwar noch harmonisch orientiert, wirkt dabei aber doch schon grenzsprengend. Das Quartett aus Polen bestach durch vibrierendes Spiel, der Cellist fiel überdies durch intensiven Blickkontakt zu seinen Mitspielern auf. Die rief beeindruckende Wiedergabe des Quintetts wurde durch die Zugabe leider unterminiert: Bachs Arie "Schlafe, mein Liebster" aus dem "Weihnachtsoratorium" als farbanämisches Kurkonzert. Viele Huster im Publikum und ständiger Zwischenbeifall waren auch nicht gerade feiner Stil. (Christoph Zimmermann)