Interview mit der Bonner Sängerin Makeda

Starker Auftritt im Musical Dome

Köln. Die Bonnerin Makeda (25) singt in der Hauptrolle des Musicals "Bodyguard" die Welthits von Whitney Houstons. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Ein Schuss reißt die Stille in Stücke. Blaues Licht fällt auf die Bühne. 1500 Theaterbesucher sind jetzt hellwach. Und wissen den Knall zu deuten. Er signalisiert eine unsichtbare, aber allgegenwärtige Bedrohung. Ein Stalker hat es auf Rachel Marron abgesehen. Bodyguard Frank soll die gefeierte Sängerin schützen. Der Rest ist Filmgeschichte. Whitney Houston sang sich im Kinohit „Bodyguard“ (1992) quasi selbst, Kevin Costner gab den kongenialen Partner. Allein in den deutschen Kinos wurden sechs Millionen Besucher gezählt.

„Bodyguard“ gibt es längst auch als Musical aus dem Londoner Westend, seit November läuft die deutsche Fassung im Kölner Musical Dome – mit bislang 275 000 Besuchern. Bis Januar 2017 steht das Stück im Spielplan. Die Hauptrolle der Rachel spielt etatmäßig die Berlinerin Patricia Meeden, bei Produktionen dieser Größenordnung sind jedoch starke und verlässliche Alternativbesetzungen unabdingbar.

In dieser Hinsicht hat sich die Bonner Sängerin Makeda Michalke (25) bereits mehrfach bewährt. Sie kam durch ein Casting ins Ensemble. Makeda hat zuvor ein BWL-Studium absolviert und war mit ihrer Band Steal A Taxi in China als Kulturbotschafterin der Stadt Bonn unterwegs. In „Bodyguard“ bewältigt die Sängerin ein enormes Pensum: Dialoge, Tanz und immerhin 16 Songs. Ganz und gar nicht atemlos stellt sie sich nach einer Vorstellung den Fragen von Klaus Weese und Heinz Dietl.

Makeda, Sie haben Betriebswirtschaftslehre studiert. Kann man den BWL-Bachelor als Musical-Sängerin gebrauchen?

Makeda: Es hilft zumindest bei Vertragsverhandlungen – wenn man von sich behaupten kann, BWL studiert zu haben.

Und auf der Bühne? Teilen Sie sich Ihre Kräfte ökonomischer ein?

Makeda: Das ergibt sich von selbst. Man sollte in jedem Fall viel schlafen und sehr viel trinken. Auf der Bühne bleibt bei dieser Vielzahl an Liedern und Kostümwechseln keine Zeit, groß nachzudenken. Nach dem ersten Song flutscht auch der Rest.

Die Songs von Whitney Houston sind stimmlich extrem anspruchsvoll, sehr melodiegetrieben und detailverliebt vor allem in den hohen Lagen. Wie nähert man sich als junge Sängerin dieser Herausforderung?

Makeda: Mit sehr viel Respekt. Ich hatte früher mal die Nummer „I Wanna Dance With Somebody“ gesungen, es dann aber gelassen, weil es nicht wie Whitney Houston geklungen hat. Dann kam das Casting für „Bodyguard“, ich erhielt den Vertrag. Und ich dachte: Wenn man in mir das Potenzial sieht, diese Stücke zu singen, dann muss und wird es auch klappen.

So einfach ist das?

Makeda: Nun, man arbeitet und arbeitet und arbeitet. Wichtig ist: Du muss einen Titel zu deinem eigenen Song machen. Sich auf die Bühne zu stellen und zu versuchen, wie Whitney Houston zu klingen, das ist noch niemandem gelungen.

Ihr Pensum besteht aus 16 Songs, vielen Tanzszenen und Kostümwechseln. Ihnen wird eine Menge abverlangt, oder?

Makeda: Ja, aber ich denke nicht darüber nach, welche Szene oder welcher Song als nächstes kommt. Man konzentriert sich auf den Moment und entwickelt sich innerhalb von zweieinhalb Stunden mit der Figur.

Die Übergänge der Szenen wirken wie kunstvolle Blenden – Räume öffnen und verdichten sich. Fühlen Sie sich wohl in diesem Ambiente?

Makeda: Im Mittelpunkt der Szenen stehen immer die Lieder, sie tragen die Emotionen. Wenn man „Saving All My Love For You“ singt, vergisst man alle Dialoge und Kulissen. Aber zugegeben, es ist schon eine ziemliche Herausforderung, zum Beispiel die Sterbeszene mit Rachels Schwester Nicky zu spielen.

Wo liegt die Schwierigkeit bei dieser sehr anrührenden Szene?

Makeda: Da fällt blitzschnell der Vorhang, die Szene wechselt, man muss sich zusammenreißen und man darf nicht mehr an die sterbende Schwester denken.

Wie stemmt man die Hauptrolle eines solchen Musicals ohne Schauspielausbildung?

Makeda: Mein erster Einsatz als Rachel lief äußerst entspannt ab, die Kollegen auf der Bühne haben mich getragen. Bei den nächsten Shows will man dieses Niveau halten. Ich stimme mich hinter der Kulisse mit etwas Yoga und Tai Chi ein. Damit finde ich meine Mitte.

Die Tanzszenen sind aber auch nicht ohne.

Makeda: Ich war eigentlich zum Casting für die Rolle der Nicky gegangen, weil es hieß, dass man als Nicky nicht ganz so viel tanzen müsste. Dann musste ich doch eine Stunde tanzen. Ich bin nach Hause gefahren und dachte: Okay, das war’s, eine nette Erfahrung.

Und dann kam die Zusage doch. Waren Sie überrascht?

Makeda: Ja. Und ich bekam Unterricht, man lernt viel.

Sie sind Sängerin der Bonner Band Steal A Taxi. Wie passen die Aktivitäten zusammen?

Makeda: Es passt. An meinen beiden vorstellungsfreien Tagen bei „Bodyguard“ proben wir mit der Band. Dieses Jahr spielen wir zum Beispiel bei den Stadtgartenkonzerten am Alten Zoll.

Hilft Ihnen die bisherige Live-Erfahrung mit der Band jetzt vor großem Publikum?

Makeda: Ja, es sitzen jeden Abend bis zu 1600 Besucher im Musical Dome. Man denkt erst: Oh Gott, wie schaffe ich das bloß! Aber es geht, die Erfahrungen sind vergleichbar, man macht Musik. Das alles wirkt sich wiederum auf die Band aus. Auch das Tanzen und die Art, wie man sich auf der Bühne bewegt. Vorher war ich vergleichsweise schüchtern, jetzt traue ich mich einfach mehr.

Wie reagiert die Band auf Ihre Karriere als Musical-Sängerin?

Makeda: Ich kenne die Musiker seit fünf Jahren, im vergangenen Jahr hatten wir im Popcamp des Deutschen Musikrats eine sehr intensive Zeit zusammen. Und dann erhielt ich den Vertrag für das Musical. Die Band meinte: Das musst du machen, es wird dich als Sängerin und uns als Band weiterbringen!

Wie definiert sich Steal A Taxi musikalisch?

Makeda: Es ist Popmusik, aber wir sind etwas erwachsener geworden, verwenden mehr elektronische Einflüsse.

Sie heißen mit Nachnamen Michalke. Woher kommt der Vorname Makeda?

Makeda: Der Nachname kommt aus dem Schlesischen durch meinen Großvater. Meine Mutter stammt aus Trinidad-Tobago, sie suchte für mich einen Vornamen, der stark ist, und so wählte sie den Namen der König von Saba.

Und, zufrieden?

Makeda: Ja, Makeda passt zu mir. Aber das war nicht immer so. Ich hatte mal eine Phase, da wollte ich lieber Stefanie heißen. Ich habe sogar einen Song über dieses Thema geschrieben.

Kann es sein, dass Sie den Vornamen auch als Marke sehen? In den Publikationen zu „Bodyguard“ taucht jedenfalls nur „Makeda“ auf.

Makeda: Man hat mir gesagt, im Musical sei es üblich, sowohl Vor- als auch Nachnamen aufzuführen. Ich habe gesagt: Ich kommen nicht aus dem Musical. Ich habe nichts gegen meinen Nachnamen, aber Makeda alleine funktioniert besser. Ich finde es cooler.

Wo soll die Reise mit Makeda noch hingehen?

Makeda: Meine bisherige Reise war darauf ausgerichtet zu sehen, was als nächstes kommt. Ach, ich bin jetzt bei „Bodyguard“ – schön. Es gab bisher durchaus ein paar Chancen für den schnellen Erfolg, allerdings mit Musik, die mir nicht gefallen hätte. Mein Ziel ist es, Musik zu machen, die berührt.

Musical-Tipp: „Bodyguard“, Köln, Musical Dome; Vorstellungen mehrmals wöchentlich voraussichtlich bis Januar 2017 www.bodyguard-musical.de

Konzerttipp: Steal A Taxi Bonn: Alter Zoll, 5. August www.stealataxi.de