Lanxess Arena

So war das Konzert von Maroon 5 in Köln

Maroon 5 beim Konzert in Köln.

Maroon 5 beim Konzert in Köln.

Köln. 16.000 Fans erleben in der Lanxess-Arena ein grandioses Konzert von Maroon 5 - das jedoch anders als geplant keine zwei Stunden lang ging.

Das Kölner Nipplegate ereignet sich Montag kurz nach 22.30 Uhr. Erläuterung für die, die mit „Nipplegate“ so gar nichts anfangen können: Anfang 2004 sorgte ein gemeinsamer Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake beim 38. Finale der US-amerikanischen Football-Profiliga für Entsetzen. Ein Träger von Jacksons Kleid löste sich, eine Brustwarze (engl. nipple) wurde sichtbar. In Anlehnung an die Watergate-Affäre, bei der es ja auch um Enthüllung ging, tauften US-amerikanische Medien den Busenblitzer Nipplegate.

Adam Levine (40) trägt um kurz nach 22.30 Uhr nur noch ein Achsel-T-Shirt. Der Jacke und des Hemdes hat er sich da längst entledigt. Weil das Schweiß treibende Konzert von Maroon 5 in der ausverkauften Lanxess-Arena zu diesem Zeitpunkt schon über eine Stunde dauert. Und weil Levine weiß, was er seiner Vita ( „Sexiest Man Alive“ 2013) schuldig ist. Der Begriff Achsel-T-Shirt hätte alle Chancen, sich ins Feld der Fake News einzureihen. Weil der Ausschnitt unter den Armen bis fast zur Taille reicht.

Er offenbart, dass der Sänger und Gitarrist aus Los Angeles nicht nur von der Schulter bis zu Armband tätowiert ist. Und, wenn sich der Beau mit dem biblisch anmutenden Lockenbart und dem Iro-Flatliner auf dem seitlich ausrasierten Haupt verneigt, noch mehr: die rechte, unverhüllte, Brustwarze.

Was in Trumps Towerland für Skandal gesorgt hätte, ficht indes 16.000 Fans in Köln nicht an. Oder: man merkt es nicht. Weil sich die Arena schon seit 21.17 Uhr in einen Kessel des Kreischens verwandelt hat.

Derartig ungehemmte Begeisterung allein auf das Charisma des Frontmanns und dessen gut akzentuierte Muskeln (ohne jeden peinlichen Bodybuilder-Michelin-Männchen-Effekt) zurückzuführen, hieße allerdings ungerecht zu sein. Es ist ein grandioses Konzert. Auch wenn es nicht, wie annonciert, zwei Stunden dauert, sondern gerade mal knapp 90 Minuten. Und eine der Zugaben, in deren Genuss das südostasiatische Publikum kam, in Köln gestrichen wurde.

Aus den anfangs vier und dann zwischenzeitlich fünf Maroons sind sieben geworden. Für die Fülle, die Vielfalt und den Sound ist das unbedingt von Vorteil. Wobei letzterer so brachial daher kommt, wie sonst nur bei Kravitz. Es ist die Sorte Sound, die die Arena in ihren Grundfesten erschüttert. Er eint gestandene Paare über 50 mit zuckersüßen Girlies Anfang 20, die ihre beste Freundin so balzend betanzen, als sei die Welt ohne Jungs eine bessere Welt. „I´m in a misery – oh, yeah“, singen sie gemeinsam, recken die Arme in die brennende Arenaluft und lassen die Hüften kreisen.

Ob Levine sich wirklich wie Jagger bewegt? Ziemlich egal. Weil er das „U-hu-u-hu-huhu“ von „Miss You“ perfekt beherrscht. Weil er „Girls Like You“ in einer wunderbaren Melange frei nach Alphaville forever young sein lässt. Und weil er bei „Wait“ vom letzten Album „Red Pill Blues“ den höchsten Ton noch höher, noch höher und noch noch höher schraubt. Scheinbar ganz ohne jede Anstrengung. Käuzchenschreie und Kojotenheuler so täuschend echt raus haut, als sei er selbst eins dieser„Animals“.

Oder beschwört, nur von James Valentine an der Akustik-Gitarre begleitet und am Ende des Catwalks stehend, der weit in den Innenraum hineinragt, „She Will Be Loved“. Weich und warm und mit einem Timbre, das so goldschimmernd ist wie ein ruhiger Fluss am Abend, in dem die Sonne versinkt. Wer braucht danach noch ein Kölner Nipplegate? Ganz, ganz ehrlich? Als Zugabe nach der zweiten Zugabe war´s trotzdem hübsch.