Frischer Wind aus Melbourne

Sängerin Courtney Barnett kommt in die Live Music Hall in Köln

Courtney Barnett spielt am Mittwoch, 13. Juni, in der Live Music Hall.

Courtney Barnett spielt am Mittwoch, 13. Juni, in der Live Music Hall.

Köln. Am Mittwoch, 13. Juni, tritt die Australierin Courtney Barnett in der Live Music Hall auf. Auf dem Konzert in Köln präsentiert sie ihre neuen Songs.

Courtney Barnett (29) ist sauer. Nicht so sehr im eher gemütlichen Jetzt und Hier in einem Berliner Hotelzimmer, an dessen Fenster sie hockt und der Spree beim gemächlichen Fließen zuschaut, sondern speziell auf ihrem neuen, zweiten Album "Tell Me How You Really Feel". Und es geht hier wirklich zur Sache. Sie wettert gegen Internet-Trolle, gegen Männer ("I'm Not Your Mother, I'm Not Your Bitch"), überhaupt gegen Hass und Ungerechtigkeit Frauen gegenüber.

Nein, Barnett braucht nun wirklich keine "MeToo"-Bewegung, um feministisch klar Stellung zu beziehen. "Ich steckte in keiner guten Lebensphase, als ich die neue Platte schreiben wollte", bekennt die Singer/Songwriterin, die in Melbourne lebt und mit der Kollegin Jen Cloher verheiratet ist und mit ihr auch ausgiebig als Gitarristin tourt.

Die Karriere läuft gut

Dabei läuft die Karriere seit einigen Jahren prächtig, für ihr erfrischendes Debütalbum "Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" bekam Courtney jede Menge Auszeichnungen. Sie spielte auf den coolsten Festivalbühnen der Welt und nahm nebenher noch ein hübsches Album mit dem Barden Kurt Vile auf. "Aber als ich neue Songs schreiben wollte, tat ich mich sehr schwer. Ich war frustriert, auch die Welt als solche widerte mich an."

Erschwerend sei hinzugekommen, dass sie "extrem hohe Standards" an ihre Songs habe und jedes einzelne Wort unter die Lupe nehme. "Erst als mir ein Freund eine alte Schreibmaschine gab, ging es voran. Mein Ziel war, pro Tag mindestens eine Seite zu schaffen." Das gelang ihr, und beim Schreiben kristallisierte sich heraus, dass sie dieses Mal weniger ihre Umgebung, sondern sich selbst einer scharfen Betrachtung unterziehen würde. "Mein Leben lag offen vor mir ausgebreitet. Es war kein allzu schöner Anblick. Aber alles musste raus."

Was Courtneys Wohlbefinden indes konkret beeinträchtigte, darüber will sie nicht so recht mit der Sprache raus. "Ich habe versucht, herauszufinden, was in mir vorgeht, indem ich diese Songs geschrieben habe. Ich lavierte, analysierte. Ich habe viel über mich gelernt, jetzt muss ich es nur noch umsetzen."

Hoffnung im Punk

Trockener sind viele der neuen Songs geworden, manchmal ist das fast schon Punk. Ihr selbst, sagt sie, gehe es nach der depressiven Phase wieder besser. Was sie über sich herausgefunden habe? Dass Erfolg und Außenwirkung nichts mit der inneren Wahrnehmung zu tun haben müssen, im Gegenteil. "Je mehr alle Welt mich feierte, desto beschissener habe ich mich gefühlt." Und: "Langfristig bleibt einem keine andere Wahl, als damit klarzukommen, ein Mensch unter Menschen zu sein."

Ganz unterkriegen lässt sie sich ohnehin nicht. In "Hopefulessness", einer Barnett'schen Wortschöpfung, finden Hoffnung und Hoffnungslosigkeit eng umschlungen zusammen.

Info: Courtney Barnett, Köln, Live Music Hall, Mi 13. Juni, 20 Uhr; Tickets gibt es bei Bonnticket.