Siegburger Kubana

Rocksänger Ray Wilson überzeugt mit einer siebenköpfigen Band

Ray Wilson, hier beim Konzert im Kubana, wurde 1994 mit dem Hit "Inside" bekannt.

SIEGBURG. Abgespeckt, akustisch, stimmungsvoll und auf die leiseren Töne bedacht war das Konzert, das Ray Wilson vor drei Jahren im Siegburger Kubana gab. Am Freitag beglückte Wilson, der einstige "Stiltskin"-Sänger und kurzzeitige "Genesis"-Frontmann den ausverkauften Club mit dem Sound einer siebenköpfigen Band.

Die tat dann auch ihr Bestes, um die Songs von Wilsons letztem musikalischen Solo-Ausflug "Chasing Rainbows", aber auch die von ihm neu arrangierten Hits seiner Band "Stiltskin" und einige "Genesis"-Klassiker musikalisch ins rechte Licht zu rücken.

Er mag Siegburg, und er mag den Kubana-Club, wie er neulich in einem GA-Interview bekundete. Und irgendwie schafft er es auch immer wieder, besonders das weibliche Publikum in Scharen zu mobilisieren, wenn er mal wieder in der Kreisstadt auftritt.

Seine inzwischen schon 20-jährige Karriere hat er mal als "strange" (befremdend) bezeichnet. Der 45-jährige Schotte, dessen erste Band "Guaranteed" Pure nicht gerade von Erfolg gesegnet war, bekam 1994 das Angebot, bei "Stiltskin" als Sänger einzusteigen. Ein Hit ("Inside") und ein Album ("The minds eye") später war schon wieder Schluss. Als 1996 Phil Collins bei "Genesis" aufhörte, machten die verbliebenen Mitglieder Mike Rutherford und Tony Banks Wilson das Angebot, als Sänger einzusteigen.

Nach dem erfolglosen Album "Calling all stations" war aber auch "Genesis" für Wilson Geschichte. Allerdings Geschichte, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. Bereits mit dem dritten Song, "That's all", zelebrierte seine Band diese Geschichte eindrucksvoll, mit perlenden Piano-Läufen und röhrendem Saxofon-Solo.

Natürlich gab es reichlich Songs von seinen Soloalben "Change", "Razorlight", "Propaganda Man" und "Chasing Rainbows". Immer wieder streute er aber "Genesis"-Stücke wie "Follow you, Follow me", "Lamb lies down on broadway" und "Carpet Crawlers" sowie "Congo" und "Calling all stations" aus seiner Zeit als Sänger der Band ein. Durch Wilsons raue Interpretationen erhalten die teils 30, 40 Jahre alten Artrock- und Popklassiker von Gabriel, Collins und Co. eine Frischzellenkur.

Für den ersten Gänsehautmoment sorgten Wilson und Band allerdings mit einer gigantischen Version der "Stiltskin"-Nummer "Ought to be resting", die das Publikum derart beeindruckte, dass dazu einer Dame aus der ersten Reihe nur der Kommentar einfiel: "Wer braucht schon Genesis?" Wilson anscheinend schon, denn neben dem druckvollen "Stitskin"-Hit "Inside" beendete er das mehr als zweistündige Konzert mit dem gespenstischen "Genesis"-Song "Mama" und gab nach ein paar Zugaben sogar noch Autogramme.

Ray Wilson (Gitarre, Gesang) Ali Ferguson (Gitarre, Gesang), Steve Wilson (Gitarre, Gesang) Dariusz Tarczewski (Klavier, Keyboards) Lawrie MacMillan (Bass,Gesang) Ashley MacMillan (Schlagzeug, Percussion) und, für die klassische Atmosphäre, Alicja Chrzaszcz und Barbara Szelagiewicz (Violinen), sorgten musikalisch jedenfalls für großes Kino und setzten die Songs eindrucksvoll in Szene. Das Publikum zeigte sich begeistert und konnte sich einer Sache gewiss sein: Wilson kommt wieder, denn, wie er kürzlich erwähnte: "Siegburg steht immer auf unseren Tourplänen."