Kulturzentrum in Windeck

Pioniertaten bei Kabelmetal

Geigerin Hoshiko Yamane von Tangerine Dream beim Schwingungen-Festival.

Geigerin Hoshiko Yamane von Tangerine Dream beim Schwingungen-Festival.

Windeck. Tangerine Dream und Peter Heppner spielen bei der zweiten Auflage des elektronischen Musikfestivals „Schwingungen am Wasserfall“. Im nächsten Jahr soll es eine Fortsetzung geben.

Stummfilmvertonung, Pole Dance, Kunstausstellungen – das Kulturzentrum Kabelmetal in Windeck-Schladern ist auf dem Weg, sich als Schauplatz vielfältiger kultureller Veranstaltungen zu etablieren. Mit „Schwingungen am Wasserfall“ hat nun auch die elektronische Musik in der alten Fabrikhalle ein Zuhause gefunden. Die zweite Ausgabe des Festivals ist Magnet für Hunderte Gäste, viele davon aus dem Ausland. Dass das Konzertwochenende international Beachtung findet, kommt nicht von ungefähr. Mit Tangerine Dream und Peter Heppner sind echte Hochkaräter vertreten. Sie spielen neben M.I.N.E., Uni Sphere und Pink Pulse, während ein Team Ehrenamtlicher unter Regie des Kabelmetal-Vereins für einen familiären Rahmen sorgt.

Vor allem Tangerine Dream erweist sich als Zugpferd – ein klangvoller Name, war die Berliner Gruppe doch stilprägend für die elektronische Musik insgesamt. Zwar ist Edgar Froese, Gründer und musikalischer Übervater, 2015 verstorben. Doch machen die drei verbliebenen Musiker – Thorsten Quaeschning, Ulrich Schnauss an den Keyboards und die Geigerin Hoshiko Yamane – gemäß seinem Wunsch weiter. Das bekräftigt Froeses Witwe Bianca Froese-Acquaye vor dem Auftritt, und zugleich kündigt sie weitere Alben und Tourneen an.

Das Konzert in Windeck ist das zweite nach dem Tod von Edgar Froese. Die Gruppe schafft es auch ohne ihn, die Magie einstiger Pioniertaten wie „Rubycon“ oder „Kiev Mission“ aufleben zu lassen. Für die Fans spielt das Trio eine Reihe wohlbekannter Stücke, gepaart mit neueren Arbeiten, die auf den jüngsten Veröffentlichungen „Mala Kunia“ und „Quantum Key“ nachzuhören sind. So präsentiert sich Tangerine Dream trotz aller stilistischer Rückgriffe auf die 70er und 80er Jahre als progressive Gruppe, die mit beiden Beinen im 21. Jahrhundert steht.

Heppner, der einst dem Projekt Wolfsheim seine unverwechselbare Stimme gab, ist indes der Mann für's Poppige – und zugleich ein Meister des kühlen Understatements, was in der Clubatmosphäre bei Kabelmetal besonders zur Geltung kommt. Heppner bringt die Besucher zum Tanzen. Sei es mit Wolfsheim-Hits („Kein Weg zurück“), sei es mit Stücken, die er mit Schiller oder Joachim Witt eingespielt hat („I Feel You“, „Die Flut“). Auch 2017 soll die Bühne bei Kabelmetal den Synthesizern gehören. Die dritten „Schwingungen am Wasserfall“ sind schon in Arbeit.