Festival für neue Musik

Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort kündigt 55 Konzerte an

Köln. Polyphonie in der Großstadt: Der Komponist Georges Aperghis steht im Zentrum des Kölner Musikfestivals „Acht Brücken“. Als Gastorchester kommen das Concertgebouworkest aus Amsterdam und das SWR Sinfonieorchester.

Beim Motto der neunten Auflage des Musikfestivals „Acht Brücken“ haben sich die Veranstalter von Walter Ruttmanns berühmtem Stummfilm aus dem Jahr 1928 „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ inspirieren lassen. Mehr als eine Hommage soll das Festivalmotto „Großstadt-Polyphonie“ aber nicht sein, wie Philharmonie- und Festivalchef Louwrens Langevoort bei der Vorstellung des Programms ausführte. „Wir versuchen nicht, die Geschichte von 1928 zu wiederholen. Es ist uns aber sehr wichtig, dass wir erfahren, welche Klänge eine Großstadt haben kann.“

Während Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker unter anderem den Karnevalslärm auf dem Alter Markt assoziierte, merkte Langevoort an, letzteren Aspekt außen vor lassen zu wollen: „Das Festival beginnt erst Ende April, wenn die fünfte Jahreszeit längst beerdigt ist.“ Es gehe eher um Alltagsklänge. Dafür habe man Musik gesucht, die von den vielfältigen, „polyphonen“ Klängen der Stadt inspiriert worden sei oder werde.

Das Concertgebouworkest kommt zum Festival

Die künstlerisch aufgearbeiteten Klänge sind so zahlreich wie unterschiedlich, man wird sie in den Stadtteilen finden und natürlich in der Philharmonie, wo das Concertgebouworkest Amsterdam und das neu formierte SWR Sinfonieorchester aus Stuttgart erwartet werden, aber auch die beiden heimischen Klangkörper WDR Sinfonieorchester und Gürzenich-Orchester. Im Programm haben Letztere unter anderem Werke des in Paris lebenden griechischen Komponisten Georges Aperghis, der zur Programmvorstellung angereist war. Von ihm sind insgesamt 18 Werke in zwölf Konzerten zu erleben.

Mit den Aspekten des Festivalmottos Polyphonie und Großstadt fühle er sich sehr wohl, sagte der 1945 geborene Komponist, dessen Musik neben anderen auch durch den Erfinder Pierre Schaeffer beeinflusst ist, der schon 1948 Geräusche in die Musik einbrachte.

Eröffnet wird das Acht-Brücken-Festival am 30. April mit einer Aufführung von Aperghis' Oratorium „Hamletmaschine“ aus dem Jahr 2000 nach Heiner Müllers gleichnamigem Stück. Die „Hamletmaschine“, die vor Aperghis auch schon Wolfgang Rihm vertont hatte, sei fürihn ein „sehr schweres Stück“ gewesen, sagte der Komponist in Köln. Der Text habe ihn sehr geschmerzt, weil er sehr zynisch sei. Ihn interessiere die Figur des Hamlet, der sage, er könne nicht denken und sein Körper funktioniere wie eine Maschine. Trotz aller Widerstände aber sei Müllers „Hamletmaschine“ ein sehr schöner Text.

Wie breit gefächert das Oeuvre des Maurizio-Kagel-Preisträgers des Jahres 2011 ist, zeigt auch die Rückkehr seines musikalischen Märchens „Rotkäppchen“, das 2001 von der Kölner Philharmonie in Auftrag gegeben worden war. Diesmal ist diese Fantasie für Kinder in einer neuen Inszenierung der Jungen Oper im Nord aus Stuttgart zu erleben.

Natürlich gibt es außerdem noch etliche weitere spannende musikalische Momente zu entdecken. zum Beispiel die Uraufführung eines Doppelkonzerts des Komponisten Michel van der Aa in erstklassiger Besetzung mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, der Cellistin Sol Gabetta und dem Concertgebouworkest Amsterdam unter Leitung von Peter Eötvös. Der gefeierte Teodor Currentzis wird bei seinem Kölner Auftritt mit dem SWR Sinfonieorchester unter anderem Dmitri Kourliandskis „Riot Of Spring“ aufführen, ein Riesencrescendo für Orchester, bei dem am Ende sogar das Publikum mitmachen kann.

Es gibt viel zu entdecken

Viel zu entdecken gibt es aber auch außerhalb der Philharmonie. Die deutsche Erstaufführung der „City Pieces“ des in Köln lebenden Komponisten Manos Tsangaris verspricht eine besondere Herausforderung zu werden: „Das Geheimnisvolle ist“, sagte Lange-voort, „dass wir erst am 8. April verkünden, wo sie stattfindet.“

Darüber hinaus gibt es Installationen etwa in der Christuskirche oder auch Aufführungen, Aktionen und Events in einer Skaterhalle, einem U-Bahnhof, einer Lagerstätte für Hochwasserschutzelemente und an manch anderen Orten mehr. Eines ist jedenfalls sicher: Bei den insgesamt 55 Veranstaltungen, die sich auf zwölf Tage und Nächte vom 30. April bis zum 11. Mai verteilen, gibt es in Köln jede Menge zu entdecken.

Ausführliche Infos zum Programm: www.achtbruecken.de