Patrice in der Kölner Philarmonie

Optimistische Weltsicht

Patrice mit Streicherinnen-Begleitung in der Kölner Philharmonie. FOTO: THOMAS BRILL

Patrice mit Streicherinnen-Begleitung in der Kölner Philharmonie.

07.12.2014 KÖLN. Patrice ist musikalischer Weltbürger wie hierzulande nur ganz wenige. Doch gerade deswegen ist für ihn, der im benachbarten Kerpen-Brüggen aufwuchs und in der Kölner Hip-Hop- und Reggae-Szene groß geworden ist, ein Konzert in Philharmonie wie ein Heimspiel, dem er sich besonders verpflichtet fühlt.

Die Philharmonie und die akustische Möglichkeit auch mal ohne Mikrofon zu singen, kennt Patrice Babatunde Bart-Williams, so sein vollständiger Name, bereits von einem gemeinsamen Konzert mit der WDR Bigband. Wäre er Boris Becker, hätte er den Konzertsaal vermutlich längst zu seinem Wohnzimmer erklärt. Doch der 35-Jährige ist bescheiden, verspricht einfach nur ein "Super Konzert". Als klangliche Verstärkung hat er nicht nur das Cosmopolitan Quartet, sondern auch weitere Gäste wie etwa die exzellente englische R'n'B-Stimme Rox eingeladen.

"Here Comes the Sun", ein Beatles-Klassiker von George Harrison, eröffnet das Konzert, dessen entspannte Harmonie so gar nichts von der Schärfe der Kritik, die Patrice an der deutschen Fassung von "Do They Know It's Christmas 30" - sicherlich nicht ganz zu unrecht - geäußert hatte, aufweist. Mit Veröffentlichung seines Albums "The Rising Of The Son" nutzt Patrice den phonetischen Gleichklang von "sun" und "son" für Wortspiele. Einerseits scheint die Sonne immer wieder als Zeichen optimistischer Weltsicht aufzugehen, andererseits sollen sich aber auch Söhne erheben, um gegen verkrustete Weltsichten anzugehen. Seine leicht angeraute Stimme klingt meist in höheren Lagen, doch sie hat nichts weinerlich Klagendes, sondern wirbt sanft aber eindringlich für mehr Verständnis.

Dabei verstärken gelegentlich Streicherklänge diese einfühlsame Emotionalität. Rhythmisches Temperament kommt auf, wenn er gemeinsam mit Bassist Philipp "Soul" Sewell und Schlagzeuger Mickel Boswell in treibende Reggae-Grooves einsteigt. Dann hält es die rund 2000 Fans in dem nahezu ausverkauften Konzertsaal nicht mehr auf den Plätzen, es wird mitgeklatscht und viele tanzen so gut es eben zwischen den Stuhlreihen geht. Zu "Soul Storm" erhebt sich ein kraftvoller Fanchor. (Bernd Schuknecht)