Konzert in Köln

Niedeckens BAP rocken mehr als drei Stunden in der Lanxess-Arena

Der Chef und sein Gitarrist: Wolfgang Niedecken mit Ulrich Rode.

Der Chef und sein Gitarrist: Wolfgang Niedecken mit Ulrich Rode.

KÖLN. Wolfgang Niedecken setzt beim BAP-Konzert in der Arena mit Bläsern frische Akzente. Das Publikum macht die abwechslungsreiche Show zum Mitsing-Abend.

Roter Teppich, Südstaaten-Villa-Ambiente und mittendrin die „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“. Als Wolfgang Niedecken den urkölschen Bandklassiker in swingender Südstaaten-Atmosphäre singt, der Gang schlendernd, das Hemd verschwitzt, da ist klar, dass dieser Abend ganz prächtig funktioniert. Vor allem, weil die drei Bläser neben ihm auf der Bühne schon zwei Stunden lang satte Akzente gesetzt haben. Und weil sich Kölsch und Southern Comfort vielleicht doch ganz gut vertragen.

Wolfgang Niedecken gastierte mit BAP vor 13.000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Kölner Lanxess-Arena. Ein neues Album gab es nicht vorzustellen, dafür war der Abend inspiriert vom letzten Ausflug des 67-Jährigen nach New Orleans. Dort hatte er sein Solo-Album „Reinrassije Strooßekööter“ aufgenommen, eine Hommage an seine Familie, die Veröffentlichung versehen mit zahlreichen privaten Bildern. Die leuchteten auch auf den Leinwänden der ganz und gar unfamiliären Arena, gestaltet war die Bühne mit viel Südstaaten-Charme und zahlreichen Schwarz-weiß-Bildern vom Chlodwigplatz.

Dem Eindruck, dass er nach der Akustik-Tour und dem Jubiläums-Gig in der Arena vor zwei Jahren allzu gemütlich werden könnte, versuchte Niedecken von Anfang an entgegen zu treten. Der Auftaktsong „Drei Wünsch frei“ entspringt der frühen Abteilung „Rocksong mit Botschaft“, der folgende „Waschsalon“ zählt zum stilbildenden Frühwerk. BAP schaltet aber nicht zurück in den derben Modus. Niedecken weiß, dass ein alternder Rocker schnell peinlich werden kann, und dass es gelegentlich auch eine neue Geschichte braucht.

Über drei Stunden quer durch die BAP-Geschichte

Also hat er sich die drei Bläser Christoph Moschberger, Axel Müller und Johannes Glotz auf die Bühne geholt, kennengelernt hat man sich bei den Aufnahmen zu „Sing meinen Song“. Mit „Diss Naach ess alles drin“ kommt das Trio an diesem gewohnt langen Abend zum ersten Mal richtig zur Geltung, Charme verleihen sie vor allem alten Titeln wie „Bahnhofskino“ oder neu arrangierten Stücken wie „Et ess wie et ess“.

Fast dreieinhalb Stunden spielt sich Niedeckens BAP durch die Bandgeschichte. Viele persönliche Stücke des jüngsten „Familienalbums“ sind zu hören („Chippendale Desch“), er plaudert von der Mutter („Sie hätte das kölsche Grundgesetz erfinden können“) grüßt „Tante Ilse“ im Publikum („Ist sie nun 98 oder 99?“). Klassiker wie „Jupp“ oder „Du kann zaubere“ gibt es neu arrangiert, und an Statements zu Flüchtlingskrise („Wir müssen diesen Menschen helfen“), nationalistischem Wahn und Kriegstreiberei mangelt es nicht. Niedecken bleibt also Niedecken.

Auf der Bühne steht er aber nun mit einer Band, die seit vier Jahren unverändert geblieben ist, vielleicht die beste, die er je hatte. Gitarrist Ulrich Rode bekommt reichlich Raum für Soli, Anne de Wolff (unter anderem Geige, Cello) ist ohnehin ein Segen, Michael Nass bleibt variationsreich und Schlagzeuger Sönke Reich eine Bank. Letzterer war noch nicht auf der Welt, als „Verdamp lang her“ 1981 auf den Markt kam. Am Bass ersetzt Marius Goldhammer den erkrankten Werner Kopal.

Dass die Arena mit jedem Lied mehr in Schwung kommt, liegt vor allem an dem rasanten Wechsel der Stilrichtungen: Rock und Jazz, Boogie und Reggae, Südstadt-Poesie und Südstaaten-Blues. Das Kölner Publikum organisiert dann stilunabhängig ein Mitsing-Konzert: „Arsch huh“ und „Kristallnaach“ sowieso, später im Zugabenteil „Aff un zo“ und „Nix wie bessher“, am Ende, nach fast dreieinhalb Stunden, noch „Jraaduss“.