Kölner Philharmonie

Musikalisches Feuerwerk mit Beethovens Neunter

Enorme Spannung: Markus Stenz bei der Probe.

01.01.2014 KÖLN. Markus Stenz dirigiert ein gut aufgelegtes Gürzenich-Orchester und hervorragende Solisten beim Silvesterkonzert in der Philharmonie.

Es ist ein schöner Brauch, den Jahreswechsel nicht nur mit Feuerwerk zu feiern, sondern auch mit Musik. Da hat man die Auswahl zwischen Silvester- und Neujahrsprogrammen. Die Kölner Philharmonie verband das in diesem Jahr miteinander, wobei sich die Dramaturgie vermutlich eher zufällig ergab. Am 30. Dezember widmeten sich die Musiciens du Louvre Grenoble unter Marc Minkowski zunächst der der Strauß-Dynastie (siehe Seite 12).

Ob auch Markus Stenz ein Mann für Walzer und Polkas ist? Bis jetzt gab er sich als eher ernsthafter Musiker, und so wählte er zum Ausklang des Jahres Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Zunächst wäre übrigens Gottfried Franz Kasparek zu danken, der in seinem äußerst informativen Programmheftartikel auch auf die ambivalente Vereinnahmung von Beethovens Musik zu sprechen kommt, hier von euphorischen Moralenthusiasten, dort von kleingeistigen Machtpotentaten. Aber auch Beethoven selber hat Kritik für sein innovatives Werk einstecken müssen. Vor allem der marcia-gestählte Finalsatz war nicht nach jedermanns Gusto.

Dagegen lässt sich durchaus argumentieren. Markus Stenz tat dies (gezielt oder auch nicht) mit einer Interpretation, die in ihrer fulminanten Energie überzeugte und nicht etwa anderweitige Überzeugungen ängstlich auf den Prüfstrand stellte. Gleich der Beginn gab Aufschluss über den flammenden Zugriff des Dirigenten. Unter seinen Händen stürzte die Musik quasi wie Blitze aus einem Gewölk hervor. Unterstützt wurde er dabei von dem wie unter Strom stehenden Pauker Carsten Steinbach.

Auch später stand die Aufführung unter enormer Spannung, was durch das ungemein präzise und dramatisch heißblütig spielende Orchester unterstrichen wurde. Im Finale leisteten die Chorvereinigungen vom Kölner Dom (Einstudierung: Eberhard Metternich, Winfried Krane) Vorbildliches. Auch die Solisten waren erste Wahl: der markante Bariton Markus Butter, der schneidige Tenor Maximilian Schmitt, die Altistin Ingeborg Danz. Sopranistin Anne Schwanewilms war in der Philharmonie zuletzt 1999 zu hören gewesen.

Das einstige Mitglied des Kölner Opernstudios und -ensembles (noch als Mezzosopranistin) wäre längst wieder einmal zu engagieren gewesen. Im kommenden April wird man die Sängerin als Verdis Desdemona erleben. Das Beethoven-Solo gestaltete sie souverän, auch wenn das Spitzen-H nicht ganz frei geriet. (Christoph Zimmermann)