Echolot der Seele

Morcheeba liefert eine packende Bühnenshow in Köln

Anmut und Eleganz: Skye Edwards von Morcheeba.

Anmut und Eleganz: Skye Edwards von Morcheeba.

Köln. Morcheeba lieferte bei ihrem Konzert in der Kölner Live Music Hall eine packende Bühnenshow. Die Setlist umfasste 13 Stücke und zwei Zugaben, zusammen mit den sparsamen Ansagen der Frontfrau machte das gute anderthalb Stunden.

Sie ist auch nur eine ganz normale Frau. Die heilfroh ist, wenn sie nach einem anstrengenden Job endlich die hohen Hacken in die Ecke schmeißen kann. „Ich habe meine Schuhe ausgezogen“, sagt Skye Edwards um kurz vor 22.30 Uhr, als sie für die Zugaben auf die Bühne zurückkehrt. Und streckt zum Beweis das linke Bein so hoch nach oben, dass sogar die Fans ganz hinten in der Live Music Hall sehen können, dass die jetzt befreiten Zehen der Britin nicht länger leiden müssen. Das erleichtert auch das (weibliche) Publikum.

Denn bis dahin war man beinahe versucht, die Frontfrau von Morcheeba für ein überirdisches Wesen zu halten. So, wie sie da stand, als schlanke Silhouette mit gebauschtem Rock, den schwarzen Zylinder tief ins Gesicht gezogen, die Arme beschwörend erhoben im Zentrum eines Sterns aus gleißend weißen Strahlen. So, wie sie sich bewegt hat, mit fließenden, weichen Bewegungen, ein Bild wie aus einem Traum, voller Anmut und Eleganz. Und so, wie sie gesungen hat, mit dieser delikaten, schwebenden Stimme, silbrig schimmernd, Sehnsüchte weckend und wissend zugleich. Ein Echolot der Seele.

Nur locker gefüllte Halle

Der große Hype um die Band, die 1995 in London gegründet wurde, um dann zeitweilig mit anderen Sängerinnen zu arbeiten, ehe Edwards 2010 wieder mit im Boot war, ist vorbei. Daran ändert auch das neue Album „Blaze Away“ nichts, das im Sommer 2018 erschien. Entsprechend locker ist die Live Music Hall gefüllt. Schade für die Künstler. Aber gut fürs Publikum, das sich so über eine gute Sicht auf die Bühne freuen kann. Bei vollem Haus dagegen hat man Mühe mit dem Durchblick: Nur wer ganz vorne steht oder zu den hochgewachsenen Menschen zählt, kann dann auch optisch in der Halle etwas live erleben.

Die Setlist umfasst 13 Stücke und zwei Zugaben, zusammen mit den sparsamen Ansagen der Frontfrau macht das gute anderthalb Stunden. Für das hingerissene Publikum ist das deutlich zu wenig. Nur zu gerne lässt es sich von Morcheeba in Zustände versetzen, die so tiefenentspannt sind, dass sie an Trance grenzen. In den psychedelischen Kopfkosmos hinein tropfen Beeps und Loops und Whirls wie Botschaften aus fernen Galaxien. Aber es gibt auch Kontrapunkte. Etwa das sirrend-sägende „Part of the Process“ oder das muntere Titelstück „Blaze Away“ mit seinem dynamischen Sprechgesang oder eine Cover-Version von David Bowies „Let's Dance“, die so sehr mitreißt, dass es der Aufforderung „Packt eure Tanzschuhe aus!“ mit der Frage „Are you ready?“ nicht erst bedurft hätte.

„Slow Down“, ganz im Dunkel, vor Gitterstäben aus rotem Licht, mit blinkend roten Bändern an Edwards Armen, die sich schlangengleich winden, ist ganz großes Kino. „Blindfold“ mündet in eine a- cappella-Version, die vom Publikum mühelos aufgenommen wird. So perfekt, dass es eine Wiederholung gibt. „Rome Wasn’t Built in a Day“ beendet als zweite Zugabe den fast rundum gelungenen Konzertabend.