Videodays in Köln

"Merken Sie sich diesen Tag!"

Die Fangemeinde ist offenbar begeistert: Sie bejubelt ihre Youtube-Stars bei den Videodays in der Kölner Lanxess-Arena. Und natürlich werden die Idole mit dem Smartphone gefilmt.

KÖLN. Die Videodays in Köln beschwören das Fernsehen der Zukunft und sorgen mit 15.000 Fans für einen Besucherrekord.

Wer hätte das gedacht: Das Megafon, einst mobiler Verstärker bei politischen Demonstrationen, leistet auch in Zeiten der digitalen Revolution gute Dienste. Und multipliziert die Parolen einer ganz neuen Jugendbewegung. Christoph Krachten, Veranstalter der Videodays in der Kölner Lanxess-Arena, erscheint mit dem rustikalen Sprachrohr bei der Pressekonferenz im Künstlerbereich der Halle. "Es zeichnet sich ein radikaler Medienwandel ab", knarzt Krachten durch den Trichter. Und, fast beschwörend: "Merken Sie sich diesen Tag!"

Was es zu bemerken gilt, sind zunächst Zahlen: 2010 trafen sich ein paar Videomacher der Youtube-Generation mit 400 Gleichgesinnten im Rahmen der Gamescom zum Gedankenaustausch. Ein Jahr später zählte man 2000 Besucher. 2012 waren es 4000, dann 10.000 und jetzt 15 000 Akteure, Fans und Branchenvertreter. "Und das war erst der Anfang", sagt Krachten. Was macht den Mann so zuversichtlich?

Als Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Mediakraft Networks vertritt Krachten einige Superstars der Szene, darunter die Trios Y-Titty und ApeCrime, die regelmäßig Videos produzieren und ins Netz stellen. Die "Einschaltquoten" auf Youtube sind exorbitant: Y-Titty etwa verzeichnet rund drei Millionen Abonnenten und bislang mehr als 600 Millionen Einzelabrufe von Videos.

"Solche Zahlen machen den alten Medien natürlich Angst", sagen Rick und Steve, die als SpaceFrogs regelmäßig eine Million junge Abonnenten mit humorvollen Videos über die Tücken des Alltags versorgen. Die alten Medien, das sind öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender, deren Programme von den Machern und Nutzern der Online-Kanäle als Einbahnstraße empfunden werden. Wirklich interaktiv sei nur die Online-Version von Fernsehen. "Unsere Zielgruppe hat sich von den klassischen Medien weitestgehend abgewandt", vermerken die Veranstalter der Videodays. "Die Leute machen sich ihr Programm selber", sagt Mediakraft-Sprecher Moritz Meyer (33).

Selbstbewusst analysieren auch viele Künstler beim Kölner Treff die Gründe ihres Erfolges: Sie seien, nicht zuletzt aufgrund ihres Alters, Teil der eigenen Zielgruppe. Man kennt die Themen der Fans, weil es die eigenen sind. Der Berliner LeFloid, Jahrgang 1987, setzt sich in seinen Videos gern mit politischen Themen auseinander und erreicht damit mehr Menschen als die "Tagesschau". Er sei sich dieser Verantwortung bewusst, sagt er im Gespräch mit dem General-Anzeiger - und geht auf seinem Kanal keiner Debatte mit Fans aus dem Weg.

Die Interaktion mit Fans ist das große Thema bei den Videodays. Bei Autogrammstunden bilden sich elend lange Schlangen. Beliebt sind Selfies mit Superstars. Gelegentlich kommt Frust auf, wenn Fans vier Stunden anstehen. Die Kölnerin Joyce wagt deshalb ein Bad in der Menge, die ihr alles abverlangt. "Die Videodays sind cool", sagt ihr Kollege LeFloid, "aber auch anstrengend". Die Kreisch-Attacken der Teenager irritieren nicht nur ihn.

Das Finale feierten die 15 000 Fans mit ihren Lieblingen bei zwei Bühnenshows. Dabei setzte auch die Bonner Telekom eine Duftmarke: Der Konzern hatte den amerikanischen Youtube-Star Megan Nicole zum Programm beigesteuert. Die Sängerin trug ein Cocktailkleid in Weiß - und Magenta. Und wie geht es weiter? Mit einer Expansion. "2015 werden die Videodays in Köln und zusätzlich in Berlin stattfinden", verkündet Veranstalter Christoph Krachten.