Kölner Philharmonie

Max Raabe und sein Palastorchester gastierten vor vollem Haus

Staatlich geprüfter Opernsänger: Max Raabe in Köln.

Köln. Frau müsste man sein. Frauen "wissen, wo die Schlüssel liegen, wo sie günstig Schuhe kriegen, haben immer Überraschungen im Schrank, sind Schöffen beim Sozialgericht, kennen ihr Idealgewicht" und "obwohl sie immer frier'n, sind sie kaum krank".

Auch Geld überweisen, Kühlschrank enteisen, Aktien verkaufen, Marathon laufen, Taxis ranwinken, im Dunkeln schminken und zeitgleich Mails verschicken, stellt den weiblichen Teil der Bevölkerung kaum vor nennenswerte Herausforderungen.

Nicht ganz so multitaskingfähig, aber fast, konnte man Max Raabe und sein Palastorchester am Mittwochabend in der Kölner Philharmonie erleben. Natürlich ist die gute Konzertstube wieder rappelvoll. Der als Matthias Otto 1962 in Lünen geborene Bariton und seine zwölf Musiker sind Selbstläufer. Und, wie immer, absolut hinreißend.

Vorausgesetzt man mag Musik der 1920er und 1930er-Jahre, Raabes Art, stets korrekt gekleidet, ein wenig dekadent in der Anmutung und das "r" theatralisch rollend aufzutreten, und das Gefühl, in der falschen Zeit geboren zu sein. Einmal kurz Augen zugemacht bei Raabe und Co - schon würde man sich nicht wundern, wenn Claire Waldoff in der Pause mal eben auf einen Drink vorbeischaut.

Mit "Für Frauen ist das kein Problem" hat der staatlich geprüfte Opernsänger sein zweites zusammen mit Annette Humpe (Ideal) produziertes Album im Gepäck. Schon das erste ("Küssen kann man nicht alleine") war ein echter Knaller.

Bei allem Konservatismus (und der dazu gehörenden Wohlerzogenheit, die, in diesem Fall, gepaart ist mit einer Neigung zu mokanten Kommentaren) verzichtet Raabe darauf, den 140-minütigen Abend zu einer Promo-Veranstaltung zu machen.

Statt nur um die neueste Scheibe zu kreisen oder verdorrte Lorbeeren frisch zu begrünen, präsentiert der eloquente Blondschopf ein Potpourri aus deutschen, englischen und italienischen Perlen.

Stilistisch deckt er damit Tango, Rumba und Paso doble ab, und auch der "Gute Mond", der so stille geht, kommt a cappella, zusammen mit Trompeter Thomas Huder und Saxofonist Rainer Fox, zu besinnlichen Ehren. Nicht nur Frauen haben damit kein Problem, sondern auch das Publikum. Für das Programm gab es in der Philharmonie stehende Ovationen.