Roman "Palermo"

Kölns Ex-Opernchef Uwe Eric Laufenberg rechnet ab

Der Ex-Intendant als Romanautor: Uwe Eric Laufenberg.

Rechtzeitig vor Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers wirft ein Außenseiter seinen Hut in den Ring: Kölns ehemaliger Opernchef Uwe Eric Laufenberg legt in einem Nischenverlag seinen Schlüssel(loch)roman "Palermo" als E-Book vor.

Einer gegen (fast) alle lautet das Motto, wenn sich der in Köln erst Umjubelte, dann Geschasste nun als Tommaso Moncorrente inszeniert. Klar, Köln ist Palermo, Tommaso der faustische Künstler unter lauter korrupten Kompromisslern.

Als da wären: Giorgio Grigio (Ex-Kulturdezernent Georg Quander) in "Palermo" stets auf Bühnenjobs scharf und im Amt schlapp, Ex-OB Totó Fusco (Fritz Schramma) sowie Nachfolger Renato Taciti (Jürgen Roters), hier eine Marionette an den Fäden von Silvio Benito (Martin Börschel), der nebenbei auch "der Putin von Palermo" gebannt wird.

Alfredo Castel del Monte heißt der mächtigste Verleger Palermos, Marco Rizzi der Generalmusikdirektor und Bibiana Cacciatori ("offenbar hatte sie eine Art Freibrief für alles, was sie tat") ist unschwer als Laufenbergs Lieblingsfeindin Karin Beier zu erkennen. Ob Bibiana mal eine Affäre mit Piero Bossi (Ex-Bühnen-Manager Peter F. Raddatz) hatte?

"Wahrscheinlich war es nur ein Gerücht", sichert sich Tommaso nach der gestreuten Gemeinheit ab. Dafür ertappt er Bossi durchs Bürofenster bei einer heftigen Umarmung mit einer Sängerin und hängt auch Nachfolger Franco Scheletrino erotische Eskapaden an. Die Masken aller Beteiligten sind auf sofortige Durchschaubarkeit gearbeitet, denn hier geht es nicht um Literatur, sondern um Rache.

Wobei Bibiana als Zielscheibe ernsthafte Konkurrenz erwächst: Silvia Rossi tauft Laufenberg seine Nachfolgerin Birgit Meyer, mit der Tommaso eine eher unerwiderte Jugendliebe verband, die später in Hass umschlägt: "Vor allem war ja mehr oder weniger bekannt, dass Silvias Ehrgeiz größer war als ihre Sachkenntnis oder ihr Arbeitseifer."

Zeichnet er Silvia als hemmungslose Karrieristin, so ist Tommaso der stets um höchste Kunst Bemühte, dessen einzige Schwäche sein vulkanisches Temperament ist. Als Beobachter des langen Opernkriegs (der Autor dieses Artikel kommt als Gigi Duri von der "L'Eco palermitano" ebenfalls vor) weiß man, dass die politischen Ränkespiele um Neubau oder Bühnensanierung, um Etats und Interimsspielstätten keineswegs erfunden sind.

Und Laufenberg war darin nicht selten Opfer. Doch mit diesem "Roman", der eskalierende Abendessen ebenso ausplaudert wie Eklats hinter verschlossenen Türen, tut sich der Jähzornige erneut keinen Gefallen. Verleumdungsklagen dürfte er dank der "fiktiven" Gestalten entgehen, das erbarmungslose, einseitige Nachkarten aber fällt peinlich auf den Autor zurück.

Letzterer streut zwar ein paar Kindheitserinnerungen (der chaotisch-geniale Bankrotteurs-Vater, das Opernschlüsselerlebnis mit "Hänsel und Gretel") sowie eine Mini-Ehekrise ein. Doch geht ihm im endlosen Ödland nacherzählter Sitzungen und Intrigen rasch der Esprit aus.

Auf der Verlags-Website nach dem Reiz des "verschlüsselten" Personals gefragt, meint er: "Das bringt vielleicht kurzzeitig ein gewisses Vergnügen, aber verpufft nach kurzer Zeit total. Und dann bleibt der Text, entweder ist er gut, oder er ist nicht so gut. Und das wird seine Lebensdauer bestimmen." Stimmt. Und leider übersteigt Laufenbergs literarisches Talent seine diplomatischen Qualitäten keineswegs.

Uwe Eric Laufenberg: Palermo. Roman, Strauss Medien & Edition. Ab 22.8. als E-Book für 4,99 bei allen gängigen Portalen, danach (ebenfalls als E-Book) für 9,99 Euro.