Art Fair in Köln

Kölner Messe feiert mit Kitsch und Kunst Jubiläum

Bunte Vielfalt: Blick in den Stand von Cerny + Partner.

KÖLN. "Ich komm in das Staunen gar nicht mehr rein", beklagt der Künstler Bronko auf einem Bild am Stand der Galerie "Die Kunstagentin" aus Köln. Als er das malte, hatte er den Gang über die Kunstmesse Art Fair und Blooom im Kölner Staatenhaus am Rheinpark offensichtlich noch vor sich.

Zu staunen gibt es auf den zu bespielenden 16.000 Quadratmetern im mächtigen Halbrund der Messehalle allerhand. Eine Schau ohne Geschmacksgrenzen, nach unten offen sozusagen, und oben mit interessanten Pflänzchen und echten Perlen gesegnet. Wobei nicht die Etagen gemeint sind.

In der quirligen Art Fair geht es im besten Sinn des Wortes drunter und drüber, hier die Kunst-Geisterbahn, dort das Experimentierlabor und die Entdecker-Bude.

In ihrem zehnten Jahr hat sich die kleine Kölner Kunstmesse fest etabliert, besetzt eine Nische, in der junge und noch nicht breit abgesegnete Kunst provoziert und ausprobiert, Galerien aus der zweiten bis fünften Reihe ihre Chance für einen publikumswirksamen Auftritt bekommen und Einsteiger in den Sammlermarkt gute Angebote finden.

Seit drei Jahren beherbergt die Art Fair darüber hinaus den Kunstwettbewerb Blooom-Award und etliche Kollateral-Events, die klassische Kunst mit Design, Aktionen und Prozessen in eine Beziehung setzen. Durch die Blooom-Mall mit Mode- und Möbeldesign aus Köln sollte man unbedingt flanieren. Überhaupt: In Köln-Deutz kann man sich bis zum Sonntag auf eine lange Kunstparty freuen.

Sucht man nach Trends, fällt sofort der opulente Bereich der Fotografie und der realistischen Malerei inklusive Pop-Art-Ausläufer auf. Kitsch und Erotisch-Schwüles ist gut dabei, es darf auch gern etwas gruselig zugehen und frivol Trashiges ist auch im Angebot.

Einen riesigen Kopf des Holfernes, der gerade von Judith Saures bekommt, hat Jorge Villalba geschaffen. Marc Fomm zeigt bei Heitsch eine in Lindenholz geschnitzte Proll-Familie am Imbissstand. Bei Continuum aus Königswinter gibt's Erotisches und Glaskunst.

Große Namen haben auf der Art Fair auch ihren Auftritt: Baselitz und Richter, Chamberlain und Christo, Warhol, Lichtenstein - und Burkhard Driest. Letzterer, eher als Bürgerschreck und Skandalnudel bekannt, malt nun auch. Die Galerie Glotz zeigt ihn, Bodo Hombach hat im Katalog geschrieben.

Preislich ist für jeden etwas im Programm, am besten am Baumgärtel-Kiosk: Der Bananen-Sprayer offeriert gelbe Früchte "von vier Euro bis fünfstellig", wahlweise zur Finanzkrise oder zum Thema Kirche.

Ganz neu: "Harald Schmidt" mit der Bananenstil-Schablone gesprüht. Ein Beitrag zum "Bananenpointillismus" (Baumgärtel). Zwischen Warhols Beuys-Siebdruck (28.000 Euro) bis zu einem wunderbaren, 30 mal 46 Zentimeter messenden abstrakten Fuji-Bild Gerhard Richters von 1996 (250.000 Euro) ist für potenzielle Sammler viel Luft.

Die werden viel Spaß haben etwa auf dem Stand der Galerie Terminus mit exzellenten Baselitz-Bildern; bei Born aus Berlin mit Werken von Martin Assig bis Strawalde; bei Sassen mit einem sechsfach gestückelten Breitwandformat von Marc Kirschvink oder bei der herausragenden Malerei-Ausstellung bei der Galerie Kunstraum 21 (Tinka von Hasselbach, Petra Siering, Achim Duchow und Imi Knoebel). Mit von der Partie Babak Saed mit Bandwurmsätzen wie "ICHERINNEREMICH NICHT".

Art Fair, Staatenhaus am Rheinpark in Köln; bis 4. November Do-Sa 12-20, So 11-19 Uhr. Tageskarte 10 Euro.