Programm in der Philharmonie

John Cleese bringt schwarzen Humor nach Köln

Ein kleiner Stehtisch, ein Barhocker – viel mehr braucht John Cleese nicht für einen klugen und witzigen Abend.

Ein kleiner Stehtisch, ein Barhocker – viel mehr braucht John Cleese nicht für einen klugen und witzigen Abend.

KÖLN. Mit seinem Programm „Last chance to see me before I die“ bereitet John Cleese in der Philharmonie einen klugen und witzigen Abend, der tatsächlich unser letzter mit ihm sein soll.

13,6 Millionen Euro. Ein guter Grund, noch mal die Ochsentour zu machen. Seit der Scheidung von seiner dritten Frau entschuldigt John Cleese alles, was er tut, mit der horrenden Abfindung, zu der er verdonnert wurde. Unmittelbar nach dem Urteil hat er sogar eine eigene „Alimente-Show“ auf die Beine gestellt, und auch sein Kölner Abend beginnt ganz lapidar mit einem Foto von seiner Ex, Alyce Faye Eichelberger, das nächste zeigt in Großaufnahme weibliche Hände, die ein Bündel Scheine aus einem Geldautomaten zerren.

Doch da ist jetzt noch eine andere Zahl: 78. So alt ist John Cleese, und so müssen wir den Aufruf „Die letzte Chance mich lebend zu sehen“ tatsächlich ernst nehmen. Was überhaupt ein ganz guter Weg ist, sich diesem Mann zu nähern: erst mal herzhaft lachen, und sich dann darüber wundern, was um alles in der Welt daran gerade lustig war.

Zwei britische Offiziere auf einem Pier, der eine tanzt und haut dem anderen ein paar Makrelen um die Ohren. Da zieht der andere ganz ruhig einen ganzen Lachs aus seiner Jacke und katapultiert sein Gegenüber mit einem einzigen Schlag in die Tiefe. Dort verschluckt ihn ein Fisch mit einem Hakenkreuz auf der Flanke.

Als sie angefangen haben mit Monty Python’s Flying Circus, so erinnert sich Cleese, haben sie das selbst nicht verstanden. Völlig überraschend gab ihnen ein BBC-Produzent grünes Licht für 13 Folgen. Keiner von seinen Kollegen habe gewusst, was sie überhaupt anstellen wollten – es gab nichts außer dieser großen Freiheit. Und genau das sei der Grund, warum Monty Python die Komik revolutionieren konnte. Sie hätten einfach ohne Vorgaben die beklopptesten Sachen ausprobiert, und wenn einer dann irgendwann darüber gelacht habe, hätten sie’s genommen.

Cleese lacht über Stotterer

John Cleese anno 2018: Das ist ein weiser Erzähler und Erklärer. Er macht unmögliche Witze über Menschen und Tiere, die wir bemitleiden sollten. Legendär die drei Yorkshire-Terrier aus „Ein Fisch namens Wanda“, die bei Anschlagsversuchen auf eine Greisin als Kollateralschaden auf der Strecke bleiben. Cleese lacht über Stotterer, alte Menschen (sich) und alle möglichen Minderheiten. Er überlege, einen Antrag zu schreiben zur Rehabilitierung rassistischer Witze.

Zwei Mexikaner rudern verzweifelt in einem Boot Richtung USA. Die Grenzpolizei stoppt sie, die Mexikaner sagen, es ging um eine Invasion der USA. Zu zweit? Nein, wir sind bloß die letzten, die anderen sind schon alle da.

Minderheiten, so Cleese, hätten ein Recht darauf, dass man sich über sie lustig mache. Sie zu verschonen von schwarzer Komik hieße, sie zu bevormunden. Wenn man lacht über Menschen in Not, über die, die es schwer haben, über all das, worüber man nicht lachen sollte („Was ist schwarz-weiß und kriecht am Boden? Eine verwundete Nonne.“) und diese Menschen dennoch irgendwie alle mag, weil man die Menschheit mag, dann ist schwarzer Humor einfach ein Ventil, aus dem all die Energie entweicht, die sich in uns aufstaut, weil wir immer alles allen recht machen wollen. Platzt dann mal die Bombe (so wie der grotesk dicke Typ im Restaurant, der nach stundelanger Völlerei vom letzten After-Eight zerfetzt wird), dann können wir unbeschwert weitermachen mit diesem unglaublichen Leben.

Ein kleiner Stehtisch, ein Barhocker, ein paar Videos, mehr braucht John Cleese nicht für diesen so klugen und witzigen Abend, der tatsächlich unser letzter mit ihm sein soll. „Last chance to see me before I die.“ Es ist zum Heulen.