Schauspielabend im Depot 1

Inszenierung von "Die Weber" kann in Köln nicht überzeugen

Auf dem Bild sehen Sie (v. l. n. r.): Ensemble (hinten), Nikolaus Benda (vorne).

Auf dem Bild sehen Sie (v. l. n. r.): Ensemble (hinten), Nikolaus Benda (vorne).

Köln. Regisseur Armin Petras inszeniert "Die Weber" im Kölner Depot 1. Er verlagert die Geschichte in die Gegenwart und versucht einen aktuellen Bezug zur Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland herzustellen.

Da steht es nun im Schlussapplaus, das 19-köpfige Ensemble, und sieht aus, als habe Kostümbildnerin Patricia Talacko „Die Weber“ im Schlussverkauf bei Kik oder Primark eingekleidet: lumpige Fähnchen, T-Shirts mit mehr oder minder pfiffigen Aufdrucken. Das alles schreit billig, schäbig, abgeranzt. Wenn Regisseur Armin Petras die Produktionsbedingungen dieser Massenware in Ländern wie Bangladesch kritisieren wollte, ist ihm so das stärkste Bild dieses langen, an einigen Stellen viel zu langen Abends im Depot 1 des Schauspiels gelungen.

Gerhart Hauptmann erzählt im Drama von 1892 die Geschichte der gescheiterten Weber-Aufstände von 1844. Weil sie für ihre in Heimarbeit hergestellten Webstücke immer schlechter bezahlt und Hunger und Elend immer größer werden, regt sich Widerstand. Angeführt von zwei jungen Heißspornen (Nikolaus Benda und Thomas Brandt) wird schließlich der Fabrikbesitzer Dreißiger verjagt, seine Villa in Schutt und Asche gelegt und sein Adlatus (Guido Lambrecht) ermordet. Der Aufruhr breitet sich auch über andere Dörfer aus, trifft schließlich im alten Hilse (Miguel Abrantes Ostrowski) auf einen Mahner, der sich dem Protest nicht anschließen will. Während er brav weiterarbeitet, stirbt er durch den Fehlschuss aus einem Gewehr der Soldaten, die den Aufstand niederschlagen.

Webstuhl in der Schräglage

Hauptmann erfand für das Stück ein „Kunst-Schlesisch“, das Petras aber nur bedingt verwendet – was das Verständnis arg erleichtert. Mit zusätzlichen improvisierten Texten versucht er „Die Weber“ in der Gegenwart zu verorten. Optischer Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung ist der von Bühnenbildner Olaf Altmann geschaffene überdimensionale Webstuhl. Meterhoch hat Altmann zwischen zwei Säulen elastische Seile gespannt, als Raumteiler zwischen vorderer und hinterer Bühne, zwischen Arm und Reich. Im Laufe des Abends lässt Petras seine Schauspieler das wacklige Konstrukt erklimmen, für Momente, die zwischen Waghalsigkeit und Slapstick schweben. Zur Pause hin senkt sich der Webstuhl in eine Schräglage, um zum Finale in der Waagerechten die toten Weber unter sich zu begraben. Ein schlichtes, aber packendes Konzept von Altmann, der schon etwa in Stefan Bachmanns „Hamlet“ oder „Peer Gynt“ gezeigt hat, dass weniger meist mehr ist. Darauf verlässt sich Petras nicht.

Das beginnt beim in einer Ecke platzierten Livemusiker, der den optischen Gesamteindruck trübt, und endet mit dem Müll, der vom Häusersturm der Weber übrigbleibt – zerbrochenes Mobiliar, zerdeppertes Geschirr, zerrissene Kissen, deren fedriger Inhalt die Bühne bedeckt. Immer wieder beschleicht einen der Verdacht, dass hier vordergründiger, überdrehter Aktionismus betrieben wird. Wie etwa die „lebenden Bilder“, in denen Delacroix' „Die Freiheit führt das Volk“, das Bed-In von John Lennon und Yoko Ono oder Pussy Riot-Proteste nachgestellt werden. Das Elend der Weber geht trotz allen Blutvergießens nicht unter die Haut. Und der Bezug zur in Deutschland immer weiter aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich, die Petras im Vorfeld angeführt hatte, will sich nicht herstellen. Aber vielleicht verbessert Petras ja die Arbeitsbedingungen der Bühnenarbeiter des Schauspiels, in dem er nach jeder Vorstellung beim Saubermachen selber den Besen schwingt.

190 Minuten (inkl. Pause). Die Weber von Gerhart Hauptmann, Regie: Armin Petras, Bühne: Olaf Altmann, Kostüme: Patricia Talacko Musik: Kornelius Heidebrecht, Choreografie: Denis Kooné Kuhnert, Dramaturgie: Sibylle Dudek, Foto: Krafft Angerer, Kontakt des Fotografen: ka@krafft-angerer.de Premiere am 02. Februar 2018 | Depot 1

Nächste Termine: 6.2., 17.2. 18.2., und 25.2.