Joe Jackson im Kölner Tanzbrunnen

Hommage an den Duke

Mehr als 30 Jahre im Geschäft: Joe Jackson begeistert im Kölner Theater am Tanzbrunnen.

KÖLN. Wenn Joe Jackson die Bühne des Theaters am Tanzbrunnen betritt und sich ohne große Umschweife daran macht, "It Don't Mean a Thing (If It Ain't Got That Swing)" seine eigene Prägung zu verleihen, weiß man plötzlich wieder ganz genau, warum der Brite aus Burton-upon-Trent seit mehr als 30 Jahren im Geschäft ist.

Der 58-Jährige ist nimmermüde, sich und seine Musik neu zu erfinden. Sein neuester Coup ist eine Hommage an Edward Kennedy Ellington (1899-1974), besser bekannt als der Duke. Auf dem gleichnamigen, Ende Juni veröffentlichten Album (The Duke) hat Jackson 15 Klassiker des großen amerikanischen Jazzers zu zehn Stücken verdichtet.

"Ich verehre den Duke, aber ich wollte kein ehrfürchtiges Album machen", kommentiert er seine jüngste Produktion, "Ellington fand seine eigenen Arrangements nicht heilig, er hat sie ständig überarbeitet, bisweilen ziemlich radikal. Ich gehe also davon aus, dass mein Ansatz in seinem Sinne ist."

Gleichzeitig hat Jackson die Band, die ihn seit langen Jahren begleitet, zu einer "Bigger Band" aufgestockt. Jesse Murphy (Bass, Gesang, Tuba), Nate Smith (Schlagzeug) und Adam Rogers (Gitarre) werden von Regina Carter (Violine), Sue Hadjapoulos (Percussion) und Allison Cornell (Gesang, Piano) verstärkt. Erst nach und nach versammeln sich alle Musiker auf der Bühne, um ihre Plätze einzunehmen.

600 Fans sind zu Recht rundweg begeistert, denn sie erleben an diesem Abend einen blendend gelaunten Jackson und eine großartige Band. Der sonst sehr heikle Künstler wirkt wie verwandelt, nur kurz beklagt er sich übers Scheinwerferlicht, das ihn blendet, um anschließend fast zwei Stunden lang eine perfekte Mischung aus seinen eigenen, frisch und teilweise sehr funkig umarrangierten Hits und den neuen alten Duke-Stücken zu bieten.

 Dass bis auf die Tuba kein Blech zum Einsatz kommt, ist kein Manko, denn die großartige Regina Carter übernimmt mit ihrem Instrument souverän den Part der Solo-Trompete und Gitarrist Adam Rogers lässt so manche Posaune ziemlich blutleer klingen.

Zu den Höhepunkten des Abends zählt die Jackson-Version von "Caravan", die den gemächlichen Zug der Wüstenschiffe in einen Starlight Express verwandelt. Den Vokalpart übernimmt dabei, mit verführerischer Odaliskenstimme, Allison Cornell. Mit Leichtigkeit überbrückt Jackson sechs Dekaden und springt von der Cotton-Club-Seligkeit der späten 1920er-Jahre ("The Mooche") zum urbanen Tag-und-Nacht-Fieber Anfang der 1980er ("Target").

Mit dem unverzichtbaren "Steppin'Out" folgt die Hymne all derer, die nimmermüde sind, aufzubrechen und einen Neuanfang zu wagen: "We're tired of all the darkness in our lives." Zu diesem Zeitpunkt hält es im Tanzbrunnentheater niemand mehr auf den Plätzen, das Publikum tanzt und jubelt.

Für soviel Enthusiasmus bedankt sich Jackson mit drei Zugaben, wobei "Is She Really Going Out With Him" nicht fehlen darf.