Blumenkindern und Afroamerikanern

Fotografien im Kölner Museum Ludwig

KÖLN. Das Kölner Museum Ludwig zeigt Fotografien, die das Künstlerpaar Ruth-Marion Baruch und Pirkle Jones während der 60er Jahre machte.

Der Kalte Krieg und Senator McCarthys Kommunistenhatz hatten gewissermaßen die Lunte gelegt. Dann folgten 1962 die Rassenkrawalle von Watts, und als am 21. Februar 1965 der farbige Bürgerrechtsrebell Malcolm X in New York erschossen wurde, explodierte Amerika. Wobei als Brandbeschleuniger der immer heftiger abgelehnte Vietnamkrieg dazukam.

Nun zeigt das Museum Ludwig im neuen Fotoraum im zweiten Stock jene Bilderzyklen des Künstlerpaars Ruth-Marion Baruch und Pirkle Jones, die das Reizklima der 60er Jahre spiegeln. Die 52 Fotografien wurden schon 2013 von der Pirkle Jones Foundation geschenkt und sind jetzt erstmals komplett ausgestellt.

„Black Power – Flower Power“ heißt die Schau: hier wehrhafte Afroamerikaner, dort wundermilde Blumenkinder – und beide Milieus werden sorgsam ausgeleuchtet. Auf knatternder Fahne fletscht das Wappentier jener Bewegung die Zähne, die Bobby Seale und Huey P. Newton im Oktober 1966 gegründet hatten: die Black Panther Party. Deren Zehn-Punkte-Programm fordert vom Ende rassistischer Polizeigewalt bis zu Bildungsreformen einen Umbau der Gesellschaft.

Schlüsselszenen werden vermisst

Doch schon ein Jahr später haben die ultralinken Rebellen andere Sorgen: Newton wird nach einer Schießerei mit der Polizei von Oakland verhaftet, und beide Seiten schlachten den blutigen Showdown (ein toter Polizist, Newton schwer verletzt) dankbar aus: Für das weiße Amerika ist so die Brutalität der Panther ebenso bewiesen, wie sich jene im bewaffneten Kampf gegen Staatswillkür bestätigt fühlen.

Die Fotografien zeigen viele Impressionen der folgenden „Free Huey“-Bewegung. Da wird bei Mahnwachen die paramilitärische Stilisierung der Panther mit Lederjacke und Barett ebenso deutlich wie das im Widerstand wachsende Selbstbewusstsein der Schwarzen. Die junge Frau mit dem Gewehr, die Gruppe mit Schäferhund oder der grimmig dreinblickende Bobby Seale verraten auch nervöse Wachsamkeit und die latente Spannung, unter der die Aufbegehrenden stehen. Spektakuläre Schlüsselszenen sucht man vergebens, spürt aber sehr genau die Stimmung jener Gärungsjahre.

Hippies faszinierten

Für diesen zwar empathisch getönten, gleichwohl präzis beobachtenden Blick waren beide Lichtbildner prädestiniert: Baruch (1922-1997) musste mit ihrer Familie vor den Nazis 1927 aus Berlin nach New York fliehen, Jones (1914-2009) war in Indiana und Louisiana Zeuge von rassistischen Übergriffen geworden. Beide lernten sich 1946 an der California School of Fine Arts in der Fotografieklasse von Ansel Adams kennen.

Und sie ließen sich 20 Jahre später von der pazifistischen Gegenkultur der Hippies faszinieren. Die Serien aus San Franciscos Stadtteil Haight-Ashbury oder von der Hausbootkolonie in Sausalito wirken denn auch sehr viel entspannter als die Eindrücke aus dem Panther-Milieu: eine verrückte „Mud Wedding“ (Schlammhochzeit), Hare-Krishna-Tänzchen im Park, barfüßige Blumenmädchen oder lässige Bikerinnen, die sich allesamt arglos ablichten lassen.

Und manchmal hockt ein Reiher oder Papagei auf den Schultern der Aussteiger, die dann tatsächlich verdammt weit weg von Leistungs- und Konkurrenzdenken sind.

Ab Samstag bis 3. Juni, Di bis So und an Feiertagen 10 - 18 Uhr geöffnet. Jeden ersten Do im Monat: 10–22 Uhr. Weiberfastnacht und Rosenmontag geschlossen. Zur Ausstellung hat das Museum eine Spotify-Playlist (www.goo.gl/UYFvyP) eingerichtet, so dass man das visuelle Erlebnis um die Hits der Zeit ergänzen kann.