Geburtstagskonzert von Concerto Köln

Erinnerung an den großen Farinelli

Schmelzender Gesang: Valer Sabadus in Köln. FOTO: THOMAS BRILL

Schmelzender Gesang: Valer Sabadus in Köln.

21.12.2015 Köln. "Frisch wie am ersten Tag". Mit diesen Worten könnte man umschreiben, was die Wirkung des vor dreißig Jahren gegründeten Concerto Köln ausmacht. Die Entstehungsgeschichte scheint nicht bis ins letzte Detail erhellt, aber über die künstlerische Bilanz dürfte Eindeutigkeit bestehen.

Concerto Köln gehört zu den besten Klangkörpern im Bereich der Alten Musik (auf diese zwar konzentriert, aber nicht beschränkt) und hat sich trotz einer Vielzahl hinzu gekommener Ensembles mit gleichem oder ähnlichem Repertoire an der Spitze halten können.

Dass beim Geburtstagskonzert in der Philharmonie auch Valer Sabadus mitwirkte, gibt Anlass, Ähnliches im Bereich der Countertenöre zu resümieren. Ebenfalls vor rund dreißig Jahren machte Jochen Kowalski dieses Fach in Deutschland neu bekannt. Inzwischen sind die einschlägigen Sänger nahezu Legion, was für Newcomers nicht eben einladend ist. Valer Sabadus indes klettert unaufhaltsam die Karriereleiter hinauf. Möglicherweise war der heftig umjubelte Kölner Abend eine Station von Bedeutung.

Auf diesen Sänger bzw. seinen historischen Vorgänger Carlo Broschi genannt Farinelli, war das Programm zugeschnitten. Valer Sabadus besitzt eine zum Sopran tendierende Counterstimme, etwas fülliger als die seines Fachkollegen Philippe Jaroussky, mit dem er demnächst mal wieder gemeinsam konzertiert. Aber seinem Schmeicheltimbre eignet schon etwas Weibliches, selbst wenn er bei den vorgetragenen Arien häufiger in seine baritonale Naturstimme auswich. Die Interpretationen wirkten somit einigermaßen seraphisch, dabei voll im Ton. Garniert wurde dieser schmelzende Gesang von vielerlei Koloraturgirlanden und waghalsigen Sprüngen. In der aus Farinellis Feder stammenden, rund viertelstündigen Szene "In van ti chiamo" bekam bei solch reichem Ausdrucksspektrum praktisch ein ganzes Menschenleben signifikante vokale Gestalt. Berechtigte Ovationen.

Vehementer Beifall auch für das von Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki angeführte Concerto Köln. Seine nervigen, scharf blitzenden Interpretationen, galten - der Farinelli-Biografie geschuldet - fast alle spanischen Werken des 18. Jahrhunderts. Der Vorpausenteil wirkte trotz belebender Kastagnetten kompositorisch insgesamt etwas dröge, die zweite Hälfte des Konzertabends entschieden inspirierter. Nicht alles, was Archiven entrissen wird, taugt für die Ewigkeit. Auch innerhalb des Orchesters wird der Begriff "Kleinmeister" nicht zaghaft vermieden. Gleichwohl: jede Probe aufs Exempel sollte willkommen sein. Ein Großmeister war natürlich Georg Friedrich Händel. Seinen Xerxes hat Valer Sabadus hinreißend in Düsseldorf auf der Bühne gegeben. Eine virtuose Zugabenarie aus diesem Werk beendete den Abend. (Christoph Zimmermann)