Kölner Gloria

Emiliana Torrini singt, 850 Fans lauschen

KÖLN. Märchenwesen, die aus Island kommen und singen können, gibt es nicht allzu viele. Eines davon trägt den Namen Björk. Ein anderes heißt Emiliana Torrini, was kein Stück nach einer Insel klingt, die südöstlich von Grönland liegt, und zu über zehn Prozent mit Gletschern bedeckt ist.

Emiliana Torrini, dieser Name weckt Erinnerungen an den Vesuv, nicht an Geysire. Aber: Torrini kam 1977, als Tochter eines italienischen Gastwirts und einer Isländerin, tatsächlich in Kópavogur, der zweitgrößten Stadt Islands, zur Welt. Seitdem 1999 ihr Album "Love In The Time Of Science" erschien, ist das Eiland in Norwegens Nachbarschaft wieder in den Fokus der Welt gerückt. Ab da hat Torrini vier weitere Scheiben veröffentlicht, die letzte, "Tookah", kam Anfang September heraus.

Dienstagabend im Gloria haben 850 Fans tatsächlich den Eindruck, ein Märchenwesen vor sich zu haben. Mit ihren ebenholzschwarzen Haaren, ihrer Bluse, so rot wie Blut, und ihrem Rock, so weiß wie Schnee, wirkt die 36-jährige Sängerin wie Schneewittchen. Allerdings ein sehr irdisches, das, ungemein charmant, der deutschen Sprache mächtig ist, von einer exzellenten Band begleitet wird und, glühend vor Liebe, davon erzählt, Mutter geworden zu sein.

Die Setliste weist viele Stücke von "Tookah" auf, die elektronischer und zugleich instrumental komplexer daherkommen als die Vorläufer, aber auch alte Hits wie "Ha Ha" (2008), "Sunny Road" (2005) und "Summerbreeze" (1999) kommen zu ihrem Recht.

Dass der Gassenhauer von 2008, "Jungle Drum", schon in der ersten Hälfte erklingt, das spricht für ein gesundes Selbstvertrauen. Ein Schneewittchen, mit dieser Aura und mit dieser seelenvollen, traumsicheren Märchenstimme gesegnet, kann das. Vollkommen verzaubert lauscht das Publikum. Nur Sirenen singen schöner.