Konzert in der Lanxessarena

Ein unvergesslicher Abend mit Shakira in Köln

Köln. Zum Heulen schön: Shakira bereitet knapp 14.000 Fans in Köln einen unvergesslichen und schweißtreibenden Abend. Das Konzert Ende des vergangenen Jahres zu verschieben, hat sich ausgezahlt.

"Zumba! Zumba!“, „Ihr seid supa!“ – so pflegen die taffen Trainerinnen im Fitnessstudio ihre schweißüberströmten Schützlinge noch weiter anzuheizen. Und sich auch selbst dabei kein bisschen zu schonen. Verglichen mit dem, was Shakira am Dienstag in der Kölner Arena draufhat, wirkt das angesagte Latino-Workout in den Muckibuden unserer Republik nachgerade lendenlahm. Knapp zwei Stunden wirbelt die Kolumbianerin über die Bühne, getreu dem Motto „Hips Don't Lie“ (Hüften lügen nicht). Eine Pause gönnt sie sich allenfalls dann, wenn sie eine ihrer gefühlvollen Balladen wie „Antologia“ oder „Toneladas“ bringt. Wobei Letzteres zum Heulen schön gerät.

Kein Zweifel. Die 41-Jährige ist (wieder) in Topform. Dabei hatten ihre Fans schon Schlimmstes befürchtet. Ende 2017 musste sie auf Anraten der Ärzte eine Gesangspause einlegen, der Start ihrer sechsten Welttournee wurde um ein halbes Jahr verschoben. Nach Hamburg ist Köln die zweite Station im Reigen der deutschen Nachholkonzerte. Für knapp 14.000 Menschen wird daraus ein unvergesslicher Abend.

Frauen, die darüber schreiben dürfen, sind fein raus. Weil in so einem Artikel unweigerlich Adverbien wie „erotisch“, „scharf“ oder „heiß“ vorkommen müssen. Die man aber, als Mann, im Zuge von „Me too“, nicht (mehr) aufs Papier bringen darf. Was schade ist. Weil Shakira die erotischste, schärfste und heißeste Künstlerin ist, die man derzeit auf einer Konzertbühne erleben kann. Dagegen kommt Katy Perry – obwohl sie viel mehr Schminke im Gesicht trägt – wie eine Pensionatsschülerin rüber.

Shakira lässt es nur zu Beginn zahm angehen

Mit Kinder- und Jugendbildern, die zu „Estoy Aqui“ in runden Leinwänden gezeigt werden, die mit ihrer Spot-Umrandung wirken wie riesige Bullaugen, lässt es auch Perrys Kollegin erstmal zahm angehen. Doch gleich darauf sprühen die ersten Glitzerkonfettifontänen von der Decke und das Wolfsgeheul bei „She Wolf“ hat sich gewaschen. „Too long! Too long!“ ( Zu lange! Zu lange!) begrüßt Shakira anschließend ihre Fans: „Ich habe versucht, mir vorzustellen, hier vor euch zu stehen – und nun stehe ich tatsächlich hier!“ Der Jubel, der ihr daraufhin entgegenschallt ist unglaublich.

Weil das aktuelle, Ende Mai 2017 erschienene Album „El Dorado“ der Tour ihren Namen gibt, stehen viele Stücke davon auf der Setliste. Etwa „Nada“, „Perro Fiel“ und „Chantaje“, das dann im Schnelldurchlauf zum Mitsingen fürs Publikum eingeübt wird. Hits wie „Underneath Your Clothes“ (komplett umarrangiert und viel weniger knödelig wie das Original) dürfen trotzdem nicht fehlen. Spätestens bei „Whenever, Wherever“ verfällt dann auch das Publikum auf den Rängen dem Shakira-Fieber, das sich im Laufe des Abends stetig steigert, um mit „La La La (Brasil 2014)“ seinem Höhepunkt zuzusteuern. Der mit „Waka Waka (This Time for Africa)” dann schließlich erreicht ist.

Zur Fußballhymne üben sich dann sogar die männlichen Konzertbesucher wacker im Hüftkreiseln, angeführt von der zwölffachen Grammy-Gewinnerin, die auf dem Catwalk vormacht, wie es richtig geht. Im wippenden Röckchen aus schwarzen, roten und weißen Federn. Da hat sie sich zum vierten Mal umgezogen. Was im Rahmen solcher Konzerte nicht besonders oft ist. In den Kostümwechselpausen erzählen Einspieler von Göttern oder Bildung im Herkunftsland der Sängerin oder zeigen diese nixengleich mit wallendem Blondhaar unter Wasser dahin gleitend.

Das rührende „Toneladas“, ganz zart und zerbrechlich gesungen, ganz angefüllt mit bitterer Süße und einem Gefühl von unwiederbringlichem Verlust, läutet dann den Zugabenteil ein. Um direkt danach mit „Hips Don't Lie“ dem Publikum noch einmal alles abzufordern.

„Zumba! Zumba!“, „Ihr seid supa!“ und taffe Trainerinnen – wer braucht das schon? Shakira anhören, tanzen (und abspecken) kann man auch zu Hause. Und spart sich die Gebühren fürs Fitnessstudio. Das Geld kann man dann schon mal auf Seite legen. Fürs nächste Konzert.