Kein Platz für pianistische Eitelkeiten

Ein Klavierabend mit Olga Scheps in Siegburg

Echo-Preisträgerin: Pianistin Olga Scheps.

Echo-Preisträgerin: Pianistin Olga Scheps.

Siegburg. Die Pianistin Olga Scheps ist im Siegburger Stadtmuseum aufgetreten. Dort spielte sie unter anderen drei Gymnopédies von Eric Satie: meditativ, mit extremer Ruhe, aller Zeitlichkeit enthoben.

Die Entdeckung der Langsamkeit hätte man den Klavierabend von Olga Scheps bei den Siegburger Resonanzen zuweilen gut überschreiben können, denn die innere Ruhe, die die Kölner Pianistin an den Tag legte, war außerordentlich. Im Stadtmuseum spielte sie unter anderen drei Gymnopédies von Eric Satie: meditativ, mit extremer Ruhe, aller Zeitlichkeit enthoben. Die Achtsamkeit, mit der Scheps hier jeden Ton genau dosierend auf die Waagschale legte, war bemerkenswert, insbesondere, weil eine an sich ziemlich schlichte Melodie so zu einer in sich ruhenden Meditation wurde.

Dass sie auch anders kann, hatte sie zu Beginn des Abends mit der Fantasie f-Moll von Frédéric Chopin bewiesen. Hier lotete sie Extreme aus, kontrastierte Passagen von unmittelbarer Wucht und virtuosen Oktavendonner mit Passagen von unfassbarer Zartheit. Vor allem fand sie hier ein passendes Maß, dosierte die Chopin‘sche Emphase mit pianistischem Feingefühl punktgenau.

Mit Peter Tschaikowskis Nussknacker-Suite präsentierte Scheps nach der Pause schöne Miniaturen: majestätisch-virtuos der eröffnende Marsch, manisch-impulsiv die Tarantella, archaisch-rustikal der Trepak. Auch hier erwies sich die Pianistin als konzise Gestalterin, die nicht zu dick aufträgt, sondern den inneren Gehalt der Musik wunderbar auf den Punkt zu bringen versteht. Für pianistische Eitelkeiten war da wenig Platz. Obwohl gerade so ein Paradestück wie Sergei Prokofiews siebte Sonate jeden Raum dafür bieten würde. Mit diesem Werk, das schon im Kopfsatz von virtuosestem Oktavendonner bis hin zu völlig in sich versunkenen Passagen eine enorme pianistische Bandbreite fordert, beschloss Scheps ihr Konzert. Die weitschweifige Melodik und große Emphase des Mittelsatzes spielte sie ebenfalls mit größtem Nachdruck wie die ostinaten Rhythmen der abschließenden Toccata, ein fulminanter Reißer, den Scheps bis zum Äußersten ausreizte.