Einziges NRW-Konzert in Düsseldorf

Der neue, alte Dylan

Der US-Rocksänger Bob Dylan wird am Wochenende in Schweden erwartet.

Beim Konzert in Düsseldorf herrschte ein Foto-Verbot. Das Archivbild zeigt Dylan 2012 in Benicassim (Spanien).

Düsseldorf. Bob Dylan hat ein beeindruckendes Konzert vor 5000 Zuhören in der ausverkauften Mitsubishi-Electric-Halle in Düsseldorf gegeben. Applaus gab es vor allem für die gefühlvollen Momente.

Man kann die Uhr nach Bob Dylan stellen. Pünktlich um 20:00 Uhr wird das Licht gelöscht. Eine folkige Akustikgitarre spielt das Intro zu einem dramatisch-düsteren „Things Have Changed“. Dylan steht in leicht geknickter Haltung hinter einem Flügel. Eine Gitarre – weder eine akustische noch eine elektrische – wird er nicht anrühren. Mundharmonika wird er ebenfalls nicht spielen. Es sind auffällig viele Jugendliche nach Düsseldorf gekommen, um den Held ihrer Eltern live zu erleben. Einige von ihnen verstört der neue, alte Dylan. Sie haben den Folk- oder Folkrocksänger erwartet. Für Nostalgie ist Bob aber nicht zu haben. Das hätte man den jungen Leuten sagen sollen. Dafür erntet ein Dylan-Fan für seine Folkversionen mit Gitarre und Mundharmonika am Ende des Konzerts vor den Türen der Halle lebhaften Beifall.

Das Konzert in Düsseldorf ist restlos ausverkauft. Alt und Jung sind gekommen, um den frisch gekürten Nobelpreisträger im 29. Jahr seiner „Never Ending-Tour“ zu erleben. „Ja, er fühle sich geehrt und käme gerne zur Verleihung, wenn seine Zeit es erlaube,“ hatte er erklärt. Leider verhinderten andere Verpflichtungen seine Anwesenheit in Oslo. Der alte Fuchs zeigt auch im fortgeschrittenen Alter, dass er sich nicht vereinnahmen lässt – auch nicht von einem Nobelpreiskomitee.

Nach dem Eröffnungsstück spielt Dylan „Don’t Think Twice, It’s Allright“ in einer angenehmen Country-Version. Ein rockiges „Highway 61 Revisited“ zündet das erste Feuer an diesem Abend, das mit ergreifenden Momenten den Zuhörer dezent in die sich ständig verändernde Zauberwelt des Bob Dylan entführt. Dylans Stimme ist angenehm alt geworden, manchmal franst sie aus oder gerät zu einem leichten Krächzen. Seine langjährige fünfköpfige Tourband spielt ihm punktgenau jene Bälle zu, die ihn als Crooner in der Tradition von Frank Sinatra und Yves Montand oder als Interpret seines eigenen Schaffens bestehen lassen.

Zum ersten Mal verlässt er für ein Cover seinen Platz am Klavier, um zu einem Mikrofonständer in der Mitte der Bühne zu gehen. Als Südstaaten-Gentleman gekleidet, leicht zerbrechlich wirkend, schmachtet er gefühlvoll „Why Try to Change Me Now.“ Ein Gedanke, der dem Zuhörer beim Individualisten Dylan zugegeben zuallerletzt kommt. Im Interview mit einem deutschsprachigen Magazin erklärte Dylan jüngst seine neue Liebe zu den Klassikern damit, dass sie in eine Gefühlsregion vordringen, die zu erforschen, er sich selbst nie getraut hätte. An diesem Abend erntet er viel Beifall für jene gefühlvollen Momente. Der Applaus für die Klassiker ist wohlwollend, der begeisterte Beifall gilt vielen Preziosen des Abends, wie das sehr gefühlvolle „Love Sick“, „Tangled Up in Blue“ – mit geschmeidigem Gitarren-Solo verziert -, das düstere „Scarlet Town“ und das dringliche „Desolation Row“ voll rätselhafter Bilder, wie in einem Werk des holländischen Malers Hieronymus Bosch. Dylan beendet das Set mit dem schönsten Cover des Abends „Autumn Leaves“ von Yves Montand.

Ein kaum wieder zu erkennendes, mit Country-Geige gespieltes „Blowing In The Wind“ und ein tief-melancholisches „Ballad Of A Thin Man“ als Zugabe beenden einen beeindruckenden Abend.