Deutzchor Köln in der Philharmonie

Der Rhein in all seinen Facetten

Große Besetzung: Momentaufnahme vom Konzert in der Philharmonie.

KÖLN. Bereits am opulenten Programmheft war abzulesen, welche Ambitionen der Kölner Deutzchor mit seinem jüngsten Konzert verband. Aus lokalen Erwägungen lag es durchaus nahe, den Rhein musikalisch einmal derart umfassend zu thematisieren wie jetzt in der Philharmonie.

Mit einem gewaltigen Chorensemble vor Augen (neben den Deutzern standen noch die Operisten sowie das Collegium Cantandi aus Bonn zur Verfügung) benutzte Enjott Schneider bei seiner Vokalsinfonie "Der Rhein" eine Besetzung, wie sie - mit Beethovens "Neunter" beginnend - bei Gustav Mahler "perfektioniert" wurde und Ausläufer unter anderem bei Ralph Vaughan Williams fand.

Die benutzten Texte stammen von Hildegard von Bingen, Goethe und Heine. Wenn es in Prolog und Epilog auch schon mal etwas euphorisch zugeht, sind Tacitus und Martialis gleichwohl keine nationalpatriotischen Verslieferanten. Ganz ohne etwas Lokalstolz geht es freilich nicht ab. So ist der dritte Teil der Loreley-Sage gewidmet, und da zitiert der Komponist mehrfach Zelters Volkslied.

In dem Werk geht es nicht ganz so deskriptiv zu wie etwa in der "Alpensinfonie" von Strauss. Durch seine vielen Arbeiten für Film und Fernsehen ist Schneider allerdings stark auf Klangmalerei geprägt, freilich mit zeitgemäßer Ausdruckspalette. Sie wurde von der Württembergischen Philharmonie unter dem umsichtigen und hellwach agierenden Dirigenten Heinz Walter Florin mit großer Verve realisiert. Für den Chor gibt es harmonisch eine Reihe heikler Bewältigungsaufgaben, die imponierend gelöst wurden.

Die Sopranistin Lisa Tjalve war eine weitgehend überzeugende Protagonistin bereits in Mendelssohn unvollendeter Oper "Die Loreley" gewesen, von der sämtliche Fragmentteile geboten wurden. Winzerchor und Ave Maria wirken fraglos etwas konventionell, das Finale des ersten Aktes jedoch ist ein echtes musikalisches Juwel. Den Ausführenden nachdrücklich Dank für die Begegnung mit diesem sträflich vernachlässigten Stück .

Eine komplette "Loreley"-Oper (ebenfalls auf Emanuel Geibels Text) gibt es von dem Kölner Max Bruch. Für sie warb die Württembergische Philharmonie mit dem klangsatten Vorspiel. Ob Engelbert Humperdincks butzenscheibige Ballade "Die Wallfahrt nach Kevlaar", 1887 im Kölner Gürzenich uraufgeführt, eine Zukunft hat?

Die engagierte Interpretation unter Florin (als überzeugender Tenorsolist kam Michael Siemon hinzu) war zumindest eine hochinteressante Begegnung, namentlich für Freunde von Raritäten.