Yamato in der Kölner Philharmonie

Der Puls des Lebens

"Taiko": So heißen die Trommeln, die bei den Shows von Yamato den Ton angeben. FOTO: HANANO

"Taiko": So heißen die Trommeln, die bei den Shows von Yamato den Ton angeben.

22.07.2015 Köln. Der Star der Show wiegt 500 Kilo und bringt es dabei auf 1,70 Meter. Im Durchmesser wohlgemerkt: Odaiko heißt die aus einem einzigen Baumstamm geschnitzte Trommel, deren Klang tief im Bauch vibriert.

Pure Energie, der Pulsschlag des Lebens schlechthin. Und genau darum geht es in "Bakuon", der neuen Show von Yamato - The Drummers of Japan, die jetzt eine mit Fug und Recht umjubelte Premiere beim Kölner Sommerfestival in der Philharmonie gefeiert hat und dort bis zum 26. Juli zu sehen, oder vielmehr zu erleben, ist.

"The Legend of the Heartbeat": Eigentlich hätte es den Untertitel nicht gebraucht. Denn dass es in diesen 100 Minuten um das Essenzielle geht, um die geheimnisvoll treibende Kraft, die jedes Leben in sich birgt, und gleichwohl auch um die Balance zwischen Einkehr und Herausforderung - das offenbaren die ruhigen Schläge in eine stille Wasseroberfläche auf der Leinwand, die traditionellen Flöten und Gesänge sowie die gleichermaßen gut gelaunten wie martialischen Kampfrufe ganz direkt und unverstellt. Als hätten die jungen, muskulösen Trommlerinnen und Trommler in ihren ausgesucht schönen Kostümen zwischen japanischer Tradition und der Generation 2.0 die Stimme der Natur in ihre Sprache übersetzt; diese unwiderstehliche Spannung zwischen Kraft und Anmut, an der man sich schlichtweg nicht sattsehen kann. 100 Minuten sind nur ein Ausschnitt, wenn auch ein sehr unterhaltsamer.

"Bakuon" meint Lebensfreude und Vitalität pur; auf der Shime-Daiko, der geschnürten Okedo-Daiko oder der voluminösen Miya-Daiko. Die Trommelstäbe werden wie Schwerter geführt, und sie donnern nieder, dass das Fell vibriert; synchron oder auch im an- und abschwellenden Takt, ausgeführt mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit. Die Trommler wirbeln und springen, lachen dem Publikum zu und nehmen sich gelegentlich nicht zu ernst.

Damit kann man schon mal einen Abend verbringen. Doch das eigentliche Geheimnis dieser von Masa Ogawa - dem Gründer und künstlerischen Leiter von Yamato - kreierten Show trägt der Zuschauer mit sich hinaus ... falls er mag. Eine Ahnung, welche Saite der Anblick einer bewegten Wasseroberfläche oder ein tiefer satter Klang berühren - ganz spontan, intuitiv. Und am Ende ist ein bisschen Platz für "Bakuon" vielleicht schon am nächsten Tag. Es müssen ja nicht gleich 500 Kilo sein.

Bis 26. Juli, Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen (Ulrike Strauch)