Ausverkaufte Tour

Dendemann gibt grandioses Konzert in Köln

Dendemann beim Konzert in Köln.

Dendemann beim Konzert in Köln.

Köln. Nach neun Jahren bringt Dendemann sein neues Album „da nich für!“ raus und spielte am Sonntag im ausverkauften Kölner Carlswerk Victoria 28 Songs in 100 Minuten, die einem eher wie 10 vorkamen: ein Konzert aus einem Guss.

Ausverkaufte Tour, Platz eins der Album-Charts, Comeback des Jahres. Wenn man Rap-Kids der Gegenwart erklären wollte, wer da derzeit im Metier von aktuellen Schulhofhelden wie Haftbefehl, Kollegah und Co. wildert, würde man ihnen am besten sagen: Es ist Dendemann, der Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper. Und hätte damit noch nicht einmal gelogen.

Denn vieles von dem, was heute an Reimtechniken en vogue ist, hat hierzulande ein junger Sauerländer namens Daniel Ebel eingeführt, als er Mitte der 90er Jahre gemeinsam mit DJ Rabauke in Hamburg die Kombo EinsZwo gründete und als eine der wenigen Gruppen dieser ersten Hochzeit des deutschen Rap Musik erschuf, die noch heute Bestand hat.

Zu besichtigen war dies nun, wo EinsZwo längst Geschichte ist und Dendemann nach neun Jahren Pause sein drittes Soloalbum veröffentlicht hat, im Kölner Carlswerk Victoria, einer neuen Konzert-Location in Mülheim, unweit des Schauspiels. 1600 Menschen waren gekommen, um ihren Helden von früher zu feiern – der ihnen natürlich den Gefallen tat und auch zwei Klassiker von EinsZwo raushaute – im Zugabenblock eines mit 28 Songs bestückten hochklassigen Mammutrapkonzerts.

Doch die 1600 waren auch gekommen, um ihren Helden von heute zu feiern. Denn das war alles andere als eine Nostalgie-Show eines Mittvierzigers, der seine besten Tage lange hinter sich hat.

Durchdachter, relevanter und politischer denn je

Mit „da nich für!“ hat Dendemann Ende Januar ein hochklassiges und lang ersehntes Werk vorgelegt, politisch und sehr durchdacht, dabei musikalisch auf der Höhe der Zeit und dennoch in der Vergangenheit schwelgend. Textlich auf einem Niveau, das erfordert, viele Songs mehrfach zu hören, um sich die Tiefe des Inhalts zu erschließen – so entsteht Relevanz, ganz ohne Schimpfwörter.

Keinen Song von „da nich für!“ ließ Dendemann in Köln aus. Die 100 Minuten kamen einem dennoch vor wie zehn, weil das Set wie aus einem Guss zusammengestellt war und dank Liveband teilweise einem XL-Medley glich, in dem gerade von den älteren Stücken nur noch der Text übrig geblieben war. „0 Robota“ lieh sich da einen fetten Deichkind-Beat, „Stumpf ist Trumpf“ bekam ein sehr passendes Techno-Intro à la Scooter verpasst – mit unüberhörbarem Augenzwinkern. Zu größerer Bekanntheit war Dendemann ab 2015 als musikalischer Sidekick von Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“ gelangt. In diesen zwei Jahren ist er politisch geworden und liefert nun mit „Keine Parolen“ einen Song aus Sicht der Verdrossenen und übt bissige Gesellschaftskritik: „Ja, unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar, Haare in der Suppe, wir rufen bloß den Kellner.“

Im Opener „Wo ich wech bin“, einer Art Stichwortsammlung zu seiner Kleinstadtherkunft, musikalisch in die Form eines Intros mit Überlänge gegossen, rappte Dende ganz bodenständig: „Im Kopf und im Herz bin ich oft wieder hier, Du kriegst mich aus dem Dorf, doch das Dorf nich' aus mir“. Der Bass pumpte, der Sound war für eine Industriehalle sehr klar. Das Carlswerk machte eine gute Figur.

Mit Pferdelunge und Reibeisenstimme pflügte Dendemann derart souverän durch sein Set, als wäre er eins mit dem Mikro geworden. Warum das alles so leicht erschien? Das machte er im allerletzten Song deutlich: In „Noch’n Gedicht“ sprach Dendemann als „Floralapostel“ seine ungebrochene Liebe zum Hiphop aus und dichtete: „Denn weil auch dieses Spiel nur ein paar Regeln gehorcht, brauchst du mehr Themen als Chrysan und Ideen als Orch.“ Und die hat er.