„Et jode kölsche Hätz!“

Das neue Divertissementchen mit Ex-OB Jürgen Nimptsch

Souverän: Bonns Ex-OB Jürgen Nimptsch (Mitte) als böser Geschäftsmann.

Souverän: Bonns Ex-OB Jürgen Nimptsch (Mitte) als böser Geschäftsmann.

Köln. Das neue Divertissementchen von Cäcilia Wolkenburg heißt „Die Rache von Melaten“. Bonns Ex-OB Jürgen Nimptsch spielt den bösen Geschäftsmann Waller.

Die Stimmung konnte besser nicht sein im Staatenhaus der Kölner Oper. Mit „Fastelovend zesamme“ begrüßte Regisseur Lajos Wenzel den ausverkauften Saal zur Vorpremiere des Zillche „Die Rache von Melaten“. Und nur wenige Minuten später klatschte das Publikum rhythmisch zum Spitzentanz des Balletts, die ersten Spitzenhöschen überm Männerbein wurden präsentiert. Diese Konstanten in der Show der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg beschreiben Köln in einer fernen Zeit: Selbst die Oper steht nach einer Renovierung von 70 Jahren beinahe vor der Wiedereröffnung.

Die Skyline der Stadt auf einem Bühnenprospekt erdrückt den Dom durch mutig aufsteigende Architektur, und jetzt soll es dem Sa-kralbau endgültig selbst an den Kragen. Der Global Player Tom Waller hat Investoren aus aller Welt eingeladen, dem Startschuss zum Umbau der Kathedrale in ein Luxushotel mit Jachthafen, Beauty-Salon und Brauhaus beizuwohnen. Die Oberbürgermeisterin und Kirchenoberen sind dabei, ebenso der Präsident des Zentralen Dombau-Vereins, der die entscheidende Unterschrift leisten soll.

Doch zuvor springt die kölsche Soubrette „et Lämmche“ aus einer Dom-Torte, um der Innovation eine Hymne zu singen. Stattdessen aber geigt die Patriotin dem Präsidenten die Meinung und belegt ihn mit einem Fluch, dem nur zu entgehen sei, wenn er den größten Schatz der Kölner finden kann: „et jode kölsche Hätz!“ Dieses nun auf dem Friedhof Melaten zu suchen, ist allein deshalb eine gute Idee, weil so ein spektakulärer Umbau von Penthouse-Wohnung mit Domblick auf morbide Friedhofs-Gruseloptik erfolgt.

Bernhard Steiner dirigiert seine wilde Musikantenmischung durch Oper, Messe, Big-Band-Sound und Schlager (arrangiert von Thomas Guthoff). Das musikalische Repertoire streift berühmte Dies-Irae-Vertonungen, Musicalhits, Abba-Knaller, einen humpelnden Reggae und sogar Samba oder Chachacha, löst sich aber meist in einen Karnevalshit auf.

Die Kostüme auf der Bühne sind echte Hingucker (von Judith Peter), mobiler Blickfang Nr. 1 bleibt das Ballett (Choreographie: Michaela Niederhagen), das immer wieder die Oberbürgermeisterin (Gerd Schwieren) integriert. Dialogschreiber Lajos Wenzel schießt auch im Hinblick auf das 175-jährige Bestehen des Kölner Männer-Gesang-Vereins kölsche Sprüche und lustige Redensarten wie aus dem Maschinengewehr ab, Munition besonders für Publikumsliebling Peter Wallraff, der mit der Rolle als Lämmche glänzend bedient wurde.

Joachim Sommerfeld als Präsident Düx und Jürgen Nimptsch als böser Geschäftsmann Waller spielen gewohnt souverän die Protagonisten, assistiert von zahlreichen Naturtalenten. Am Schluss herrschte große Einigkeit: „Mer losse d'r Dom in Kölle!“

Aufführungen vom 17.1. täglich außer Montags bis 13.2. Karten bei Bonnticket.