Kölner Theatertradition

Das Ende des Millowitsch-Theaters in Köln

KÖLN. Peter Millowitsch verkündet das Ende einer Kölner Theatertradition zum Ende der Spielzeit 2018/19. Es ist aber nicht zwingend das Ende seiner Laufbahn.

"Dieser Schritt fällt mir sicher nicht leicht, denn ich lebe und atme das Millowitsch-Theater.“ Und so hat sich Peter Millowitsch sicherheitshalber, „um nicht zu stottern“, aufgeschrieben, was er verkünden will: letztlich das Ende einer Kölner Theatertradition. Nach der Spielzeit 2018/19 soll es keine weiteren Stücke der Marke „Millowitsch“ an der Aachener Straße geben. Als Volksbühne am Rudolfplatz wird es jedoch weiter bespielt.

„Ich glaube aber nicht, dass ich so einfach sang- und klanglos in den Ruhestand gehen sollte. Für das Finale sollte es etwas ganz Besonderes sein. Warum nicht mit dem Stück aufhören, mit dem alles angefangen hat?“ Dem legendären „Etappenhasen“. „Für mich persönlich schließt sich dann auch ein Kreis, denn außer dem ,Anton’, der Rolle meines Vaters, und der ,Marie’, dem einzigen Mädchen in dem Stück, habe ich im ,Has’ schon alle Rollen gespielt.“

Und es war wirklich dieser Schwank, der das Haus in ganz Deutschland bekannt gemacht hat, nachdem er am 27. Oktober 1953 als erste Live-Übertragung eines Theaterstücks im Fernsehen in die Wohnzimmer der jungen Republik flimmerte. Willy Millowitsch hat den „Hasen“ immer wieder auf seine Bühne gebracht (unter anderem auch mit Lotti Krekel), tourte damit sogar 1972 durch Südafrika. Und es wurde immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt – wie die meisten anderen Stücke auch. Im Zuge seiner Sparmaßnahmen beendete der WDR im vergangenen Jahr die Kooperation mit Millowitsch.

Ein Schlag ins Kontor, den er bis heute nicht verkraften konnte, da der WDR „einen Teil der finanziellen und organisatorischen Belastung getragen“ habe. Dies nun allein zu stemmen, „wird mir einfach zu anstrengend“. So habe der WDR für Bühnenbild und Kostüme gesorgt, Millowitsch allein fehlen dafür die personellen Kapazitäten. Doch letztlich war das Millowitsch-Theater schon lange ein Haus auf Abruf. Peter Millowitsch hatte immer wieder betont, dass er der letzte Theaterleiter sein werde. Im Februar 2019 feiert er seinen 70. Geburtstag, Ehefrau Barbie und er haben keine eigenen Kinder. Und in der Verwandtschaft besteht kein Interesse.

Der Schatten des großen Übervaters

Und wie wirkt Peter Millowitsch in diesem Moment? Geschäftig, aufgeräumt und lässt sich einmal mehr nicht in die emotionalen Karten gucken. „Wir haben in den letzten Wochen viel telefoniert“, erzählt seine Schwester Katarina Eisenlohr, die gekommen ist, „um ihm zur Seite zu stehen“, denn: „Natürlich tut das weh.“ Für die vier Geschwister – zum Quartett gehören noch Susanne und Mariele Millowitsch – bedeutet das Haus auch ein Stück Heimat, in dem sie nicht nur auf der Bühne standen. „Anfang der 50er Jahre hat Willy ja noch Filme gezeigt, und es war toll dann beim Filmvorführer in der Kabine zu sitzen und ,Das Gewand’ oder ,Der Gladiator’ zu sehen.“

Mit dem Schatten des großen Übervaters hatten sie alle ihre Probleme, sicher hat genau das sie besonders zusammengeschweißt. „Nicht mal beim Erbe gab es ein böses Wort zwischen uns“, versichert Katarina. 1940 hatte Willy Millowitsch von seinem Vater die Theaterleitung übernommen, das seit 1936 an der Aachener Straße eine feste Heimat gefunden hatte. 1998 wurde Peter der Chef. „Willy hatte ja eigentlich gesagt, er wolle auf der Bühne sterben – da hat ihm dann die Gesundheit aber einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erinnert sich Peter jetzt. So wolle er nicht abgehen.

Allerdings: „Es muss ja nicht heißen, dass ich hier im Haus nichts mehr mache: Ich muss ja nicht auf der Bühne stehen“, sinniert er – auch im Hinblick auf die erfolgreiche Premiere des Stücks „Taxi, Taxi“ in der Düsseldorfer Komödie an der Steinstraße, bei der er zuletzt Regie führte. Und in der Landeshauptstadt spielte er im Sommer zusammen mit Heidi Kabels Tochter Heidi Mahler den Klassiker „Tratsch im Treppenhaus“, nächstes Jahr gibt es eine Wiederaufnahme. Denn: „Ganz ohne Theater wäre es ja öde!“