Ausstellungen in Remagen

Das Arp Museum ist in der deutschen Museumslandschaft angekommen

Abendlich(t): Der Bahnhof Rolandseck und das Arp Museum vom Rhein aus gesehen.

REMAGEN. Unterirdisch und überirdisch, mit Ausstellungsebenen unter den Gleisen und darüber begegnet es seinen Besuchern. "Alles Gute für dieses beeindruckende Museum", schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Gästebuch, als sie am 28. September 2007 das Arp Museum Bahnhof Rolandseck nach dreijähriger Bauzeit gemeinsam mit Ministerpräsident Kurt Beck eröffnete.

Er nannte es "einen Gral der Kultur" wegen der "aufsehenerregenden" Architektur Richard Meiers, zu verdanken einer Vision von Johannes Wasmuth ebenso wie der Deutschen Einheit. Denn das 33 Millionen teure Haus wurde als letztes großes Bundesprojekt des Bonn-Berlin-Ausgleichs etwa zur Hälfte durch Ausgleichs-Mittel finanziert.

Merkel hob auf den Rhein ab, "immer wieder umkämpfte Grenze und lebendiger Verbindungsstrom" und den "Grenzgänger" zwischen Staaten und Kulturen Hans oder Jean Arp, wie sich der Künstler aus Protest gegen das Nazi-Regime nannte: "Deshalb ist dieses Museum nicht nur eine Bereicherung der Region, des Landes Rheinland-Pfalz, des Zusammenlebens in der Region Bonn, sondern eben auch eine Bereicherung des europäischen künstlerischen Fundus."

2012 feierte das Gesamtkunstwerk aus klassizistischem Bahnhof und weißem Neubau am Berg seinen fünften Geburtstag. Bis dahin hatte es rund 300.000 Menschen angezogen, "eine Erfolgsgeschichte", so Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, Vorsitzender der Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

Gesellschaftlicher Treffpunkt war der Bahnhof freilich seit der Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich Endpunkt einer ab Köln verkehrenden Privatbahn mit großem Festsaal, sah er Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, wie Königin Viktoria von England, Kaiser Wilhelm II., Carmen Silva, spätere rumänische Königin, die Grimm-Brüder, Ludwig Uhland, Karl Simrock, Guillaume Apollinaire und Friedrich Nietzsche. Es konzertierten Brahms, Liszt und Clara Schumann. Gleichfalls verlustierten sich dort die Bonner Studenten. Rhein, Rolandsbogen, Siebengebirge - die herrliche Aussicht, welche Alexander von Humboldt als eine der sieben weltschönsten pries, lockte sie alle.

Auch der kunstsinnige Johannes Wasmuth verfiel dem Charme, ließ sich 1964, als er den Bahnhof bezog, um ihn in ein Kulturzentrum zu verwandeln, von dessen inzwischen verlottertem Zustand nicht schrecken. Mit seinem Charisma umgarnte er Künstler und Politiker, improvisierte auf hohem Niveau, organisierte pulsierendes Kulturerleben um Kunst und Musik sowie legendäre Feiern.

Er überzeugte Entscheidungsträger den Bahnhof zu unterhalten und später mit seiner Museumsidee, wurde starker und schwieriger Vertragspartner des Landes, wie sein Rechtsnachfolger, der private Arp Verein, Verkäufer und Leihgeber der Werke Hans Arps und Sophie Taueber-Arps. Seit Juli 2008 aber ist das Land alleinverantwortlich für das Museum.

Es bietet als Drei-Sparten-Haus anspruchsvolle Ausstellungen, Lesungen - Nobelpreisträgerin Herta Müller war auch schon da - klassische Konzerte und Kammermusikfestivals. Manchmal spricht Museumsdirektor Oliver Kornhoff, die herrliche Lage und die Sehenswürdigkeit des Neubaus hinzurechnend, gar von fünf Sparten. Seine Überzeugung: "Das Arp Museum ist in der deutschen Museumslandschaft angekommen." Zu den Museumspatronen Arp und Taueber-Arp kommen Dialogausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern. Viel beachtet etwa: Anselm Kiefer, Jonathan Meese, K. O. Götz, Daniel Spoerri, die "Hochwasser"-Schau von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger. Aktuell machen spektakuläre Wand- und Raumobjekte der Amerikanerin Tara Donovan staunen.

Pluspunkt seit 2009 sind Gemälde und Skulpturen vom Mittelalter bis zur Moderne aus der Sammlung Rau für UNICEF. So avancierte die Ausstellung "Lichtgestöber. Der Winter im Impressionismus" mit mehr als 55 000 Gästen zur bisher bestbesuchten Schau im Arp Museum. Außerdem versetzen die Leihgaben (bis 2026) die Einrichtung, welche sie temporär an andere Häuser weiterreichen darf, ihrerseits in den zeitweiligen Genuss hochkarätiger Werke aus deren Beständen.

Mit seinem engagierten Mitarbeiterteam, einem reichhaltigen Kunstvermittlungsprogramm, seinen Kooperationen mit den Schulen der Region, den Freunden und Förderern des Museums als auch zunehmender Außendarstellung etwa bei der BUGA in Koblenz zeigt sich das Arp Museum gut aufgestellt für die Zukunft. Es bemüht sich sowohl um Gäste aus Nordrhein-Westfalen wie aus südlicher Richtung. Dabei hilft gewiss die auch bei Einheimischen beliebte Museumsgastronomie samt stimmungsvollem Terrassenausblick.

Das laufende Jahr stimmt jedenfalls zuversichtlich. Wurden bislang 2009 mit 73 593 Gästen die meisten Besucher gezählt, rechnet das Arp Museum für 2013 bis Dezember mit einem noch größeren Zulauf.