Gefühlvoll und akustisch

Clueso gibt ein Kuschelkonzert in Köln

Clueso gastierte auf seiner "Handgepäck"-Tour im Palladium in Köln.

Clueso gastierte auf seiner "Handgepäck"-Tour im Palladium in Köln.

Köln. Auf seiner Handgepäck-Tour ist Clueso auch im Kölner Palladium zu Gast. Trotz Tausenden Zuschauern schafft er eine intime Atmosphäre und funktioniert die Bühne zu seinem Wohnzimmer um.

Selbst vor Tausenden Fans wirkt er immer noch wie der Junge von nebenan. Clueso präsentierte sich im Palladium in Köln im akustischen Gewand. „Das soll nun aber keine Entschuldigung sein. So wird's laufen“, sagte er und spielte mit „Morgen ist der Winter vorbei“ und „Es ist schon spät“ zwei Songs aus dem neuen Album „Handgepäck I“, das auch der Tour ihren Namen gab.

Trotz der ruhigen Töne schunkelte sich das Publikum zufrieden von Zeile zu Zeile. Aus den früher oft raplastigen oder zumindest deutlich schnelleren Songs ist ein tiefenentspanntes Akustik-Set geworden. Passend dazu ist die Technik abgespeckt, die ersten Stücke kommen komplett ohne Schlagzeug aus, und ein kleiner Beistelltisch wirkt, als hätte es sich der Sänger zu Hause in seinem Wohnzimmer bequem gemacht und zu einer kleinen Jamsession geladen. Mit den Worten „Nun gibt's einen Special Effect für euch“ knipst er die Nachttischlampe an und stimmt „Neue Luft“ an.

Der Blick in die Publikumsreihen verrät, dass der neue Sound nicht allen Fans zusagt. Diejenigen, die den Erfurter Rebellen und seine unkonventionellen Rap-Passagen vermissen, scheinen aber gar nicht erst gekommen zu sein – dafür sind neue Clueso-Liebhaber dazugekommen. Das kann man verstehen. Denn wer den Sound des neuen Albums mag, er dürfte auch das kuschelige Konzertfeeling genossen haben.

Ohne Vorband und viel Tamtam

Ganz ohne Vorband und viel Tamtam gab es zwei Stunden Clueso hautnah, auch in den hinteren Reihen. In seinem unaufgeregten schwarz-gelben Hemd erzählte er von sich, seiner Kindheit und packte Anekdoten von Udo Lindenberg aus, passend zum Lied „Cello“. In seiner Version wohnt die besungene Göttin allerdings in Nippes, nicht mehr in Erfurt.

Trotzdem ließ es sich der 38-Jährige nicht nehmen, auch einige alte Songs neu zu interpretieren. Darunter „Pizzaschachteln“, „Beinah“ und natürlich „Gewinner“. Das Lied „Vier Jahreszeiten an einem Tag“ ist eine Coverversion des Originals „Four Seasons In One Day“ von Crowded House aus den 90ern. Auch vor diesem Songs gab es eine ehrliche Ansage: „Ich liebe dieses Lied. Aber ich habe es ins Deutsche übersetzt. Mein Englisch fetzt einfach nicht so“, sagt er, lacht und stimmt den ersten Akkord auf seiner Akustikgitarre an.

Zwischendurch lässt er aber auch seinem Schlagzeuger Tim Neuhaus den Vortritt. Der Singer-Songwriter hat schon etliche eigene Alben produziert und bringt im Dezember sein neues Album „Pose III + IV“ heraus. Seine Bühne für einen anderen Musiker freizugeben, macht Clueso dabei nur sympathischer. Und seine Aussage: „Digitales ist da, um vergessen zu werden, Analoges ist da, um sich daran zu erinnern“ wirkt nach dem Konzert noch umso wahrer.