Lesung in Sankt Augustin

Bestseller-Autorin Eva Müller ist zu Gast auf dem Sofa

Zu Gast auf dem Sofa in Augustin: Eva Müller.

SANKT AUGUSTIN. Ihr Buch stand wochenlang auf Deutschlands Bestseller-Listen. Autorin Eva Müller, mehrfach preisgekrönte TV-Reporterin diverser WDR-Magazine, beschäftigt sich in ihrem Sachbuch namens "Gott hat hohe Nebenkosten" mit dem nach dem Staat größten Arbeitgeber unseres Landes: den Kirchen. Am 15. Mai ist Müller zu Gast auf dem Sofa in Sankt Augustin.

Das derzeit bundesweit viel diskutierte Thema "Arbeitgeber Kirche" verspricht am Mittwoch, 15. Mai, einen spannenden Abend, wenn Autorin Eva Müller, die kürzlich auch in Günther Jauchs TV-Talkshow zu Gast war, um 19.30 Uhr auf dem Sofa der Hochschul- und Kreisbibliothek (in Zusammenarbeit mit dem General-Anzeiger und der Bücherstube Sankt Augustin) Platz nimmt. Denn das im Januar erschienene Buch erhielt noch während Eva Müllers Recherchen aktuelle Brisanz auch in dieser Region, als vor einem Jahr der Leiterin des katholischen Kindergartens im Königswinterer Stadtteil Rauschendorf gekündigt wurde.

Erzieherin Bernadette Knecht zog nach dem Scheitern ihrer Ehe mit ihrem neuen Lebensgefährten zusammen und teilte dies dem örtlichen Pfarrer mit. Der nannte das Privatleben der Leiterin wörtlich "ein schädliches Ärgernis" und leitete die Kündigung in die Wege. Doch die Eltern nahmen das nicht hin, gingen auf die Barrikaden, kämpften geschlossen für den Verbleib der beliebten Erzieherin und stellten zu ihrer Überraschung fest: Ihr Kindergarten hat zwar einen katholischen Träger, wird aber ganz und gar aus Steuergeldern finanziert. Die Eltern sorgten dafür, dass dem Träger gekündigt und ein neuer gefunden wurde.

Das ist nun die evangelische Kirche. Doch für die beiden großen Kirchen und ihre 1,3 Millionen Beschäftigten gilt § 118, Absatz 2 des Betriebsverfassungsgesetzes, der die Kirchen von der Bindung an dieses Gesetz generell freistellt. Die Konsequenz: eine Arbeitswelt ohne Gewerkschaften, ohne Streiks und ohne Tarifverhandlungen, wo die Konfession Hauptvoraussetzung für die Einstellung ist (auch für Reinigungskräfte oder Chirurgen im Krankenhaus). Beispielsweise führt auch offen gelebte Homosexualität zur Kündigung. Die Beschäftigung bei einer Kirche gilt nämlich nicht als Arbeitsverhältnis, sondern als sogenannte Dienstgemeinschaft.

Das kann problematisch werden, wenn die kirchlichen Träger vor allem in ländlichen Gebieten über eine Monopolstellung verfügen - sowohl als Arbeitgeber und Ausbilder in sozialen Berufen wie auch als Anbieter von Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres wurde eine verzweifelt um Hilfe bittende Vergewaltigte von gleich zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen.

Zugleich aber, und darüber informiert das Buch ausführlich, finanziert der Staat die Einrichtungen kirchlicher Träger zu 90 bis 100 Prozent - wohlgemerkt nicht über die Kirchensteuer, sondern aus den allgemeinen Steuern, die auch Moslems oder Konfessionslose zahlen.

Eva Müller beschreibt das Dilemma diplomatisch: "Der Staat kauft sich mit der Kirche als Träger seiner Aufgaben Sonderregelungen mit ein, die in der heutigen Zeit an ihre Grenzen stoßen."

Lesung und Dialog mit der Autorin: Mittwoch, 15. Mai, 19.30 Uhr, Hochschul- und Kreisbibliothek, Grantham-Allee 20, Sankt Augustin. Moderation: Michael Pues, evangelischer. Pfarrer. Eintrittskarten (acht Euro, ermäßigt vier Euro) im Vorverkauf in der Bücherstube Sankt Augustin, Markt, oder an der Abendkasse.